Das „Kogel-Street-News“ Erfolgsgeheimnis

Von: Naima Wolfsperger
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Sie jubeln zu Recht: Die Schülerredakteure sind mit ihrer Zeitung erneut ausgezeichnet worden (v.l.): Maik Ziebohr, Dustin Gregarek, Claudia Titz, Justin Mohr, Moritz Kurth, Marco Sonntag, Niklas Wefers sind Teil der Gruppe die die ganze Arbeit macht. Foto: N. Wolfsperger
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Claudia Titz, betreut seit über zehn Jahren die Schülerzeitung. Foto: N. Wolfsperger

Stolberg. Sie arbeiten in ihrer Freizeit und sie schreiben Erfolgsgeschichte: Die jungen Redakteure der Ganztagshauptschule an der Kogelshäuserstraße haben mit ihrer Schülerzeitung, die „Kogel-Street-News“ (KSN), alleine in diesem Jahr drei Preise gewonnen. Und das sind nicht die ersten. Insgesamt wurde die Zeitung stolze 16 Mal ausgezeichnet.

Die Schülerzeitung wird zum Teil in Arbeitsgruppen und WGs erarbeitet – also in der Unterrichtszeit. „Die meiste Arbeit wird aber in der Freitagnachmittag-Gruppe geleistet“, sagt Claudia Titz. Sie ist die Lehrerin, die die KSN 2003/04 ins Leben gerufen hat und seither begleitet.

Die Freitagnachmittag-Gruppe, das sind 14 Schüler die statt ins Wochenende zu gehen noch einige Stunden in der Schule bleiben und sich mit der Schülerzeitung beschäftigen. Dafür gibt es weder Noten noch Unterrichtsausfall. Alles, was die jungen Redakteure dafür kriegen, ist ein lobender Satz im Zeugnis. Das Engagement der Schüler scheint dennoch schier grenzenlos. „Ich freue mich immer, wenn die Schule aus ist“, sagt Niklas Wefers (15). Trotzdem verbringt er seit vier Jahren seine Freitagnachmittage regelmäßig in der Schule: „Für die Zeitung komme ich aber gern noch mal rein.“

Über eine hypnotisierende Pfeife, wie etwa in dem Brüder-Grimm-Märchen „Rattenfänger von Hameln“ verfügt Titz nicht. Keine Geheimnisse, keine Bestechungen sind es, die das Engagement und Durchhaltevermögen der Schüler motivieren. „Ich denke es ist vor allem die Freiheit, die sie genießen“, sagt Titz.

In den AGs und WGs dürfen sie auch mal während der Unterrichtszeit „und natürlich mit Einverständniserklärung der Eltern“, in die Stadt fahren. Sie recherchieren dann in der Bücherei, reden mit Zeitzeugen, versuchen sich vor Ort ein Bild zu machen. Mit der Freitagsgruppe bestellen sie oft Pizza und unterhalten sich über die anstehenden Themen. Titz gibt Anregungen, sie hebt Zeitungsartikel auf, in denen sich die Schüler neue Inhalte suchen können, „aber meistens ergibt sich die Themenfindung in der Gruppe“. Das Geheimrezept der Lehrerin scheint Vertrauen in, und Freiheit für ihre Schüler zu sein. „Sie können auch frei über die Kameras und die Technik der Zeitung verfügen“, sagt sie: „sogar wenn mal der Geburtstag der Schwester fotografiert werden soll“.

Vielleicht hat für den harten Kern, die Freitagnachmittag-Gruppe, die Zeitung auch eher was von einem Jugend-Treff. „Man will den Freitag gar nicht verpassen“, sagt Moritz Kurth (16), „meine Freunde sind hier und ich will ja wissen was passiert.“ Zwischenzeitlich werde es schon viel Arbeit, sagt Titz. Dann sind 30 unfertige Sachen auf dem Rechner, die in 30 Gruppen recherchiert und geschrieben werden müssen – und die Zeitung muss fertig werden. Titz hat mit den gewonnen Preisen, aber eben auch durch die Schaltung von Werbeanzeigen Computer, Kameras und Layout-Programme für die Schülerzeitung kaufen können.

Schon allein wegen der Werbeanzeigen stehe sie aber unter Termin-Druck. „Dann werde ich schon mal streng“, sagt Titz. Die Schüler finden das gut: „Wenn man sich so tief eingearbeitet hat, dann steckt man irgendwie fest“, sagt Maik Ziebohr (17). Einlesen und Material sammeln ist eben nicht alles, „man ist halt noch nicht fertigt“, sagt Maik, „da ist es wichtig, dass jemand von außen immer wieder nachfragt, im Schlamm stochert, damit man weiter macht.“ Diese Aufgabe hat Titz. Sie gibt Hilfestellung, liest oft auch mal zu Hause die Artikel und schreibt Anmerkungen. Wenn es nicht mehr weiter geht, wenn die Schüler mal den „Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen“, sagt sie, dann müsse sie auch mal Druck machen.

Kein Geheimtipp steckt hinter dem pädagogischen Konzept von Claudia Titz, „einfach eine gute Mischung von Freiheit, Motivation, Zeitdruck und Interesse.“ Im kommenden Schuljahr wechselt Titz an die Sekundarschule Stolberg – im selben Schulgebäude-Komplex. Die Hauptschule läuft in zwei Jahren aus. „Kogel-Street-News“ geht mit Titz und soll vorerst in einem Kooperationsprojekt der Sekundarschule und der Hauptschule weiterlaufen. Ob der Name auf Dauer bleibt ist noch nicht klar – und wie es nach der Übergangszeit weitergeht auch noch nicht. „Die Dynamik der Zeitung wird sich ändern“, sagt Titz. Sie will die neuen Schülerredakteure über den neuen Namen abstimmen lassen.

Maik hat sich sechs Jahre für die Zeitung engagiert. Er ist jetzt fertig mit der Schule und findet eine neue Namensgebung richtig. „Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde nicht nur für mich an der Schule, sondern auch für die Zeitung eine Ära zu Ende gehen“, sagt er. Und eine neue beginnen: „Die Schüler sollen sich den Namen aussuchen. Es wird ihre Zeitung und wenn sie gemeinsam etwas neues schaffen wollen, dann finde ich das gut.“

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