Das beruhigende Rattern der alten Sägen hören

Von: Leandra Kubiak
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Kommt ins Schwärmen, wenn er die Funktionsweise der alten Maschinen erklärt: Forstwirt Robert Jansen. Die Bandsäge im Museumssägewerk Zweifall trennt die Rinde von den Brettern ab. Die letzte reguläre Vorführung der Maschinen in diesem Jahr findet heute um 16 Uhr im Museum statt. Foto: L. Kubiak
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Über 80 Jahre alt und gefertigt in Sachsen: Das Sägegatter, das im Museum steht. Die 10 scharfen Klingen zerteilen den Baumstamm.

Stolberg. Die Saison im Museumssägewerk Zweifall neigt sich dem Ende zu. Immer von April bis Oktober öffnet das Zweifaller Museum seine Türen und gibt Besuchern einen Einblick in die Geschichte der Sägewerke in Stolberg und führt an jedem dritten Samstag im Monat vor, wie eine alte Bandsäge und ein Sägegatter funktionieren. Am heutigen Samstag um 16 Uhr findet die letzte reguläre Vorführung der Sägen statt.

Leandra Kubiak hat zum Abschluss der Saison mit Robert Jansen gesprochen und nachgefragt, was den Standort Zweifall in Bezug auf die Holzwirtschaft ausmacht. Jansen ist Fachgebietsleiter des landeseigenen Forstbetriebs und Vorsitzender des Fördervereins Museumssägewerk Zweifall.

Herr Jansen, was erwartet die Besucher bei einer Vorführung im Museumssägewerk?

Robert Jansen: Das Programm ist zweigeteilt: Zunächst gibt es eine Führung durch den Aufsichtsraum im Museumssägewerk, wo beispielsweise Handsägen und Messeinrichtungen aufgehängt sind. Im zweiten Teil werden dann Stämme im Vorführraum zersägt. Zum einen wird die Arbeit am Sägegatter gezeigt: Aus rundem Holz entsteht dabei eckiges Holz. Zum anderen wird das Arbeiten an der Bandsäge demonstriert, wo das Holz eine scharfe Waldkante bekommt.

Seit wann gibt es das Museum?

Jansen: Seit September 2008. Unser Angebot gab es bisher immer in der Saison zwischen April und Oktober. Als drittes und kleinstes Museum im Stadtgebiet Stolberg zählen wir etwa 600 bis 800 Besucher pro Jahr und darauf sind wir stolz. Möglich ist unsere Arbeit vor allem durch Ehrenamtler aus Zweifall.

Mit dem Andrang sind Sie also zufrieden?

Jansen: Ja, das kann man schon sagen. Es sind immer wieder unterschiedliche Gruppen hier, die das Ganze oft auch mit einem Spaziergang auf dem Waldlehrpfad verbinden. Das Schöne hier ist die Nähe zum Wald: Man hat alles da und das ist gerade für die Kinder toll. Man kann ihnen hier das Wachsen eines jungen Baumes zeigen, aber auch die Nutzung eines alten, erwachsenen Baumes und den Transport zum Sägewerk. Kinder können den gesamten Ablauf hier also im ganz wörtlichen Sinne „begreifen“.

Welche Bilanz ziehen Sie für die Saison 2016?

Jansen: Insgesamt war es ein mittelmäßiges Jahr. Im Frühjahr war es ja sehr nass und auch der Juni war verregnet. Und die Besuche hier im Museum sind nunmal sehr wetterabhängig. Man kommt zum Beispiel nach dem Sonntagsnachmittagsspaziergang im Museum vorbei. Das blieb in diesem Jahr häufig aus.

Zweifall ist bekannt für seine Sägewerke. Was ist das Besondere an dem Standort?

Jansen: Das „Walddorf Zweifall“, wie es auch genannt wird, hatte in seiner Blütezeit im 19. Jahrhundert bis zu zehn Sägewerke mit unterschiedlichen Produkterzeugnissen. Es wurde an allen Ecken und Enden mit Holz gearbeitet. Der Standort Zweifall wurde daher ganz bewusst für das Museum gewählt. Wenn ein Museum zum Thema Holz, dann in Zweifall. Das Sägegatter, das über 80 Jahre alt ist und im Museum vorgeführt wird, sollte vor rund acht Jahren eigentlich verschrottet werden. Das Land NRW hat dann aber das Grundstück an der Jägerhausstraße zur Verfügung gestellt und es wurde der Förderverein Museumssägewerk gegründet.

Wo kommt die Gattersäge her, die hier zur Anschauung steht?

Jansen: Die Säge kommt aus Mulartshütte und gehörte dem Betrieb von Heinz Groß. Sein Betrieb ist als Gebäude nach wie vor an der Hahner Straße zu erkennen, es wird dort aber nicht mehr gesägt.

Welche Bedeutung hat der Standort Zweifall heute in der Sägeindustrie?

Jansen: Von den zehn Sägewerken sind noch zwei übrig: Jakob Krings und Harpers. Jakob Krings sägt sowohl Laub- als auch Nadelhölzer. Die Betriebe machen heute in erster Linie Verpackungen und Paletten. Das Herstellen von Verpackungen für Maschinen ist im Prinzip eine Nische, die sie gefunden haben. Die Verpackungen werden genau angepasst. Auch die ehemaligen Sägewerke sind im Ort alle noch erkennbar, werden aber nicht mehr zum Sägen genutzt.

Bleibt das Holz aus Zweifall größtenteils hier in der Region?

