Das Jugendamt ist immer öfter gefordert

Von: Michael Grobusch
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Stolberger Familien sollen von der Stadt und ihren Kooperationspartnern möglichst früh begleitet und unterstützt werden. Die Verwaltung setzt angesichts steigender Fallzahlen mehr denn je auf Prävention.

Stolberg. Die Zahl der Fälle steigt, und mit ihr die Komplexität der Probleme. Die Mitarbeiter des Stolberger Jugendamtes bekommen die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise derzeit in vollem Umfang zu spüren.

Aber nicht nur diese führen dazu, dass der Handlungsbedarf im Bereich der Jugendhilfe stetig größer wird. Kategorisch lehnt Ferdi Gatzweiler deshalb eine Einschränkung für den Doppelhaushalt 2010/11 des Amtes ab.

„Eine Reduzierung des Ansatzes ist angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung und den damit verbundenen Rahmenbedingungen für die Jugendhilfe nicht zu vertreten”, stellt der Bürgermeister in seiner Stellungnahme, die er dem Jugendhilfeausschuss am Donnerstag vorlegen wird, klar.

Dieser Einschätzung zugrunde liegt die Tatsache, dass vor allem im Bereich der Hilfe zur Erziehung ein immer größerer Handlungsbedarf besteht. Sowohl bei der ambulanten wie auch bei der stationären Hilfe schnellen die Zahlen in die Höhe. Gleiches gilt auch bei der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die seelisch behindert oder von einer seelischen Bedrohung betroffen sind.

In beiden Fällen nennt die Verwaltung zwar keine konkreten Zahlen, lässt aber zugleich keinen Zweifel daran, dass die Entwicklung rasant und für das Jugendarbeit mit viel Aufwand und steigenden Kosten verbunden ist.

Ähnlich verhält es sich auch bei den Inobhutnahmen, die zum Schutze des Kindeswohles veranlasst werden. Immer häufiger muss des Allgemeine soziale Dienst (ASD) des Jugendamts zu dieser im Paragraph 8a des Sozialgesetzbuches vorgesehenen Maßnahme greifen, wobei der deutliche Anstieg der Fallzahlen nicht alleine auf eine Verschärfung der gesellschaftlichen Lage zurückzuführen ist, wie Fachbereichsleiter Willi Seyffarth betont: „Die Sensibilität in der Bevölkerung für eine mögliche Kindeswohlgefährdung ist stark gestiegen. Deshalb sind im Jugendamt in diesem Jahr wesentlich mehr Fremdmeldungen eingegangen als in den Jahren zuvor.”

Als Konsequenz aus dem steigenden Trend will die Verwaltung die Prävention weiter verstärken. „Eine konsequente zielführende Präventionsarbeit ist erforderlich, um frühzeitig ambulante Angebote zu unterbreiten und somit kostenintensivere stationäre Maßnahmen zu reduzieren”, erklärt Ferdi Gatzweiler.

Beispielhaft nennt der Bürgermeister das Babybegrüßungspaket, die Netzwerkarbeit mit Ärzten, Kitas, Schulen und freien Trägern der Jugendhilfe und das Konzept der dezentralen, aufsuchenden Jugendarbeit, wie sie seit gut zwei Jahren vom mobilen Jugendsozialarbeiter Frank Döhla geleistet wird.

Eine Entspannung der Lage erhofft sich die Stadt zudem durch den weiteren Ausbau der Betreuungsplätze für unter Dreijährige in den Kindertagesstätten und in der Tagespflege.

Der damit verbundene frühe Kontakt mit den Familien und die Chance, Eltern und Kinder Hilfe und Förderung anzubieten, nährt die Hoffnung im Rathaus, schwer wiegende Problemfälle vermeiden zu können.

Keine Rede ist in der Vorlage zum Jugendhilfeausschuss von einer möglichen Aufstockung des Personals - was durchaus erstaunt. Schließlich war diese in den vergangenen Monaten zumindest in der mobilen Jugendarbeit von der Politik wiederholt ins Auge gefasst worden, zumal der Aufgabenbereich durch den im Sommer in Betrieb genommenen Jugendbus erheblich ausgeweitet worden ist.

Auch im Allgemeinen sozialen Dienst gibt es dem Vernehmen nach einen erhöhten Bedarf. Aber auch hier wird von der Stolberger Verwaltung offiziell kein Zusatzbedarf angemeldet - zumindest vorerst nicht.
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