Das „Ritze“ erreicht einen neuen Tiefpunkt

Von: Michael Grobusch
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Guter Ruf, aber schlechte Zahlen: Das Ritzefeld-Gymnasium wird zum Schuljahr 2015/16 nur noch zwei Eingangsklassen bilden können. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Als sich Armin Ochse vor ziemlich genau zwölf Monaten mit der Tatsache konfrontiert sah, dass das Ritzefeld-Gymnasium zum Schuljahr 2014/15 nur noch drei Eingangsklassen würde bilden können, äußerte er im Gespräch mit unserer Zeitung dennoch seine Zufriedenheit.

„Wir werden mit 71 Schülern drei nicht zu große Klassen haben. Damit bin ich mehr als zufrieden“, erklärte der Schulleiter damals. Ein Jahr später hat sich die Situation noch einmal deutlich verschärft. Die Anmeldezahlen an dem Stolberger Gymnasium sind weiter rückläufig, 57 Fünftklässler markieren einen neuen Tiefpunkt und bedeuten, dass es im Sommer erstmals nur zwei Eingangsklassen geben wird.

„Mehr als zufrieden“ ist Ochse nun nicht mehr, gelassen bleiben will er aber dennoch. „Unsere Möglichkeiten als Innenstadtschule sind damit ausgereizt“, meint der Rektor, der auf ein begrenztes Einzugsgebiet und sinkende Geburtenzahlen verweist. „Wir haben, anders als das Goethe-Gymnasium, beispielsweise keine Schüler aus Eilendorf“, so Ochse.

Im Vorfeld des jetzt abgeschlossenen Anmeldeverfahrens hatte es für das Ritzefeld-Gymnasium durchaus gut ausgesehen. Armin Ochse berichtet von einem „enormen Zuspruch bei der Ritze-Night“ und 63 Teilnehmern am Schnuppertag. Warum sich am Ende dennoch nicht mehr als 57 Schüler eingeschrieben haben, bleibt vorerst ungeklärt. Für den Schulleiter steht aber schon jetzt fest: „Mit dem Ruf unserer Schule hat das definitiv nichts zu tun. Denn der ist sehr gut.“

Das gilt für das Goethe-Gymnasium ganz offensichtlich auch. Mit 103 Anmeldungen erreicht die Schule beinahe wieder den Wert des Vorjahres (105) und kann damit weiterhin vier Eingangsklassen bilden. „Wir haben stabile Verhältnisse auf hohem Niveau“, stellt Bernd Decker fest. Die erneut gute Resonanz hat den Rektor nach eigener Aussage nicht überrascht. „Das war im Vorfeld bereits zu erkennen.“

Keine Einschränkung bei Fächern

Von der großen Schülerzahl wird indirekt auch das Ritzefeld-Gymnasium profitieren. Denn dank der seit 2011 praktizierten Zusammenarbeit der beiden Gymnasien wird es am „Ritze“ trotz dramatisch zurückgegangener Schülerzahlen und dadurch bedingter Verkleinerung des Kollegiums (siehe Box) keine Einschränkungen beim Fächerangebot geben. Schulübergreifender Unterricht findet in Niederländisch und Spanisch statt, im vergangenen Schuljahr waren zudem erstmals gemeinsam Leistungskurse in Physik und Biologie gebildet worden.

Mit gemischten Gefühlen reagiert Jörg Klein auf die nun vorliegenden Zahlen. „Ich hätte lieber alle Schüler aufnehmen können“, räumt der Leiter ein, dass die deutlich gestiegene Nachfrage mit 99 Anmeldungen (2014/15: 88) für ihn durchaus auch eine Schattenseite hat. Denn Klein muss 16 Kinder ohne und drei Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ablehnen. Letztgenannte werden von der Inklusionskonferenz der Städteregion ausgewählt, bei den übrigen muss der Schulleiter die Entscheidung auf Basis eines Kriterienkatalogs selbst treffen. In einigen Fällen werden die Betroffenen schon den zweiten Korb erhalten. Wie Schulverwaltungsamtsleiterin Petra Jansen auf Anfrage bestätigt hat, müssen in einigen Fällen Kinder abgelehnt werden, die im Februar schon beim vorgezogenen Verfahren der Gesamtschule nicht zum Zuge gekommen sind.

Eine Alternative – oder zumindest einen Platz – könnte ihnen die Realschule Mausbach bieten. Sie kommt in diesem Jahr auf 63 Anmeldungen und liegt damit nur geringfügig unter dem Wert des laufenden Schuljahres (68). „In jeder der drei Klassen werden noch zwei bis drei Inklusionsschüler hinzukommen. Sie werden dank der Gruppengröße gut den Anschluss halten können“, freut sich Charlotte Eßer. Die konstanten Anmeldezahlen sieht die Leiter auch als einen Hinweis darauf, „dass die Realschule für viele Menschen noch einen festen Wert hat“. Auch in diesem Jahr seien viele angemeldete Kinder gymnasialfähig. „Aber sie wollen die Schulzeitverkürzung nicht, für sie sind wir die G9-Schule.“

Dass die Diskussion weiter auf Hochtouren läuft, kann Bernd Decker bestätigen. „Das ist immer noch ein großes Thema. G8 hat in weiten Teilen der Bevölkerung nach wie vor ein schlechtes Ansehen.“ Spürbar war das vor allem beim Ansturm auf die Gesamtschule. Sie erreichte mit 203 Anmeldungen einen neuen Höchstwert – ebenso wie mit den 95 Ablehnungen, die aus Platzgründen verschickt werden mussten.

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