Jansen: Ja, die Hauptprodukte bleiben größtenteils in der Region und gehen beispielsweise nach Würselen und in die südliche Eifel. Das sind 40000 bis 50000 Kubikmeter, die pro Jahr als Nadelholz dorthin vermarktet werden. Die Begleitsortimente, aus denen später zum Beispiel Papier hergestellt wird, wandern größtenteils in eine Papierfabrik im Ruhrgebiet. Ein Teil der Spanhölzer geht aber auch in den Raum der Benelux-Staaten. Nur ganz selten werden Bäume über den Hafen Antwerpen nach China exportiert. Das sind dann zum Beispiel Pappeln oder Eschen.

Legen Sie wert darauf, dass das Holz im möglichst nahen Umfeld genutzt wird?

Jansen: Ja, das ist mein bevorzugtes Prinzip bei der Holzvermarktung für den Staatswald; dass wir das Holz der kurzen Wege nutzen, weil es einfach umweltverträglicher ist.

Von was für einer Fläche sprechen wir, die Sie als Fachgebietsleiter des Forstbetriebs zu bewirtschaften haben?

Jansen: Die gesamte Fläche, die wir zu bewirtschaften haben, das sind gut 11000 Hektar Landeswald, und das ist ein Zehntel des gesamten Landeswaldes NRW. Dafür bin ich mit knapp 40 Kollegen verantwortlich. Der Holzvorrat im Hürtgenwald wird nachhaltig bewirtschaftet. Wir könnten theoretisch sogar mehr Holz schlagen, als wir das tatsächlich tun. Wir nutzen nicht den gesamten Zuwachs.

Was ist für Sie das Besondere an dem Beruf des Forstwirtes?

Jansen: Der Wunsch ist bei mir entstanden durch die Verbundenheit zur Natur. Man stellt in dem Beruf fest: Im Wald zu wirtschaften ist das eine, nachhaltig mit dem Wald umzugehen das andere. Man muss die ökonomischen Aspekte mit den ökologischen Grundlagen vereinen. Würde man das nicht beachten, könnte man irgendwann nicht mehr ernten. Es geht beim Wirtschaften immer auch darum, dass durch Nachhaltigkeit für die nachfolgenden Generationen etwas übrig bleibt. Zu unseren Inhalten gehören also auch die Waldentwicklung, die Baumartenentwicklung und der pflegliche Umgang mit den Böden.

Wie gut gelingt es, ökologische und ökonomische Interessen miteinander zu vereinen?

Jansen: Zusammen mit den sechs Revierleitern sind wir stolz darauf, dass wir den Wald schon grundlegend verändern konnten. Wir konnten einen Wald, der stark nadelholzbetont war, im Laufe der letzten Jahrzehnte in einen Mischwald umwandeln. Und ein solcher Wald wird wohl auch besser mit dem Klimawandel zurecht kommen, der uns bevorsteht. Vielfalt in der Natur ist immer mit Stabilität gleichzusetzen. Im Laufe der vergangenen 30 Dienstjahre habe ich eines festgestellt: Die Natur ist immer stärker als der Mensch. Wenn man also versucht, der Natur mit seinem Wirtschaften möglichst nahe zu kommen, hat man die geringsten Einbußen.

Welche Baumarten werden hier in erster Linie verarbeitet?

Jansen: Nach wie vor ist der Brotbaum der Forstwirtschaft die Fichte, die übrigens im kommenden Jahr „Baum des Jahres“ wird. Aber auch die Buche und die Douglasie gehören zum Spektrum. Der Vorteil der Douglasie ist, dass sie mit deutlich weniger Niederschlägen auskommt als die Fichte und sie gleichzeitig auch sturmstabiler wächst.

Ist die Holzindustrie eine Branche mit Zukunft?

Jansen: Ich denke schon. Holz ist einer der Rohstoffe – vielleicht sogar „der“ Rohstoff – der immer wieder nachwächst, nachhaltig erzeugt werden kann und auch für den Aspekt der Energie interessant ist. Holz ist einfach eine geniale Ressource.

Wie viele Menschen in der Region sind heute in etwa in der Branche beschäftigt?

Jansen: Definitiv weniger als früher. In einem größeren Werk sitzt vielleicht noch einer, der das Holz annimmt und vermisst, einer, der die Steuerung der Maschine übernimmt, einer, der den Ablauf kontrolliert und am Ende wird dann schon verpackt. Früher standen alleine an einem Sägegatter drei oder vier Leute, und man konnte eine Tasse Kaffee trinken, ehe ein Stamm fertig geschnitten war.

Heute geht das alles in einer rasenden Geschwindigkeit und es wird mit Joystick und Laserausrichtung gearbeitet. Und genau das ist auch das Schöne am Museum: Hier wird nach wie vor die Ruhe weitergegeben, die man früher einmal hatte.

Welche Neuerung stehen in der Zukunft rund ums Museum an?

Jansen: Wir haben außerhalb vom Museum ein Schau-Gatter aufgebaut, das nächstes Jahr eingeweiht werden soll. Die Einrichtung wächst also nach und nach, und wir bekommen immer mal wieder neue Gegenstände für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

 

Geführt wird das Museum vom Förderverein Museumssägewerk Zweifall und dem Landesbetrieb Wald und Holz des Landes Nordrhein-Westfalen in Kooperation. Der Ausstellungsraum an der Jägerhausstraße 148 in Zweifall ist noch bis Ende Oktober jeweils samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Vorführungen der Sägen gibt es heute um 16 Uhr und nach Vereinbarung unter rureifel-juelicher-boerde@wald-und-holz.nrw.de oder unter Telefon 02429/94000. Der Förderverein freut sich außerdem über Ehrenamtler, die die Arbeit im Museum unterstützen möchten.

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