Stolberg - Das Aus nach 33 Jahren: Adieu, Rotomat

Das Aus nach 33 Jahren: Adieu, Rotomat

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Der Amtsleiter bleibt, der Rotomat wird ersetzt: Gerd Schön und die 33 Jahre alte „Aktenaufbewahrungsmaschine mit rotierenden Halteschienen”. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Sein Volumen ist so groß, dass mindestens sieben einzelne Aktenschränke mit einer üblichen Breite von 80 Zentimeter benötigt würden, um die 25,5 laufenden Meter Akten unterbringen zu können. Allein das Zimmer im 7.Obergeschoss des Rathauses ist nicht groß genug, um weitere Schränke fassen zu können.

Deshalb hängen die Mitarbeiter des Bauordnungsamtes auch liebevoll an ihrem Rotomaten. Doch diese „Aktenaufbewahrungsmaschine mit rotierenden Halteschienen” zur Aufbewahrung von Bauakten in der Registratur des Bauordnungsamtes hat mittlerweile 33 Jahre auf dem Buckel.

Eine recht stressige Zeit für solch ein Büroinventar angesichts der zahlreichen genehmigten Bauanträge, die in ihm ruhen, und der beantragten Vorhaben, die immer wieder zur Bearbeitung aus seinem Bauch ans Tageslicht befördert werden müssen.

Immer mal wieder ist der Rotomat in der Vergangenheit angesichts seiner beruflichen Überlastung trotz des liebevollen und tarifgerechten Umgangs ausgefallen - hat quasi eine kleine Kur- und Wellness-Auszeit zur Aufrechterhaltung seiner Arbeitskraft benötigt, um weiterhin unentwegt im Dienste der Stadt tagtäglich routieren zu können.

Doch nun - es war in der zweiten Februar-Woche - machte sich die berufliche Dauerüberlastung des Rotomaten nachhaltig bemerkbar. Es kam zum Kollaps. Der für die Elektrik zuständige „Hausarzt” konnte dem 1977 geborenen „Kollegen” allerdings nicht mehr auf die „Beine” helfen, ein „Facharzt” der Herstellerfirma musste ran.

Doch auch der Spezialist machte nicht viel Hoffnung auf eine weitere berufliche Karriere des Routiniers. Nicht nur zwei der vier Sicherheitsnotschalter sind ausgefallen und können nicht mehr nachgeliefert werden, sondern der Rotomat entspricht auch in keinster Weise mehr den gesetzlichen Anforderungen, die aus Sicht des Unfallschutzes an derartige „Mitarbeiter” einer öffentlichen Verwaltung gestellt werden.

Angesichts des finalen Kollapses steht nicht nur die Berufslaufbahn des Rotomaten vor dem Ende, sondern seine Tage sind gezählt. Er soll entsorgt werden. Ein junger, modern ausgebildeter Kollege soll nun seine langgediente Stellung übernehmen. Denn eine Alternative zu solch einem fachlich spezialisierten Mitarbeiter findet sich nicht alle Tage.

Nicht nur, weil das Zimmer der Registratur zu klein ist, um all sein Wissen in gemeinen Aktenschränken stapeln zu können, sondern auch deshalb, weil sie einfach zu bedienunfreundlich für die Mitarbeiter sind.

Die Aktenentnahme durch Bücken ist aufgrund des anerkannten Behinderungsgrades für das menschliche Personal nicht zumutbar. Außerdem gibt´s da noch zwei weitere Schränke mit zusätzlich 9,5 laufenden Meter Akten, die der junge Kollege servicefreundlich „schlucken” und in einer angenehmen Höhe von 75 Zentimeter präsentieren könnte. Und letztlich gilt diese Art Personal als politisch stets korrekt und vor allem als unverwüstlich und enorm beanspruchbar, was das vorhandene mit seinen 33 Dienstjahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Es gilt allerdings noch ein kleines Problem bei dem Wechsel des automatisierten Kollegen zu überwinden. Denn der ist ein Schwergewicht. Satte 200 Kilogramm bringt er auf die Waage, und ist überdies mit Seitenteilen von 2,50 x 1,0 Meter ein wenig sperrig - in jedem Fall zu schwer und sperrig für die beiden Aufzüge oder das Treppenhaus im Rathausturm. Also muss ein Kran her, der den neuen Rotomaten ins siebte Obergeschoss und den alten heraus hieven wird.

Rund 13.000 Euro stellte der Stadtrat für diesen „personellen” Wechsel zur Verfügung, die auch den Transporte und die Entsorgung des altgedienten „Mitarbeiters” abdecken.
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