Das Guiness-Buch liegt schon bereit

Von: Robert Flader
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Vier Azubis, 33 Meter und ein (möglicher) Weltrekord: Anne-Kathrin Sonntag, Robert Grinjuk, Martin Lauffs und Martin Niessen (v.r.) gönnen sich nach getaner Arbeit auf „ihrer” Holzbank eine verdiente Foto: R. Flader

Stolberg-Zweifall. Wenn Holz gehobelt wird und Späne fallen, ist Anne-Kathrin Sonntag in ihrem Element. Das muss allerdings nicht heißen, dass die 21-Jährige bei ihrer Arbeit eine Schneiße der Verwüstung hinterlässt - obwohl es am Zweifaller Solchbachtal ein bisschen so aussieht, als ob gerade der ganze Wald abgeholzt wird.

Nun gut, für einen Weltrekord muss man gewisse Opfer in Kauf nehmen. Sonntag und ihre Azubi-Kollegen des Regionalforstamtes Rureifel-Jülicher Börde, Martin Niessen, Robert Grunjuk und Martin Lauffs, haben nämlich eine dicke Hürde vor sich - eine 33 Meter lange, um genau zu sein. Denn so lang soll sie werden, die längste Holzbank der Welt. „Mit Rückenlehne, versteht sich”, sagt Anne-Kathrin Sonntag und lacht. Der Weltrekord würde eher im Vorbeigehen mitgenommen.

„Das ist nicht unser Ziel, es geht uns vielmehr um die praktische Arbeit mit solch einem Koloss”, sagt Anne-Kathrin Sonntag, diesmal ohne Anflug von Humor. Heute hat die Auszubildende ihre praktische Abschlussprüfung. „Was gibt es da für eine bessere Übung?”

Die Bank: Eigentlich war sie ein Baum mit einer langen Geschichte, der neben seinen etwa 33 Metern satte 130 Jahre zählte. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Douglasie im Zweifaller Waldgebiet gepflanzt. Die Idee, einen Baum dieser Länge als Bank „umzuschnitzen”, entstand im letzten Winter.

Im Fachbereich „Holzbearbeitung” ging es darum, das theoretische Wissen praxisnah zu testen. „Solch ein Projekt macht man nicht mal eben so”, sagt Gottfried Kroll, Ausbildungsleiter im Regionalforstamt. „Und ohne die richtigen Leute schon gar nicht.”

Die „Richtigen” waren schnell gefunden, „das ist eine riesige Herausforderung”, sagt Martin Lauffs, mit 18 Jahren der jüngste der angehenden Förster. Er, in seinem zweiten Lehrjahr, ist für die Füße der Holzbank zuständig, „das ist eine extrem aufwendige Arbeit, sie auf die richtige Länge einzukürzen”, erklärt er.

Um das, was die Bank erst zur Längsten der Welt macht, kümmern sich Anne-Kathrin Sonntag und Robert Grinjuk: die Rückenlehne.

Das größte Problem? „Der Baum ist unten dünner als oben, er hätte leicht überbrechen können”, sagt Grinjuk, 22. Die tropischen Temperaturen der letzten Tage taten ihr Übriges, um die Azubis auf Trab zu halten. „Wir haben zwei Tage lang durchgesägt”, sagt Martin Niessen, 19, der in feinster Kleinarbeit die Sitzfläche per Schleifgerät nach erfolgreichem Längsschnitt aufbereitete, sichtlich erschöpft.

Bereits im vergangenen Jahr haben die vier Azubis nur ein paar Meter weiter eine behindertengerechte Brücke über den Bach gebaut. „Jeder soll die Möglichkeit haben, den Wald kennen zu lernen”, meint Robert Grinjuk. Die angehenden Förster sagen, dass es schwierig sei, beim Landesbetrieb Forstamt übernommen zu werden, dass es aber genau das sei, was sie machen wollen - vor allem Anne-Kathrin Sonntag, eine Exotin in einer Männerdomäne. „Es geht mir um die Natur, darum, meinen Job draußen auszuüben.”

Die Auszubildenden sagen auch, dass sie sich bei einer solchen Arbeit blind vertrauen müssten, „wir ergänzen uns als Team, der eine hat größere Stärken in Maschinenwesen, der andere in Naturkunde”, sagt Martin Lauffs und ergänzt lachend in Richtung Anne-Kathrin Sonntag: „Vom Wissen, fachlich gesehen, ist sie stärker.”

Mittlerweile ist es geschafft, die längste Holzbank der Welt - mit Rückenlehne - ist fertig. „Ich bin wirklich stolz auf die Truppe”, sagt Gottried Kroll nach getaner Arbeit.

Fehlt nur noch eins: Der verdiente Eintrag ins Guiness-Buch.
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