Stolberg - Das Maximum an Klangsinn aus den Stücken heraus geholt

Das Maximum an Klangsinn aus den Stücken heraus geholt

Von: mlo
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Hyun-Jung Kim-Schweiker (Piano) und Hans-Christian Schweiker als „Duo con Aura“ begeisterten die Zuhörer beim Kammermusikabend. Foto: M.L. Otten

Stolberg. Einen hochkarätigen Kammermusikabend erlebte das Stolberger Publikum im Rahmen des Stolberger Musiksommers. Auf dem Programm im Rittersaal der Stolberger Burg standen selten gespielte Werke slawischer Komponisten, die von Hyun-Jung Kim-Schweiker (Piano) und Hans-Christian Schweiker (Violoncello) virtuos dargeboten wurden.

Das Spielen der beiden Künstler unter dem Namen „Duo con Aura“ zeugte von technischer Souveränität und interpretatorischer Gelassenheit auch bei der allerschwierigsten Musikliteratur sowie Feingefühl und einer gewissen Aura, wie es im Namen des Duos schon anklingt.

Beim Eröffnungsstück „Pohadka“ für Violoncello und Klavier begaben sich die beiden Künstler auf die Spuren der tschechischen Musik. Leos Janacek (1854-1928) komponierte dieses Stück in Anlehnung an den russischen Dichter Wassili Schukowski, dessen beide Märchenfiguren (Zarewitsch Iwan und die schöne Marja) er in die Stimmen von Cello und Klavier einfließen ließ. 1910 wurde diese dreisätzige Sonate in Brünn uraufgeführt, worauf der Komponist viel Lob erntete. „Janacek selbst hat in diesem Stück den Tod zwei seiner Kinder verarbeitet“, erzählte Schweiker, der auch moderierte.

Die beiden in Stolberg lebenden Künstler holten das Maximum an Klangsinn und Dramatik aus den Sätzen durch den böhmischen Märchenwald hervor und ließen die Musik bisweilen märchenhaft und mystisch erscheinen.

Zu den Lieblingsstücken von Prof. Schweiker zählt die „Sonate d-moll op. 40“ von Dimitrij Schostakowitsch (1906-1972). Dieser russische Komponist und Pianist ist schillernd wie kaum ein zweiter in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Schon in Studienzeit konnte er sensationelle Erfolge vorweisen, wurde aber immer wieder scharf gemaßregelt durch das russische Zentralkomitee.

Daraufhin geriet er in einen Zwiespalt zwischen seinem sensiblem Innenleben und der Unfreiheit im eigenen Land. Nur durch das Medium der ausdrucksmächtigen Musik vermochte er sich seinen Hörern gegenüber mitzuteilen, und so sind wunderbare Werke entstanden. In der tief gehenden „Sonate d-moll op. 40“ für Violoncello und Klavier hat Schostakowitsch zudem viele jüdische Motive mit eingearbeitet. Das Stück schwankte zwischen Melancholie, Verlassenheit und romantisch-schwärmerischen Tönen. Die expressive Wucht der beiden Profis wie ihre hohe Virtuosität nahmen unmittelbar gefangen. Sie agierten dynamisch, charismatisch und mitreißend.

Dunkel, todtraurig rauschende Melodien, brillante aber verzwickte Passagen, so kennt und liebt die Welt Sergej Rachmaninow (1873-1943). Seine Leidenschaft zum Komponieren und die fortwährenden Zweifel an seinem schöpferischen Talent lösten Schaffenskrisen aus und standen im Kontrast zur wachsenden Anerkennung als Pianist und Dirigent.

Regelrecht Vergnügen bereitete die „Sonate für Violoncello und Klavier g-moll op. 19“ - ein Wendepunkt in Rachmanimows künstlerischer Entwicklung -, die Hyun-Jung Kim und Hans-Christan Schweiker zum Besten gaben. Wie in den beiden Sonaten zuvor, verstand das Paar sich blind und meisterte das schwierige und farbenreiche Werk mit Bravour. Die Stimmung im liebevoll hergerichteten Rittersaal war gut, denn die Spielfreude der beiden Künstler übertrug sich auf die aufmerksamen Besucherinnen und Besucher, die die Darbietungen umjubelten. Als Dank gab es „Vocalise“ von Sergej Rachmaninow, ein Lied, das ohne Text nur auf die Kraft der Stimme (hier Cello) setzt.

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