Das neue Rathaus stößt an seine Grenzen

Von: Jürgen Lange
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Einst residierte hier ein Möbelhaus: Im Mai soll in diesem Ladenlokal an der Ecke von Rathaus- und Rosentalstraße das neue Familienbüro der Stadtverwaltung eröffnen. Foto: J. Lange

Stolberg. Als die Stadtverwaltung 1977 das neue Rathaus nebst dem sanierten Mittelteil des Altbaus in Betrieb nahm, fehlten in dem Verwaltungsturm bereits Ressourcen für die Zukunft. Eine wachsende Aufgabenfülle sorgte für steigende Mitarbeiterzahlen und stellte die Organisatoren vor die Herausforderung, zusätzlichen Raumbedarf zu rekrutieren.

Seit dem Auszug der Stadtbücherei aus der Villa Lynen residieren Kultur-, Schulverwaltungsamt und weitere Abteilungen in dem Denkmal. Zeitweise nutzten Ämter zudem Immobilien an der Grüntalstraße.

Sanierungsbedürftiger Altbau

Geändert hat sich bis heute nichts an den mangelnden Kapazitäten des dringend sanierungsbedürftigen neuen Rathauses mit all seinen baulichen und energetischen Mängeln. Ein wenig Luft verspricht ab März der Umzug von publikumsträchtigen Abteilungen des Sozialamtes in die Rathaus-Passage.

Dort macht das Jobcenter durch seinen Umzug in das alte Amtsgericht am Kaiserplatz den Platz frei: Den möchte die Stadt auch deshalb nutzen, weil die Rathaus-Immobilie angesichts des Kundenandrangs nur unzulängliche Wartebereiche aufweist. Zudem spielen Sicherheitsaspekte eine Rolle. Lediglich die Abteilung Rentenangelegenheiten / Senioren-Infocenter soll im Rathaus verbleiben.

In die frei werdenden Räume des Sozialamtes ziehen dann die Abteilungen des Jugendamtes ein, die derzeit auf den Etagen zwei und acht residieren. „Ziel ist es, das Jugendamt komplett im Erdgeschoss unterzubringen“, erklärt Bürgermeister Tim Grüttemeier. Die durch das Jugendamt geräumten Büros können dann die Raumnot anderer Ämter lindern.

In das Erdgeschoss der Rathaus-Passage verlagert werden sollen die Angebote des Sozialamtes mit dem größten Publikumsverkehr: allen voran das Sachgebiet Asyl sowie die Sachbereiche Flüchtlingskoordination und obdachlose Personen. Da die Agentur für Arbeit weiterhin das erste Obergeschoss der Passage nutzt, ist die Verlegung aller verbleibenden Sachgebiete des Sozialamtes in das zweite Obergeschoss vorgesehen, wo ausreichende Wartebereiche bestünden: Grundsicherung, Wohnen und Teilhabe sowie Inklusion und Sozialplanung. Rund 55.000 Euro jährlich lässt sich der Stadtrat die Verbesserung der räumlichen Kapazitäten kosten.

Eine echte Investition in ein neues Angebot ist dagegen der Aufbau eines eigenen Familienbüros mit einem jährlichen Mietaufwand von rund 46.000 Euro. Voraussichtlich ab Mai wird die Kupferstadt in dem derzeit leerstehenden Ladenlokal der Rathausstraße 61 eine Anlaufstelle für alle Belange rund um die Familie schaffen. „Als kinder- und familienfreundliche Stadt hält Stolberg eine breite Palette von Angeboten für Familien vor, die weit über die gesetzlichen Mindestvorschriften hinausgehen“, sagt Robert Voigtsberger.

„Aber es muss das Ziel sein, weitere Maßnahmen zu entwickeln, um die Kupferstadt für Familien noch attraktiver zu gestalten“, erklärt der Erste Beigeordnete als zuständiger Dezernent die Intention des Vorstoßes. Um sich dieser Entwicklung aktiv zu begleiten, führt die Stadt eigens einen Zertifizierungsprozess zur „Familiengerechten Kommune“ durch.

„Bürger benötigen oftmals einen Ansprechpartner“, so Voigtsberger, um in dem Dschungel von Verwaltungen, Behörden und Institutionen das passende Angebot für ihr Anliegen zu finden. An dieser Schwelle setze das Familienbüro an.

Es soll einerseits als zentraler Dienstleister für Familien möglichst kurze Wege und unbürokratische Hilfe ermöglichen, andererseits als zentrale Schnittstelle die Angebotslandschaft für Familien weiterentwickeln. Zudem solle durch eine Kooperation mit relevanten Einrichtungen bestehende Ressourcen gebündelt und zusätzlicher Bedarf festgestellt werden.

„Wir wollen damit natürlich keine Konkurrenz zu bestehenden Fachdiensten und Beratungsstellen aufbauen“, betont Voigtsberger, „sondern das Familienbüro soll vielmehr als erste Anlaufstelle der Türöffner für Information, Hilfestellung und Weitervermittlung an Dritte sein.“

Bewusst für ein Ladenlokal an der Hauptgeschäftsstraße hat sich der Beigeordnete entschieden: „Wir möchten auf die Menschen zugehen“. Die Installation dieser Einrichtung außerhalb des Rathauses trage dazu bei, dass dieses Angebot unabhängig von der Arbeit des Jugendamtes wahrgenommen werde und eine größere Akzeptanz eintrete. Zudem werde das Büro auch barrierefrei und familienfreundlich etwa mit Spielecke, Wickeltisch und Getränkeangebot gestaltet.

Gleichwohl wird das Familienbüro mit dem bestehenden Personal aus dem Jugendamt besetzt, so dass größtmögliche fachliche Kompetenz gewährleistet werden könne – etwa bei der Einführung des neuen softwarebegleiteten Kinderbetreuungsprogramms inklusive Online-Anmeldung von Kindertagesplätzen. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten zählen zudem das Netzwerk frühe Hilfen und Kinderarmut, Babybesuchsdienst und Willkommenspaket, Kindertagesbetreuung, Jugendarbeit und Freizeitmöglichkeiten sowie allgemeine Beratung.

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