Das Misstrauen bleibt auch an ruhigen Tagen

Von: Michael Grobusch
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Die Ruhe trügt: Abends ist der Heinz-Kamps-Platz ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche. Das sorgt immer wieder für Ärger mit Anwohnern. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Wenn anonyme Briefe verschickt und hinter vorgehaltener Hand Unterschriftenaktionen vorbereitet werden, spricht das nicht gerade für eine vertrauensvolle Atmosphäre. In der Tat scheint das Verhältnis zwischen Teilen der Anwohnerschaft in Prämienstraße und Rotdornweg und Jugendlichen, die sich eben dort treffen, belastet zu sein.

Die Konstellation, aus der die Spannungen resultieren, ist dabei keinesfalls nur für Münsterbusch typisch. Denn immer wieder entstehen im Stolberger Stadtgebiet dort Konflikte, wo junge Leute sich im öffentlichen Raum zusammenfinden und Menschen, die in der Umgebung wohnen, sich durch sie gestört fühlen.

Das geschieht offenbar mit besonderer Häufigkeit und Intensität am Heinz-Kamps-Platz. Der Bereich von Jugendheim und Grundschule steht als Treffpunkt hoch im Kurs, weil er zentral gelegen und mit einer Reihe von Bänken ausgestattet ist. Bis zu 30 Jugendliche haben sich in der Vergangenheit vor allem an lauen Abenden dort eingefunden und - so der Vorwurf von Anwohnern, die nicht genannt werden wollen - mitunter lautstark auf sich aufmerksam gemacht. Von Pöbeleien, Alkoholexzessen und Drogenkonsum war die Rede.

„Mittlerweile hat sich die Lage etwas beruhigt”, erklärt der städtische Fachbereichsleiter Willi Seyffarth. Vielleicht liegt das auch am Jugendbus der Stadt, der seit einigen Wochen immer montags in der Prämienstraße Halt macht. „Die Lage war zwischenzeitlich sehr angespannt. Wir hoffen, dass wir mit unserer regelmäßigen Präsenz vor Ort zur Entspannung beitragen können”, zeigt sich der mobile Jugendsozialarbeiter Frank Döhla zuversichtlich und kündigt weitere Aktionen für Jugendliche an.

So soll es zu Halloween ein Grillfest geben für Jugendliche - allerdings an der Jugendhütte in der Heinrichstraße, die vor einem Jahr offiziell eingeweiht worden war. „Wir hatten uns sicherlich erhofft, dass die Hütte häufiger genutzt wird”, räumt Döhla ein, zumal die Jugendlichen des Stadtteils bei deren Konzeption und Errichtung maßgeblich beteiligt waren. Warum es viele junge Leute dennoch eher ins Zentrum des Stadtteils zieht, ist eine der Fragen, die es in den kommenden Wochen zu beantworten gilt.

Reges Interesse an einer weiteren Deeskalation hat auch Sandra Plum. Die Leiterin der Außenwohngruppe des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) am Rotdornweg hat seit den Sommerferien viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Wiederholt sahen sich die acht Bewohnerinnen zwischen 14 und 17 Jahren sowie die fünf Mitarbeiter der Einrichtung dem Vorwurf ausgesetzt, dass sie für die Probleme verantwortlich seien.

„Auch wir sind Anwohner und fühlen uns durch die Massenveranstaltungen gestört”, erklärt Plum. Und sie betont: „Die Leute, die die Schuldigen im Bereich unserer stationären Wohngruppe suchen, machen es sich zu leicht.” Überwiegend ältere und männliche Jugendliche seien an den Treffen vor dem Jugendheim beteiligt. „Und wir haben unseren Mädchen für den betroffenen Bereich sehr früh ein Aufenthaltsverbot erteilt.

Daran haben sie sich auch gehalten.” Margit Schmitt kennt das Phänomen der falschen Schlussfolgerung bereits aus anderen Fällen. „Prinzipiell erleben wir in Bereichen, wo wir ein Haus gemietet haben, dass Anwohner schlecht differenzieren können, wenn es Ärger gibt”, berichtet die Geschäftsführerin des SkF Stolberg. Auch Sandra Plum spricht von einer „Unwissenheit darüber, wie wir arbeiten und wer hier wohnt”. Beim Einzug in den Rotdornweg vor anderthalb Jahren hatte der SkF zu einem Tag der offenen Türe eingeladen. Einen solchen könnte es bald noch einmal geben, um offenbar kursierende Vorurteile und Missverständnisse auszuräumen.

Der Interessenkonflikt rund um den Heinz-Kamps-Platz wird sich dadurch allerdings nicht lösen lassen. Vielleicht kann auch hier ein offenes Wort zwischen den Beteiligten eine Hilfe sein. Einen runden Tisch, wie es ihn in verschiedenen Stadtteilen bereits gegeben hat, plant das Jugendamt derzeit allerdings nicht. „Bis zur Winterpause werden wir den Jugendbus regelmäßig einsetzen”, kündigt Frank Döhla an, was danach folgen könnte, sei noch offen.

Derweil ist es in den ersten Tagen der Herbstferien in Münsterbusch ruhig geblieben. Obs an der herbstlichen Witterung liegt oder aber an einem veränderten (Freizeit-) Verhalten der Jugendlichen, wird erst die Zukunft zeigen.
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