Damit Gaspedalen nicht die Luft ausgeht

Von: Anja Klingbeil
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Sie prüfen alles auf Herz und Nieren, wie etwa die Belastbarkeit von Lenkrädern: Dr. Albert Mülln (l.) und Dr. Marcus Jarchow sind die Geschäftsführer von Dyna-Mess. Das Stolberger Unternehmen feiert 25-jähriges Jubiläum. Foto: Anja Klingbeil

Stolberg. Klemmendes Gaspedal und sich verkeilende Fußmatten: Mehr als acht Millionen Pkw muss ein großer japanischer Autohändler aktuell zurückrufen, um die Mängel in der Werkstatt zu beheben. Denn so eine unfreiwillige Vollgas-Fahrt, wie sie durch festsitzende Pedale passieren kann, endet im schlimmsten Fall mit einem verheerenden Unfall.

Dem Unternehmen droht nun eine Rekordstrafe von mehr als zwölf Millionen Euro. Das zuverlässige Funktionieren von Gas-, Brems- und Kupplungspedal wird auch deshalb derzeit intensiv diskutiert. Vielleicht hätte sich der japanische Autohändler an ein Stolberger Unternehmen wenden sollen: Dyna-Mess feiert in diesen Tagen 25-jähriges Bestehen.

Und die kleine Firma stellt eben unter anderem solche Maschinen her, die die Pedalerie des Autos einer genauen Überprüfung unterziehen. Sie simulieren den Fahrbetrieb unter realistischen Bedingungen, denn sie fahren Belastungskurven nach, wie sie auch im wirklichen Straßenverkehr auf einen Pkw zukommen.

Andere Einsatzorten der Stolberger Entwicklungen ist etwa der Bereich Medizintechnik: Hier werden die Prüfmaschinen von Dyna-Mess häufig eingesetzt. „Moderner Zahnersatz ist anspruchsvoller Maschinenbau: Die Konstruktionen sind filigran, ausgefuchste Verbindungselemente mit geringen Querschnitten halten komplexe Kostruktionselemente”, sagt Geschäftsführer Dr. Marcus Jarchow. Das Kauen ist typisch für eine Wechselbelastung. Folgt man der Regel „Jeden Bissen 30-mal kauen”, ergeben sich allein bei einer Currywurst mit 20 Bissen für den Zahnersatz bereits 600 Lastwechsel. Je sicherer also die Prüfung im Vorfeld ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Praxis nicht zu Überraschungen kommt.

Jarchow führt das Unternehmen gemeinsam mit Dr. Albert Mülln. Er ist der eigentliche Gründer von Dyna-Mess. Der Diplom-Ingenieur hob die Firma, die einer der ersten Mieter im alten Technologiezentrum an der Jülicher Straße in Aachen war, aus der Taufe. Da das Unternehmen schnell wuchs, siedelte Dyna-Mess bald in eine alte Tuchfabrik in Aachen-Brand. Seit 2001 ist die Firma in Stolberg am Leimberg beheimatet.

Schnelles Wachstum ist allerdings gar nicht das Ansinnen der beiden Geschäftsführer Jarchow und Mülln. Das zeigt sich auch in den Mitarbeiterzahlen: 25 Angestellte gibt es. „Wachstum war für uns nie ein Ziel, weil wir gerade in unserer Kleinheit am Markt besser bestehen können. So sind wir flexibler”, erklärt Jarchow.

Dyna-Mess konzentriert sich auf Sonderanfertigungen. Darunter etwa 40 Meter große Maschinen, die die Belastbarkeit von Schiffsankerketten testen.

Um solche außergewöhnlichen Konstruktionen herzustellen, braucht es Facharbeitskräfte. Da diese Mangelware sind, bildet Dyna-Mess aktuell vier junge Menschen aus. „Gut 80 Prozent der Auszubildenden werden von uns übernommen”, sagt Jarchow. Neben der Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen profitiert die lokale Wirtschaft von Aufträgen, die Dyna-Mess vergibt. Und welche Wünsche gibt es für die kommenden 25 Jahre? „Wir wollen weiter unsere Vorreiter-Stellung behalten”, betonen Jarchow und Mülln.
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