Stolberg - Das Angebot stimmt. Und die Nachfrage?

Das Angebot stimmt. Und die Nachfrage?

Von: Robert Flader
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Wär das was? Jugendliche info
Wär das was? Jugendliche informieren sich in der Ausbildungswerkstatt von Foto: D. Müller

Stolberg. Es gibt tatsächlich noch wegweisende Statistiken, bei den Stolberg im regionalen Vergleich ganz weit oben steht. Die Zahl 158 ist ein Indikator dafür, dass der Kupferstadt zumindest auf dem Ausbildungssektor nicht der Nachwuchs ausgeht.

158 neue „Azubis” haben rund um den 31. August/1. September eine Stelle gefunden. „Das sind immerhin 32 mehr als im vergangenen Jahr”, sagt Gisbert Kurlfinke von der Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK). Bedeutet einen Zuwachs von rund 25 Prozent.

Stolberg liegt damit deutlich über dem Kammerdurchschnitt von 8,9 Prozent, „und selbst das ist schon ein sehr guter Wert”, ergänzt Kurlfinke. Insgesamt begrüßt Stolberg im Ausbildungsjahr 2010/11 unter anderem 26 neue Industriekaufleute, 20 Verfahrensmechaniker, 15 Industriemechaniker, zwölf Elektroniker, neun Werkzeugmechaniker, sieben Zerspanungsmechaniker, sechs Maschinen-/Anlagenführer, vier Fachinformatiker sowie Mathematisch-technische Zeichner.

„Stolberg profitiert natürlich von seiner Industrie”, sagt Gisbert Kurlfinke. „Problemkind” ist und bleibt der Einzelhandel: Lediglich sechs Verkäufer und ebenso viele Kaufleute haben Anfang des Monats eine Ausbildung begonnen. Kurlfinke: „Eigentlich ist der Einzelhandel unser stärkstes Pferd, aber für Stolberg kann man das gewiss nicht sagen.”

Neuer Rekord bei Prym

Die Zahlen von neuen Auszubildenden in den Stolberger Industriebetrieben liegen fast alle auf dem Niveau der Vorjahre, in Einzelfällen, wie bei Prym, sogar auf einem neuen Höchststand, wie Markus Herbst verrät: „Mit insgesamt 54 Auszubildenden verzeichnen wir einen neuen Rekord”, sagt Pryms Marketing-Leiter.

Insgesamt sind aktuell 74 Azubis beim Stolberger Familienunternehmen beschäftigt. Beim regionalen Energie-Versorger EWV denkt man bereits an das kommende Jahr: „Wir haben zehn angehende Elektroniker und Industriekaufleute hinzu gewonnen. Gleichzeitig ist aber schon die Bewerbungsfrist für das kommende Ausbildungsjahr abgeschlossen”, sagt Yvonne Rollesbroich von der EWV-Öffentlichkeitsabteilung.

Bei diesen Zahlen will sich auch der größte Ausbildungsbetrieb der Stadt, das Bethlehem-Krankenhaus, nicht bitten lassen: 33 Auszubildende in der Verwaltung (1), als medizinische Fachangestellte (2), im Bereich der Kinderkrankenpflege (10) sowie der Krankenpflege (20) haben ihren Dienst am 1. September aufgenommen. Insgesamt sind es nach derzeitigem Stand 101 Auszubildende, im Verbund mit anderen Einrichtungen allein im Bereich der Krankenpflege und Kinderkrankenpflege sogar 175.

Auch Schwermetall setzt weiter und wie in den Vorjahren (fast) unverändert auf den Nachwuchs: „Wir haben zwei neue Verfahrensmechaniker und einen neuen Industriemechaniker hinzugewonnen”, sagt Philipp Vent, selbst angehender Industriekaufmann. „Grundsätzlich versuchen wir, jedes Jahr vier neue Azubis einzustellen. 2012 wird wohl wieder ein Industriekaufmann dabei sein.”

Die Zahlen für den gesamten Kammerbezirk seien nach der Wirtschaftskrise wieder auf dem Weg nach oben, „und fast schon wieder auf dem Niveau von 2008, unserem Rekordjahr”, sagt Gisbert Kurlfinke. Aktuell seien 4093 junge Menschen im Kammer-Bezirk in Ausbildung, das sind fast neun Prozent mehr als 2010.

Die Zahlen klingen vielversprechend - und doch gibt es eine Kehrseite: Im Gastronomie-Gewerbe sieht es, nun ja, mau aus: „Es sind leider nicht mehr die Massen von früher”, sagt Dirk Deutz, Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). „Es gibt immer weniger gute Bewerber und damit auch immer weniger Qualität.”

Dabei gehe es nicht darum, dass nicht ausreichend Leute als Koch oder Kellner arbeiten wollen, „sondern darum, dass das Berufsbild geändert werden muss”, sagt IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting. Zwar seien von den rund 4093 Lehrlingen im IHK-Bereich immerhin 400 im Hotel- und Gaststättengewerbe beschäftigt, „doch es werden viel mehr gebraucht”, ergänzt Reiner Spenke, Geschäftsführer der Dehoga Nordrhein. „Der Beruf muss aufgewertet werden, es heißt immer Kellnern ist schön, aber nicht Vernünftiges.”

Zur aktuellen Entwicklung passt, dass die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) der Städteregion in ihrem „Ausbildungsreport” (Mitte September) massiv für die aktuelle Situation kritisiert. „Vor allem bei den Überstunden von Azubis hat das Hotel- und Gaststättengewerbe die Rote Laterne”, sagt Peter Mogga von der NGG Aachen. Viele Azubis würden „als billige Arbeitskräfte ausgenutzt”.

„In Schulen informieren”

Ideen, um dem Gastro-Gewerbe wieder auf die Sprünge zu helfen, gibt es: „Wir müssen früher in die Schulen gehen, Chancen und Perspektiven aufzeigen und auch bei Ausbildungsmessen einen besseren Auftritt hinlegen”, sagt Dirk Deutz in der Hoffnung, dass neben dem Angebot auch irgendwann wieder die Nachfrage stimmt.

So weit ist es also gekommen, dass Politik und Unternehmen mittlerweile von der „Generation McDonalds” sprechen. Von jungen Leuten, die ein, nun ja, sehr eigenes Bild vom Gastronomiebereich haben.

Von schlechten Arbeitszeiten und -bedingungen ist da die Rede - und zum Teil mag das auch zutreffen. Nur, was hilft die Einstellung: Arbeiten? Ja gerne, aber nicht abends und am Wochenende. So wird es in der Tat schwer, einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden. Dabei ist der Gastronomiebereich ein hervorragendes Sprungbrett für den gesamten Dienstleistungssektor. Da hilft es, den Blick über den Tellerrand hinaus zu wagen.
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