Das Amt des Schiedsrichters hat ein Imageproblem

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
11885992.jpg
Klare Ansage: Auf der Stolberger Spielstätte „Kraukau 2“ am Trockenen Weiher sind die Fronten eindeutig geklärt. Übergriffe gegen Schiedsrichter – ob verbal oder nicht – werden nicht toleriert. Foto: A. Kasties
11860513.jpg
Rote Karte für Beleidigungen: Unschöne Vorfälle auf dem Platz nimmt Denis Duarte aus Stolberg mit Humor.
11860533.jpg
Intensives Training: Zehn bis 15 Stunden pro Woche investiert der 28-jährige René Stoll aus Eschweiler in sein Hobby.

Stolberg/Eschweiler. Wenn Denis Duarte den Fußballplatz betritt, dann hat er neben Stollenschuhen und Trainingskleidung auch die metaphorische dicke Haut mit im Gepäck. Der gefeierte Held auf der Sportstätte ist er nicht, das weiß der 17-Jährige genau. Unbeliebte Entscheidungen zu treffen, gehört nun mal zur Stellenbeschreibung eines Schiedsrichters.

Vor knapp vier Jahren lernte der Stolberger beim TSV Donnerberg das Pfeifen. Damals zeigte er noch bei den Bambini den Torstand an. Mittlerweile leitet er Spiele in der Leistungsklasse der A-Jugend und assistiert in der Senioren-Bezirksliga. Es ist ein zeitintensives Hobby. Etwa zwei Mal pro Woche steht Duarte für die Einhaltung der Fußballregeln gerade, ob bei Regen oder Sturm. Doch nicht nur die Witterung kann den Job des Schiedsrichters ganz schön unangenehm machen. Auch Beleidigungen gehören zum Alltag dazu, von Zuschauer- wie auch von Spielerseite. „Doch darüber lache ich einfach“, sagt Duarte. Dass die Emotionen während eines Spiels auch mal hochkochen, weiß der Auszubildende zum Verfahrensmechaniker aus eigener Erfahrung. „Das darf man nicht persönlich nehmen.“

Und dennoch: Das Amt des Schiedsrichters hat ein Imageproblem. Das weiß auch Lothar Peters vom Kreisschiedsrichterausschuss. Zwar würden sich nach wie vor viele junge Menschen für das Amt mit der Trillerpfeife interessieren. Viele werfen jedoch nach einem dreiviertel Jahr wieder das Handtuch.

Die Prüfungen seien anspruchsvoll, der erforderte Zeitaufwand hoch. „Früher hatten Schüler nachmittags frei, heute ist das nun mal anders“, erklärt Peters.

Personalmangel und ein nicht immer respektvoller Umgang mit den Unparteiischen, mit diesen zwei Hauptproblemen hat das Schiedsrichterwesen zu kämpfen. Die Zahl an Spruchkammersitzungen wegen tätlicher Vergehen gegen Schiedsrichter ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Einen Trend zu zunehmender körperlicher Gewalt im Amateurfußball beobachtet Peters hingegen nicht, weder in Stolberg noch in Eschweiler. Laut einer DFB-Erhebung aus den Spielberichtsbögen laufen rund 99 Prozent aller Spiele ohne Vorkommnisse ab.

Diesen Eindruck bestätigt auch René Stoll aus Eschweiler. Der 28-Jährige von den Sportfreunden Helrath ist seit 2010 als Schiedsrichter in der Region unterwegs. Einen tätlichen Übergriff gegen ihn hat er bislang noch nicht erleben müssen. „Beleidigungen kommen zwar schon mal vor, aber in der Regel nicht so, dass man wirklich angefeindet wird“, sagt der Außendiensttechniker. Bislang habe es noch keinen Tag gegeben, an dem er das Amt wegen eines schlecht verlaufenen Spiels am liebsten an den Nagel gehängt hätte. „Der Großteil der Spiele macht wirklich Spaß“, betont er. Und für diesen Spaß investiere er gerne zehn bis 15 Stunden pro Woche.

Rückhalt und Unterstützung bei der Ausübung ihres Hobbys erhalten Duarte und Stoll vom Kreisschiedsrichterausschuss. Die wöchentlichen Treffen der Trainingsgemeinschaft, bei denen Jung und Alt zusammenkommen, um Fußball zu spielen, seien ein wichtiger Motivationsfaktor, findet Stoll. Dort tauschen die Sportler ihre Erfahrungen aus und diskutieren in lockerer Runde.

Gerade weil das Amt nicht leicht sei, wolle man den Nachwuchs so gut wie möglich betreuen, betont Peters. Bei der Schiedsrichter-Ansetzung achte der Ausschuss deshalb darauf, Spiele, die ein gewisses Risiko bergen, ausschließlich in die Hand von erfahrenen Spielleitern zu geben.

Die Persönlichkeit sei bei der Ausübung des Amtes ein wichtiger Faktor. „Es ist ein Unterschied, ob ich ein Spiel pfeife oder leite“, sagt Peters. Das sieht auch Helmut Brief so. Seit 1978 ist er als Schiedsrichter tätig, als Linienrichter schaffte er es sogar bis in die Oberliga Nordrhein. „Man muss als Schiedsrichter charakterfest sein und Entscheidungen treffen können, die problematisch sind.“ Das individuelle Auftreten ist wichtig, um Eskalationen auf dem Platz nach Möglichkeit zu vermeiden. „Wenn man unsicher wirkt, merken das die Spieler sofort“, so Peters. Zu viel Selbstbewusstsein könne hingegen als Arroganz gewertet werden und provozieren. „Man muss den berühmten Mittelweg finden“, sagt Peters. Ein Witz oder ein lockerer Spruch während der Halbzeitpause kann die Gemüter auf dem Platz beruhigen. „Dann werden einem auch Fehlentscheidungen verziehen“, erklärt Duarte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert