Das Sterben der Geschäfte greift weiter um sich

Von: Jürgen Lange
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Zu wenig Frequenz in der Passage? Zwei große Filialisten geben vorzeitig ihre Läden auf. Danuscha Herrmann (l.) schließt ihr Reformhaus, Reno setzt zum Ausverkauf an. Resi (r.) und Daniel Schweden setzten auf Auftragsfloristik und Events, wie hier bei der Museumsnacht.
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Zu wenig Frequenz in der Passage? Zwei große Filialisten geben vorzeitig ihre Läden auf. Danuscha Herrmann (l.) schließt ihr Reformhaus, Reno setzt zum Ausverkauf an. Resi (r.) und Daniel Schweden setzten auf Auftragsfloristik und Events, wie hier bei der Museumsnacht. Foto: J. Lange
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Zu wenig Frequenz in der Passage? Zwei große Filialisten geben vorzeitig ihre Läden auf. Danuscha Herrmann (l.) schließt ihr Reformhaus, Reno setzt zum Ausverkauf an. Resi (r.) und Daniel Schweden setzten auf Auftragsfloristik und Events, wie hier bei der Museumsnacht. Foto: J. Lange
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Zu wenig Frequenz in der Passage? Zwei große Filialisten geben vorzeitig ihre Läden auf. Danuscha Herrmann (l.) schließt ihr Reformhaus, Reno setzt zum Ausverkauf an. Resi (r.) und Daniel Schweden setzten auf Auftragsfloristik und Events, wie hier bei der Museumsnacht. Foto: J. Lange

Stolberg. Es ist bei weitem nicht nur das Schuhgeschäft Back, das im Februar seine Pforten schließt. Das Sterben von Geschäften in Stolberg greift weiter um sich. „Decoline“ hat sich bereits von der Rathausstraße verabschiedet, und Heiligabend ist der letzte Tag, an dem Danusche Herrmann ihr Reformhaus am Steinweg öffnet.

„Ich hätte gerne noch ein paar Jahre länger gemacht“, trauert die 64-Jährige mit ihren Kunden. Es sind deutlich weniger geworden, die Stammkundschaft ist mittlerweile überaltert, junge Kunden bleiben aus. Doch Anlass, das seit 30 Jahre bestehende und seit 19 Jahren von Herrmann geführte Reformhaus zu schließen, ist ein anderer: Die Finanzbehörden verlangen zum Jahreswechsel kostspielige, aber digital auslesbare Registrierkassen. Das Geld dafür zu investieren lohnt sich für sie nicht mehr, und Interessenten für eine Übernahme sind nicht in Sicht.

Auf Interessenten, die ihren Lotto- und Tabakwarenkiosk übernehmen wollen, hofft noch Kunigunde Bünten. Die 76-Jährige wird ihre Geschäft im Gebäude der EWV-Verwaltung im nächsten Juni aufgeben, um die Rente noch ein wenig genießen zu können.

Vorzeitig den Schlussstrich unter ihrem Engagement im 2009 eröffneten Burg-Center ziehen die Filialisten Reno und MisterLady. Das Schuhgeschäft wirbt offensiv mit Rabatten, im Modegeschäft verrät die Verkauferin: „Nach Heiligabend ist hier Feierabend“. Die beiden Konzernzentralen äußerten sich am Freitag nicht zu Gründen.

„Nachmittags ist hier nichts mehr los“, sagt das Personal gegenüber in der Verkaufsstelle der Bäckerei Kamps. Dort zog man Konsequenzen und öffnet nur noch von 7 bis 14 Uhr. „Aber wir bleiben noch mindestens bis 2019“: Dann laufen die Pachtverträge aus...

Über die Situation und Entwicklungsmöglichkeiten des Burg-Centers wollen Bürgermeister, Stadtmarketing und Vertreter der Geschäftsleute kurz vor Weihnachten mit der neuen Center-Leitung mit Sitz in Hückelhoven sprechen. Im Oktober hat die britische Eigentümerin IM Properties, die ein Jahr nach der Eröffnung die Immobilie von Investor Norbert Hermanns gekauft hatte, das Ensemble veräußert. Neuer Eigentümer soll ein luxemburgischer Fonds sein.

Der EWV den Mietvertrag gekündigt haben Daniel und Resi Schweden. Sie möchten das Konzept ihres „Atelier Floral“ rechtzeitig den Veränderungen anpassen. „Blumen kann man heute an jeder Ecke kaufen“, sagt Daniel Schweden, der 2004 das Geschäft zunächst im Steinweg aufgebaut hat und nach vier Jahren dem Lockruf einer prosperierenden Geschäftspassage gefolgt ist. „Seit Jahren beobachten wir eine Veränderung im Einzelhandel, gerade in unserer Branche.“ Kunden suchten neue Märkte, die großen Einkaufszentren und größere Städte würden immer stärker, und der Internethandel zeigten neue Verkaufskonzepte auf.

„Auch die Schließung Victor‘s hat dazu beigetragen, dass spürbar weniger Laufkundschaft in der Innenstadt einkaufen geht“. Daniel und Resi Schweden wollen nach ihrer üblichen Winterpause an anderer Stelle in Stolberg ihr Werkstatt- und Atelier-Konzept forcieren und sich vermehrt Event- und Auftragsfloristik sowie Workshop-Angebote konzentrieren. Online-Angebote sollen eine Rolle spielen, „und für unsere Stammkunden werden wir uns sicher ein geeignetes Konzept überlegen“, versprechen Schweden.

Direkt in der Nachbarschaft gehen „Good Copy“ und EWV getrennte Wege. Die Angaben der Gründe sind konträr. Sicher ist, dass Petra Ross aus der Not eine Tugend machen möchte: „Wir wollen in Oberstolberg bleiben und stehen in Verhandlungen“, sagt die „Copy-Chefin“. Vermutlich geht die Reise zurück in den Steinweg, wo das Geschäft 1993 seine Anfänge nahm bevor es vor 16 Jahren an den Willy-Brandt-Platz zog.

„Wir brauchen viel mehr Platz für unsere Geräte“, sagt Ross. Und endlich auch eine barrierefrei erreichbare Toilette; die gibt‘s in den EWV-Lokalen ebenso wenig wie es ein Entgegenkommen für eine Umrüstung gegeben habe, sagt die auf den Rollstuhl angewiesene Petra Ross.

Im Steinweg freut sich über die ersten vier erfolgreichen Wochen Laura Krüger. Die 27-Jährige hat die Boutique „Zwopunktnull“ eröffnet, um jungen Kunden ein Angebot in der Heimatstadt zu bieten. Die gute Resonanz überschreitet die Altersgruppe bei weitem. „Viele Kunden freuen sich, hier in Stolberg wieder ein wenig mehr stöbern zu können“, sagt Laura Krüger. „Wenn nicht wir jüngeren Leute jetzt etwas für unsere Stadt tun, wer denn dann?“ Ihr Optimismus scheint anzustecken. Im Laden nebenan eröffnet Naturkosmetik Krausen. Bisher hat Andrea Prick in Räumen des Reformhauses ihr Dienste angeboten. Jetzt wagt sie den Sprung in ein großes Ladenlokal.

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