Das Vanforsch-Gelände ist jetzt sauber

Von: Jürgen Lange
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„Staubsauger”: Fast acht Jahre lang wurde die Luft im Boden des Vanforsch-Geländes abgesaugt und gereinigt. Foto: J. Lange

Stolberg. Eine der größten Umweltsünden des letzten Jahrtausends in Stolberg ist bereinigt. „Das Gelände der ehemaligen Firma Vanforsch ist erfolgreich saniert”, erklärt Kreisumweltdezernent Uwe Zink. „Es kann heute wieder uneingeschränkt gewerblich genutzt werden.”

Dabei ging es schon 1974 eigentlich um Sauberkeit, als die Firma Vanforsch an der Propsteistraße nahe dem Hauptbahnhof verbrauchte Reinigungsmittel annahm.

Rund 2000 chemischen Reinigungen aus ganz Nordrhein-Westfalen lieferten ihre Rückstände in der Atsch an. Hier sollte gebrauchtes Perchlorethylen (PER) durch Destillation so recycelt werden, dass es wieder in den Reinigungen eingesetzt werden kann.

Die Rückstände der Destillation bestehen aus Fetten, Wollfasern, Kieselgur und Restgehalten von PER und so genannten leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW).

„Chaotische Zustände”

„Allerdings entsorgte der Firmeninhaber diese Rückstände nicht, sondern türmte im Laufe der Zeit 17.000 Fässer von jeweils 200 Liter Inhalt auf dem Gelände an der Propsteistraße auf”, berichtet Zink.

Einige der Fässer fielen in den unmittelbar angrenzenden Saubach, andere rollten unkontrolliert von den Stapeln, rosteten durch und liefen aus.

„Aufgrund dieser chaotischen Zustände wurde der Firma 1980 die Betriebserlaubnis entzogen”, erinnert der Kreisumweltdezernent an einen Umweltskandal, der Stolberg seinerzeit einmal mehr in die Schlagzeilen brachte.

Zuvor hatte der Unternehmer noch 933 Fässer mit der Genehmigung der Kölner Bezirksregierung auf der Bauschuttdeponie im Alsdorfer Stadtteil Blumenrath abgelagert.

„Weil zuletzt die Firma aber finanziell nicht mehr in der Lage war, die Fässer ordnungsgemäß und schadlos zu entsorgen, musste der Kreis die Entsorgung im Wege der Ersatzvornahme durchführen”, sagt Zink. Doch auch das stellte sich schnell als problematisch heraus.

Zunächst glaubte der Kreis eine geeignete Entsorgung gefunden zu haben: im Wülfrahter Zementwerk. Zement bindet die Schadstoffe, während die Fette als zusätzliche Heizquelle dienen.

Doch als die Entsorgung anlaufen sollte, stellte das Zementwerk seinen Betrieb ein. Später sollten die Rückstände in einer Verbrennungsanlage in Bramsche unschädlich gemacht werden; aber auch diese Anlage wurde außer Betrieb genommen.

Letztlich landete der Inhalt des Stolberger Fässer-Bergs auf der Sondermülldeponie in Schönberg. Allein für die Entsorgung der Fässer musste der Kreis Aachen rund eine halbe Million Euro aufbringen.

Im Rahmen der damaligen Zwangsversteigerung übernahm er das Grundstück für eine symbolische Mark. „Mehrere Versuche, die Kosten der Sanierung beim Verursacher einzutreiben, blieben mangels Masse erfolglos”, sagt Uwe Zink.

Förderung durch das Land

Der Kreis veräußerte das Grundstück - heutzutage ist ein Kfz-Betrieb dort ansässig - nach dem Freiräumen für 35.000 Euro an einen Spediteur und verpflichtete sich zur Sanierung des Bodens, der durch das Auslaufen der Fässer mit LHKW belastet war; auch das Grundwasser war in Mitleidenschaft gezogen. Mit Unterstützung des Landes wurde ein Sanierungskonzept erarbeitet. Das sah letztlich vor, aktiv den Boden abzusaugen.

Fast 900.000 Euro Kosten

Dazu wurden im Oktober 2000 auf dem Gelände 18 Pegel in einer Tiefe von drei Meter abgeteuft. Sie wurden mit unterirdisch verlegten Leitungen an eine - in einem Container untergebrachte - Absauganlage angeschlossen. Seitdem wurden an 19 Messstellen die Boden- und an weiteren vier die Grundwasserwerte kontrolliert. Nahezu acht Jahre lang wurde die Sanierung betrieben. „Ende Dezember konnte die Sanierung mit Erfolg beendet werden”, bilanziert Uwe Zink.

Die Konzentration in der Bodenluft sank von anfänglichen 6750 Milligramm pro Kubikmeter auf unter 30 Milligramm pro Kubikmeter im Mittel, was angestrebt war. Und im Grundwasser liegt die Konzentration von LHKW unter der Nachweisgrenze; anfangs wurden noch 140µg/l gemessen. Inzwischen sind die Bodenluftpegel, Messstellen und Container wieder abgebaut. „Das Gelände kann heute uneingeschränkt gewerblich genutzt werden”, betont Zink.

Insgesamt wurden 950 kg LHKW bei einer Gesamtförderung von 11,8 Millionen Kubikmeter Luft aus dem Boden entfernt. Die Kosten sind beträchtlich.

Allein die Bodensanierung hat 320.000 Euro gekostet, von denen der Kreis 171.000 Euro tragen musste; mit 149.000 Euro förderte das Land die Sanierung. Insgesamt musste der Kreis zur Aufbereitung der Vanforsch-Hinterlassenschaften einschließlich der Entsorgung der Fässer gut 721.000 Euro aufbringen; denen stehen 35.000 Euro Einnahmen aus dem Grundstücksverkauf gegenüber.
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