Das große Feilschen um Schnäppchen und Trödel

Von: Dirk Müller
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Bummeln, Stöbern, Feilschen und Gespräche machen das bunte Treiben auf dem Treffpunkt Trödelmarkt aus. Foto: D. Müller

Stolberg. Nadine Hellenbach ist guter Dinge und sieht der nächsten Verkehrskontrolle gelassen entgegen. Sie hat soeben einen neuen Verbandskasten für das Familienauto erstanden, dessen Inhalt bis zum Jahr 2014 zugelassen ist.

„Für nur zwei Euro”, freut sich die begeisterte Schnäppchenjägerin. Auf Trödelmärkten ist sie als solche quasi wie zu Hause, meistens allerdings daheim in Bergisch Gladbach.

Da Hellenbach aber heute die Familie ihres Mannes besucht, liegt ein kleiner Bummel über den Flohmarkt in der Kupferstadt nahe. Neben dem Verbandskasten für das große Auto hat sie für ihren Sohn noch sechs Spielzeugautos für insgesamt 1,50 Euro günstig erworben. „Der Kleine hat seinen Spaß daran, und um sie kaputt zu spielen oder im Kindergarten zu hinterlassen, sind die Autos allemal gut genug”, weiß die Mutter aus Erfahrung.

Der Besuch auf dem Trödelmarkt kann lohnenswert sein - und nicht nur der niedrigen Preise wegen. Viele Neuwaren wie Kleidung, Schmuck, Elektroartikel und auch Kurioses wie Dachpfannen werden von den Händlern angeboten. Kfz- und Fahrradzubehör, Baumarktartikel, Lederwaren und Kinderspielzeug locken noch original verpackt mit Tiefpreisen. Frisches Obst und Gemüse reizen Augen wie Gaumen, und Fritten mit Currywurst, leckere Süßigkeiten oder Eis fördern das leibliche Wohl vor Ort.

Aus Kellern, Garagen, Dachböden

Doch die meisten Artikel, die zum Verkauf stehen, sind nach wie vor „echter” Trödel und stammen aus Kellern, Garagen und Dachböden. Bücher, Glas und Porzellan, Nützliches und Deko-Artikel aller Art finden vor ihrem Ende auf der Müllhalde die zweite oder dritte Verwendung in einem anderen Haushalt.

Bevor Gebrauchsgegenstände oder Antiquitäten den Besitzer wechseln, wird natürlich ordentlich gefeilscht, denn der Preis soll stimmen und das Verhandeln darum gehört ebenso zum Flohmarkt wie Käufer, Waren und Händler.

„Leider wollen immer mehr Leute höchstens noch einen Euro für den Artikel zahlen und am liebsten alles geschenkt bekommen. Die Standgebühren steigen aber immer höher”, beklagt Marion Wildrath. Mit ihrem Mann Gert ist sie seit zwölf Jahren regelmäßig auf Flohmärkten, um den eigenen Haushalt sowie die der Kinder zu entrümpeln und dabei einen kleinen Verdienst zu erwirtschaften.

Die Beiden beobachten die Entwicklung der Märkte skeptisch. „Es wird mehr und mehr Ramsch lieblos angeboten, und die Stände der richtigen Trödler werden im Gegenzug weniger”, beschreibt Gert Wildrath. Auf dem Stolberger Flohmarkt fühlt das Ehepaar aus Vossenack sich hingegen wohl.

Hier sei die Standgebühr angemessen und vor allem die große Mehrzahl der Händler private Amateure und keine gewerblichen Profis, meint Marion Wildrath. „Außerdem ist die Atmosphäre wirklich sehr gut”, ergänzt ihr Mann.

Eben diese Eigenschaften hätten zum Überleben des Trödelmarkts erheblich beigetragen, erklärt Jacqueline Falter, Tochter des Veranstalters: „Durch den zunehmenden Handel im Internet gab es eine Flaute, aber die Händler kehren wieder verstärkt zum Flohmarkt zurück. Online fehlt einfach der Umgang mit den Menschen.”

Und sie fügt hinzu: „Unser Konzept, mit mehrheitlich originalen Trödlern, die Antikes und Sammlerstücke verkaufen, den ursprünglichen Charakter des Trödelmarkts zu erhalten, hat sich bewährt.”

Tatsächlich lässt ein Rundgang über das Gelände keinen Zweifel zu: Das bunte Treiben auf dem Flohmarkt, skurrile Waren und das Feilschen um die Preise garantieren ein besonderes Einkaufserlebnis, zumal der Markt ebenfalls ein reger Kommunikationspunkt ist. Hier kennt man einander, kauft oder verkauft, trifft sich und kommt ins Gespräch über Günstiges und Gott und die Welt.
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