„Contergan”: Protest vor den Privat-Adressen

Von: eis
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Verlassen die Andreas-Kirche in Bergisch Gladbach, der Hungerstreik ist beendet: Stephan Nuding (Bild), eine weitere Contergangeschädigte und seine Mutter. Foto: dpa

Stolberg. Elf Tage, bevor erstmalig eine Zeitung über Schädigungen, die „Contergan” auf Ungeborene haben kann, berichtete, nahm die Mutter von Stephan Hafeneth das Beruhigungsmedikament. Der Aachener kam ohne Arme zur Welt, ein Bein ist stark verkürzt, weitere Folgeschäden sind trauriger Alltag.

Die Anerkennung und finanzielle Regulierung der Folgeschäden, die aus einer Contergan-Behinderung entstehen, sind zentraler Bestandteil einer Forderung von insgesamt 8 Milliarden Euro mdes „Bundes Contergangeschädigter und Grünenthalopfer” (BCG).

Dieser hatte am Samstag unter dem Motto „Erfolg hat viele Gesichter” zum Auto-Konvoi aufgefordert. Der Aachener war einer von - laut Veranstalterangaben - 50 Teilnehmern, verteilt auf 32 Fahrzeuge, beim Auto-Konvoi, die sich vor den Privathäusern der Gesellschafter von Grünenthal sowie Dalli/Mäurer+Wirtz postiert hatten.

Bislang versammelten sich die Betroffenen vor den Werktoren - mit ihrer Vorgehensweise wollen sie ihrer Forderung Nachdruck verleihen. Moralisch Bedenken haben sie dabei nicht: „Diese Leute verweigern uns und unseren Familien gegenüber jede Moral. Damit ist mir deren privater Raum auch egal”, sagte Hafeneth.

Für die Betroffenen sei „die Konfrontation mit den Verantwortlichen” und somit der Protest vor deren Häusern eine enorme Belastung - „und das nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch”, schilderte Andreas Meyer, Vorsitzender des BCG. „Es ist bitter, vor diesen Anwesen zu stehen, während die meisten von uns in Sozialbauten leben müssen. Viele von uns haben bei den Kundgebungen sehr persönliche Dinge gesagt. Es musste ´raus, was sich all die Jahre über angestaut hat”, erzählte Meyer.

Nachdem vier Wohnadressen der Familie Wirtz angesteuert worden sind, endete der Auto-Konvoi auf dem Kaiserplatz, wo in einem Zelt Suppe und heiße Getränke gereicht wurden. Der Kaiserplatz war aber auch Ort für die letzte der Kundgebungen: Betroffene versammelten sich vor dem Haus eines Gesellschafters, um ihre Forderungen lautstark publik zu machen.
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