Das kollektive Gedächtnis von Mausbach

Von: Christoph Hahn
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Sie erforschen Mausbachs Historie auf engstem Raum: das Team vom „Arbeitskreis Geschichte“ um den Vorsitzenden Stephan Kreutz (rechts). Die engagierten Historiker freuen sich über jeden Besucher bei ihrem Treffen. Foto: C. Hahn
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Das aktuell wichtigste Projekt des Arbeitskreises: Zur Zeit kämpfen die Lokalhistorker um den Erhalt des so genannten Froschschachtes der früheren Grube Diepenlinchen. Foto: Archiv

Stolberg-Mausbach. Sie sind so etwas wie das kollektive Gedächtnis des Ortes, die Frauen und Männer, die sich am ersten Tag eines jeden Monats im Keller des Jugendheims hinter der Kirche versammeln. Die Aktiven wälzen Bände, um Abstammungs- und Familienverhältnisse zu erkunden, scannen Dokumente ein oder ordnen, oft mit Hilfe von Zeitzeugen, Menschen auf alten Fotos zu.

Sie sind der „Arbeitskreis Geschichte Mausbach“, jene Gruppe von Bürgern, die in der Geschichte liest und lernt wie Schüler in einem Buch – das aber nicht zum Selbstzweck, sondern als eine Art von Dienst an der Öffentlichkeit.

Vieles, was in Mausbach einst war, und manches, was dort, am Fuße der Eifel, heute noch ist, findet im Dorfarchiv auf engem bis engsten Raum zusammen. Auf zwei Bildschirmen laufen zum Beispiel zwei Stummfilme, der eine von 1938 und der andere immerhin aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – denn die Geschichte von Mausbach hat, wie auch sonst im Rheinland, ihre jecken Seiten.

Dass die Filme – schwarz-weiß der eine, bereits bunt der andere – während der Öffnungszeiten laufen, ist im Übrigen ein Stück Taktik. Denn der Vorsitzende des Arbeitskreises, Stephan Kreutz, und seine Mitstreiter, darunter auch Vater Bernd, wollen die Besucher ins Gespräch ziehen – und so den einen oder anderen Mausbacher identifizieren, der da gerade durch die närrische Szenerie springt und jubiliert.

Mausbachs Geschichte erforschen: Das bedingt die Fähigkeit zum Arbeiten auf engstem Raum, zwischen Schränken voller dicker Bände, von denen einige genau die Abstammungsverhältnisse der Mausbacher Familien bis heute dokumentieren.

Um den Zuspruch bei Öffnungstagen ist es den Aktiven dabei nicht bange: „Es ist immer etwas los“, weiß Vorsitzender Stephan Kreutz. Dabei setzen er und die anderen Mitglieder darauf, dass ihre Angebote und Erkenntnisse nicht im Internet zu finden sind. Die Lokalhistoriker wollen persönlich aufgesucht werden – schon wegen der damit zusammenhängenden Synergieeffekte: „Wir wollen nicht online gehen, denn sonst kriegen wir die Leute nicht hierher“, formuliert Vater Bernd.

Denn im Grunde beruht die Arbeit der Heimatforscher auf einer Art von Tausch: Wer zu ihnen kommt, darf und soll das Reservoir ihres Wissens anzapfen. Wenn er die eine eine oder andere Information da lässt – umso besser. Die Lokalhistoriker ihrerseits bleiben ganz und gar nicht in ihrem Elfenbeinturm sitzen, sondern betreiben ihrerseits fleißig Feldforschung – zum Beispiel indem sie die Grabsteine auf dem Friedhof erfassen.

Sie pflegen die Erinnerung an Menschen, die einmal so präsent im Ort waren wie sie selbst, bevor sie der Terror des Nazi-Regimes verjagt hat, weil sie Juden waren und ihnen die Mächtigen nach dem Leben trachteten. Denen, die nicht mehr da sind, im KZ oder im Exil fern der Heimat gestorben sind. Diesen Menschen, den Mitgliedern der früher in Gressenich und Mausbach ansässigen Großfamilie Imdorf, gilt auch eine ganz unpathetische und darum eindrucksvolle Broschüre, die die Mausbacher zusammen mit der Stolberger „Gruppe Z“ zur Verlegung der „Stolpersteine“ vor den von den Imdorfs bewohnten Anwesen Ende November 2016 vorgelegt haben.

Erinnerung(en) pflegen, sich zur Stimme machen: Wie wichtig das den Aktiven des Arbeitskreises ist, wie sehr ihnen das als Herzensangelegenheit gilt – das merkt der Beobachter auch einem weiteren Engagement: Zur Zeit kämpfen Stephan Kreutz und die Seinen sehr für die Erhaltung des „Froschschachts“ auf dem Gelände der Grube Diepenlinchen.

Kreutz betont die besondere Bedeutung dieses Denkmals: „Der Froschschacht ist das einzige überirdische Bergbaudenkmal das an die intensive Geschichte des Galmei-Bergbaus in unserer Region erinnert.“ Und so wollen die, die dem Arbeitskreis Gesicht geben, auch beim „Tag der Archive“ im Stolberger Rathaus für ihr neues Projekt werben – damit der Froschschacht noch viele Freunde mehr bekommt.

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