„Cockerill Country”: Industriewelt in Szene gesetzt

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
Cockerills Welt in Szene geset
Cockerills Welt in Szene gesetzt: Im Museum Zinkhütter Hof zeigt Rolf Werner Fotografien aus Charleroi und Seraing. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Rolf Werner hat Cockerills Welt in Szene gesetzt. Eine Welt, die aus Arbeitersiedlungen, Schlackenhalden und Hüttenwerken besteht. Entdeckt und fotografiert hat der 57-jährige Rechtsanwalt die industriellen Hinterlassenschaften aber nicht in Stolberg.

Die Bilder entstanden in den belgischen Orten Seraing und Charleroi, wo die Cockerills in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ebenfalls unternehmerisch tätig waren. Das Ergebnis der im Zeitraum zwischen 2007 und 2011 unternommen Fototouren - 43 großformatige Schwarz-Weiß-Werke - präsentiert Werner ab Freitag im Museum Zinkhütter Hof.

Der Rechtsanwalt, der als Fotograf ein Autodidakt ist, hat sich von dem morbiden Charme der an der Maas und der Sambre gelegenen Industrielandschaften begeistern lassen. Eine Atmosphäre, die von Verfall und Niedergang einst blühender Industriebetriebe gekennzeichnet ist. Diese Stimmungen hat Werner mit seiner Kamera eingefangen und dokumentiert. So sind im Zinkhütter Hof Bilder zu sehen, die von großen Kontrasten und Gegensätzen sowie geradezu mystischen Schattenwirkungen geprägt sind. Nach seiner Motivation gefragt, antwortet der 57-Jährige: „Im Vordergrund stand die Dokumentation des Gegebenen.

Reiz der sterbenden Landschaften

Eine wesentliche Rolle gespielt hat aber auch der Reiz, der von sterbenden Industrielandschaften ausgeht.” Wie Werner versichert, der als Sohn eines Kupferstädter Architekten auch eine Vorliebe für Architektur hat, sollen seine Bilder auch eine Erinnerung an Stolberger Situationen der 1950er und 1960er Jahre darstellen. Situationen, die von großen Schlackenhalden, heruntergekommenen Arbeitersiedlungen und Industriebetrieben markiert wurden, die durch ihre Umweltproblematik von sich reden machten. Dass Werner seine in Belgien entstandenen Bilder ausgerechnet in Stolberg zeigt, liegt auch an der industriellen Vergangenheit der Kupferstadt.

Denn die Cockerills gründeten nicht nur in Seraing bei Lüttich und Charleroi Hüttenwerke, sondern errichteten auch in dem damals zur Gemeinde Büsbach gehörenden Ort Münsterbusch Industriebetriebe. So erwarb 1825 der in England geborene James Cockerill in Münsterbusch die Bergbaurechte. 1837 gründete sein Bruder John Cockerill in unmittelbarer Nähe der Steinkohlengrube eine Zinkhütte, die als St. Heinrichs-Hütte erst 1967 ihren Betrieb einstellte.

Eine Cockerillsche Gründung ist auch die nach den englischen Industriellen benannte „Cockerillstraße”, die in den 1830er Jahren angelegt, ursprüngliche ein Transportweg für Kohle, Rohstoffe und Fertigprodukte darstellte. Den Cockerills zugeschrieben wird auch die Entstehung des Museum Zinkhütter Hof, wo die Werner-Fotografien bis zum 23. Oktober gezeigt werden. Historische Forschungen belegen aber, dass nicht James Cockerill in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts das ursprünglich als Glashütte genutzte Gebäude erbaut hat, sondern der Glashersteller Peter Krings.

Austellung bis 23. Oktober

Gezeigt wird die von Rolf Werner erstellte Fotoschau, die den Titel trägt „Cockerill Country”, bis zum 23. Oktober im Zinkhütter Hof, Cockerillstraße 90. Die Vernissage ist am Freitag, 9. September, um 19 Uhr.

Geöffnet ist das Museum von dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert