Contergan-Tragödie: Grünenthal unterstützt Skulptur

Von: Jürgen Lange
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Stolberg. Während der besinnlichen Weihnachtspause sind die Gedanken gereift, die zu einem würdigen Gedenken an die Contergan-Opfer in Stolberg führen sollen.

Zwar obliegt die Entscheidung, die Skulptur im Kulturzentrum Frankental aufzustellen, noch dem am Dienstag tagenden Stadtrat, aber im Rahmen einer Besprechung mit Bürgermeister Ferdi Gatzweiler haben Vertreter der Fraktionen bereits signalisiert, das vorgeschlagene Ensemble als eine geeignete Form zu unterstützen.

„Lebenssituation verbessern”

Auch der Pharma-Konzern Grünenthal, der das Präparat entwickelt hat, möchte sich in das Vorhaben einbringen: „Grünenthal möchte bedarfsorientiert Projekte aufsetzen, um die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern”, erklärte Kira Goertz auf Anfrage unserer Zeitung. „Über dieses Ziel hinaus unterstützen und begrüßen wir das Anliegen, eine Statuette oder vergleichbare Gedenk-Skulptur für die Contergan-Betroffenen in Stolberg zu errichten”, sagte die Vizepräsidentin für Corporate Communications des Unternehmens.

Es gehe um ein Erinnerungssymbol für alle Contergan-Betroffenen. „Daher war es für uns von Anfang an von entscheidender Bedeutung, dass möglichst viele Betroffene aktiv eingebunden werden und sichergestellt wird, dass die konkret geplante Skulptur bei den Betroffenen eine Unterstützung auf möglichst breiter Basis findet”, betont Goertz.

Nachdem der Bürgermeister mitgeteilt habe, dass der Bundesverband Contergan-Geschädigter wie auch der Landesverband Nordrhein-Westfalen beteiligt worden sind und der Landesverband das Projekt ausdrücklich unterstützt, „sind wir gerne bereit, der Anfrage der Stadt Stolberg zu folgen, und unterstützen das Projekt mit rund 5000 Euro”, so die Unternehmenssprecherin. Grünenthal trage damit der besonderen Situation Rechnung, die „durch die Contergan-Tragödie für unseren damaligen Heimatstandort” Stolberg entstanden ist. Dank dieser Förderung sind die Kosten des Vorhabens gedeckt.

„Ich bin dankbar, dass wir bei diesem Projekt eine gemeinsame Linie sowohl mit Grünenthal wie auch mit den Interessensverbänden gefunden haben”, begrüßte Bürgermeister Ferdi Gatzweiler die Erklärung des Konzerns ausdrücklich. Die Initiative, der Tragödie in der Kupferstadt zu gedenken, war bereits im Sommer 2009 von Johannes Igel aus dem oberbergischen Morsbach ausgegangen. Er hatte sich an die Stadt mit dem Vorschlag gewandt, mittels einer Gedenktafel der Folgen des von Stolberg aus vermarkteten Präparats zu erinnern. Igel führte intensive Gespräche über die Möglichkeiten und Form einer solchen Mahnung mit Bürgermeister Gatzweiler, der ebenfalls unterschiedliche Opfer-Verbände in die Überlegungen mit einschloss.

Ein Ergebnis „des konstruktiven Dialogs” war die Aufstellung einer Gedenkskulptur, die von dem Aachener Künstler Bonifatius Stirnberg, der auch den Stolberger Galminus- und den Aachener Puppenbrunnen gestaltet hat, geschaffen wurde. Die 62 Zentimeter hohe Plastik zeigt auf einem Stuhl sitzend ein Mädchen, ein Kind von französischen Freunden des Künstlers, das durch schwerste Krankheit gezeichnet nur noch wenig Zeit zum Leben hatte (und kurz darauf starb).

Eine Skulptur, die auf Zustimmung bei Interessenverbänden von Contergan-Opfern stieß. „Er skizzierte dieses Mädchen liebevoll” und schuf „diese wundervolle Bronze-Figur”, wobei Stirnberg „auch die Form der Schädigungen” deutlich machte, befand Vorsitzender Udo Herterich vom Interessenverband Contergangeschädigter NRW mit Sitz in Düsseldorf: „Stirnberg schuf ein beeindruckendes Mahnmal an die Pharma-Industrie.” Die „Contergan-Stiftung für behinderte Menschen” in Bonn bewertete das Projekt als „zweifellos interessant”.

Realisiert werden soll es im Foyer des Kulturzentrums Frankental auf dem Podest an der rechten Seite des Eingangsbereiches. „Dort kommt die vergleichsweise kleine Skulptur wesentlich besser zur Geltung als auf einem öffentlichen Platz”, erklärt Gatzweiler.

Dennoch ist es ein exponierter Standort in der Öffentlichkeit, der täglich von vielen Besuchern des Kulturzentrums in Augenschein genommen werden kann, verweist Gatzweiler auf die starke Frequenz durch Besucher von Stadtbücherei, Musikschule, Volkshochschule sowie der zahlreichen Veranstaltungen im Theatersaal.

Neben der Gedenkstätte verfolgt der Bürgermeister auch ein zweites Projekt, das Geschichte und Folgen von Contergan thematisieren soll. Angedacht ist eine Dokumentation, die die Ereignisse aufarbeitet - ein Projekt, das auch beim Bundesverband ConterganGeschädigter mit Sitz in Köln „auf großes Interesse” stößt.
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