Stolberg - Das Bildungspaket läuft in Stolberg schlecht an

Das Bildungspaket läuft in Stolberg schlecht an

Von: Sarah Sillius
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Die Hälfte der Osterferien ist vorbei. Viele Kinder verbringen die freie Zeit mit ihren Hobbys, zum Beispiel in ihrem Sportverein. Manche nutzen die freien Tage vielleicht auch, um Nachhilfe zu nehmen und sich in einem Schulfach zu verbessern. Ob geliebtes Hobby oder ungeliebtes Lernen - beides kostet Geld.

Geld, das nicht alle Eltern zur Verfügung haben. Das Gesetz zum Bildungs- und Teilhabepaket, das am 29. März verkündet wurde, soll Abhilfe schaffen. Es soll Kindern, die aus finanziell schwächeren Familien kommen, eine Perspektive eröffnen, ihnen ein Recht aufs Mitmachen geben. Dafür wirbt Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales.

„Nur 755 Anträge”

Doch bislang ist das Paket eher als Flop zu bewerten. Auch in Stolberg sind die ersten Wochen mit dem neuen Gesetz schleppend verlaufen. „In der gesamten Städteregion gab es bislang nur 755 Anträge”, sagt Dr. Katja Schuhmacher vom Jobcenter der Städteregion. Bundesweit kommen 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche für das Paket infrage. Kinder und Jugendliche, deren Eltern leistungsberechtigt nach dem SGB II sind (Hartz-IV-Empfänger), die Sozialhilfe empfangen, die Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen.

„In der Städteregion sind das rund 25.000, davon etwa 18.000 Hartz-IV-Empfänger”, erklärt Detlef Funken von der Städteregion Aachen auf Anfrage unserer Zeitung. Für Stolberg würden derzeit noch keine genauen Zahlen vorliegen. „Gehen wir nach der Einwohnerzahl, müssten es etwa zehn Prozent der 25.000 in Stolberg sein”, schätzt er.

Möglicher Grund dafür, dass das Angebot kaum wahrgenommen wird, ist ein Informationsdefizit. Deshalb hat von der Leyen die Kommunen nun aufgefordert, für das Paket zu werben. Während die Politiker in Berlin zur Ausarbeitung der Pläne einen Runden Tisch einberufen und die Antragsfrist für das Paket verlängert haben, sind den Zuständigen vor Ort noch die Hände gebunden. Bei Joachim Müller, dem Geschäftsstellenleiter des Jobcenters in Stolberg, und seinen Mitarbeitern sind einige Anträge eingegangen. Bearbeitet werden können die aber bislang nicht. Es fehlen die gesetzlichen Richtlinien des Landes. „Alle Kinder in der Städteregion sollen gleich behandelt werden”, sagt Schuhmacher. Wie die Umsetzung vor Ort genau aussieht, muss noch auf kommunaler Ebene abgestimmt werden.

Was klar ist: Der Bund will die „Teilhabe am sozialen Leben und kulturellen Leben” von Kindern und Jugendlichen mit zehn Euro im Monat unterstützen. Ein Zuschuss, mit dem die Mitgliedschaft im Sportverein oder Musikunterricht finanziert werden kann. Gelder können außerdem für Nachhilfe und Schulbedarf, für die Teilnahme an Klassenfahrten oder Tagesausflügen oder ein warmes Mittagessen beantragt werden. Für den Schulbedarf werden die Kinder mit jährlich 100 Euro unterstützt - mit 70 Euro im ersten, mit 30 im zweiten Schulhalbjahr. Doch wer das Angebot nicht einmal kennt, wird es auch nicht in Anspruch nehmen.

Kurt Herpertz, Vorsitzender der Stolberger Tafel, ist einer, der mit Menschen in Kontakt steht, für die das Bildungspaket geschaffen wurde. Doch bislang sei die Maßnahme noch kein Thema unter den Kunden der Tafel gewesen, sagt er.

Bürokratischer Aufwand

Er kann sich gut vorstellen, warum. Es sei der bürokratische Aufwand, der viele abschrecke, und manchmal komme eine generelle Abneigung gegen die Behörden hinzu. „Das spüre ich schon, wenn wir neue Kunden aufnehmen und sie mehrere Bögen ausfüllen müssen.” Herpertz ist zwar nicht ganz zufrieden mit der Umsetzung des Bildungspakets. Aber er glaubt, dass viele der enthaltenden Leistungen für die berechtigten Kinder aus Stolberg sinnvoll wären. „Besonders die sportliche Aktivität ist für die Kinder wichtig, das fordert ihr Sozialverhalten.” Herpertz hat sich nun vorgenommen, das Thema Bildungspaket bei den nächsten Essensausgaben anzuschneiden: „Ich werde die Menschen gezielt darauf anzusprechen und das auch an meine Kollegen weitergeben. Es ist immerhin einen Versuch wert.”

Wer für die Mittel des Bildungspakets berechtigt ist und einen Antrag (auch rückwirkend bis Januar 2011 möglich) stellen will, wendet sich am besten an seinen zuständigen Sachbearbeiter beim Jobcenter der Stadt.
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