Stolberg - Dalli gelingt weiterer Waschmittel-Coup und übernimmt „Dash“

Dalli gelingt weiterer Waschmittel-Coup und übernimmt „Dash“

Von: Jürgen Lange
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Der um das „Wirtzhaus“ erweiterte Stammsitz der Dalli-Gruppe an der Finkensiefstraße. Von Stolberg aus werden zukünftig auch die Geschicke der von Procter & Gamble regional übernommenen Eigenmarken „Dash“ und „Bonux“ gelenkt. Foto: J. Lange

Stolberg. Schon mit ihrem Start 1962 war die Werbung für „Dash“ legendär. Vor zwei Jahren erreichte der TV-Spot „Mit Dash kommt alles raus“ in den Sozialen Medien geradezu Kultstatus. Und in Zukunft kommt das Markenwaschmittel aus Stolberg. Die Dalli-Gruppe wird „Dash“ und „Bonux“ künftig als Eigenmarke produzieren und vermarkten.

Damit wagt sich der Stolberger Spezialist für Handelsmarken einen weiteren Schritt auf den Markt mit Eigenmarken.

Am Donnerstag unterzeichneten Vertreter des Familienunternehmens in fünfter Generation und des US-Konzerns Procter & Gamble (P&G) die Kaufverträge. Demnach hat die Dalli-Gruppe für „Dash“ die Markenrechte für Deutschland, Österreich und die Schweiz erworben sowie für „Bonux“ die für den gesamten europäischen Raum mit Ausnahme der Türkei. Der Kauf steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Aufsichtsbehörden. Und wie gewohnt wurde über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart. Aber unstrittig ist, dass Dalli mit der Übernahme sein Portfolio um weitere etablierte Marken erweitert.

„Dies ist ein erfreulicher und wegweisender Schritt in der strategischen Entwicklung unseres Unternehmens“, erklärte Dr. Hermann Wirtz gegenüber unserer Zeitung. „Wir denken dabei, wie alle solide geführten Familienunternehmen, in Generationen und nicht in Quartalen“, so der geschäftsführende Gesellschafter. Den 72-Jährigen, der das Familienunternehmen um die Jahrtausendwende mit hohem Engagement und Einsatz aus einer schweren Krise führte, hatte der Beirat zuletzt im Juni 2014 für weitere fünf Jahre als Geschäftsführer bestätigt.

Auch für den Beirats-Vorsitzenden Hans-Reinhard Abels erfolgt die Akquise „im Rahmen unserer strategischen Planung genau zum richtigen Zeitpunkt“. Die Dalli-Gruppe „verbreitert und stärkt ihr wirtschaftliches Fundament“, so Abels weiter, „und baut ihre Marktposition weiter aus.“

Auf der Seite des Verkäufers sieht P&G „einen Beitrag zum erfolgreichen Wachstum beider Unternehmen“, wie es in einer Mitteilung des Konzerns heißt. Dieses Geschäft eröffne sowohl Dalli wie auch P&G „exzellente Möglichkeiten: Das Zustandekommen des Vertrages ist für beide Seiten eine Win-win-Situation“.

Schon seit längerer Zeit pflegen sowohl das Stolberger Familienunternehmen wie auch der US-Konzern ein vertrauensvolles Geschäftsverhältnis. Entscheidend für das Zustandekommen des Kaufs war „die herausragende Kompetenz von Dalli in der Entwicklung und Herstellung von innovativen Waschmitteln in Premiumqualität sowie die gegenseitige Wertschätzung durch die hervorragende Zusammenarbeit der beiden Unternehmen seit der Übernahme und Integration des Werkes in Timioara“, heißt es in der Unternehmensmitteilung dazu. Im November 2014 ging der Deal inklusive eines Belieferungsvertrages für P&G über die Bühne. Mit dem Erwerb des Werkes mit einer Jahreskapazität von über 300.000 Tonnen im rumänischen Banat erweiterten die Stolberger ihre Kapazitäten in der Herstellung von Waschmitteln und Handgeschirrspülmitteln. Mit der Übernahme zum 1. Oktober 2015 baute Dalli nicht nur sein Geschäft mit Industriekunden weiter aus, sondern nahm auch Absatzmärkte in Zentral- und Osteuropa ins Visier. Ziel war es zudem, die Discount- und Drogeriekunden bei der Expansion auf neue Märkte zu unterstützen.

Zunehmend erweitern die Stolberger ihr Geschäft über Deutschland hinaus. Hintergrund ist ein stagnierender deutscher Markt mit preisorientiertem Verdrängungswettbewerb. Deshalb diene die Expansion auf zukünftige Wachstumsmärkte der Sicherung heimischer Arbeitsplätze. Auf diesem Wege hatte Dalli bereits vor fünf Jahren von Mitbewerber Reckitt Benckiser das Waschpulverwerk in Österreich in Warth mit einer Jahreskapazität von 55.000 Tonnen übernommen.

In Sachen „Dash“ und „Bonux“ beginnt für die Dallianer nun die eigentliche Arbeit. Wo die beiden Marken nun am besten produziert werden, werde nun erst einmal genau analysiert und geprüft, hieß es von Unternehmensseite her. Am historischen Standort in der Kupferstadt produziert das Unternehmen seit mehr als 100 Jahren Waschpulver in Groß- und Kleingebinden. Die Jahreskapazität wird aktuell mit 120.000 Tonnen angegeben. Flüssigprodukte zur Wäschepflege werden zudem am niederländischen Standort Hoensbroek mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen hergestellt.

P&G startete mit „Dash“ 1962 eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Es verfüge noch heute über einen festen Platz unter den zehn beliebtesten Vollwaschmitteln in Deutschland, Österreich und Schweiz. Weniger bekannt in unseren Breiten ist die Marke „Bonux“. P&G führte sie 1958, damals noch als „Bonus“, in Frankreich ein. Zwei Jahre später wurde der Name in „Bonux“ geändert. Als Werbemaßnahme fügte der Hersteller den Packungen ein kleines Geschenk bei – eine so einprägsame Idee, dass der Ausdruck „Cadeau Bonux“ (französisch für das „Bonux-Geschenk“) als Synonym für Werbegeschenke in die französische Volkssprache eingegangen sei. „Bonux“ zähle in seinem Absatzgebiet zu den erfolgreichsten Marken im Waschmittel-Segment und hat beispielsweise in Rumänien einen Marktanteil von circa acht Prozent.

Die guten Beziehungen zwischen der Dalli-Gruppe und Procter & Gamble beginnen bereits einige Jahre vor der Übernahme des Werkes in Timioara. Ein Paukenschlag in der Branche war im Jahr 2007 die Übernahme der Kölner Traditionsmarke „4711“ inklusive der Marken „Tosca“, „Sir Irisch Moos“ und „Extase“ durch die Unternehmenstochter Mäurer & Wirtz, die die Marke seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. 2012 folgte ebenfalls von P&G die Marke Baldessarini mit Düften und Körperpflegeprodukten.

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