Stolberg - Claudia Schütze: Die junge Generation für Politik sensibilisieren

Claudia Schütze: Die junge Generation für Politik sensibilisieren

Von: Lukas Franzen
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Claudia

Stolberg. Bei der Jugendorganisation der FDP, den Jungen Liberalen („Julis“), lernte Claudia Schütze früh sich durchzusetzen. Seit zwei Wochen führt die 23-Jährige nicht nur die „Julis“ Aachen-Land, sondern auch die Stolberger Freidemokraten als ihre Vorsitzende an.

Schlagkräftige Argumente benötigt die Taekwondo-Kämpferin jetzt auch im Kommunalwahlkampf. Im Interview spricht die junge Ratskandidatin über die Chancen und den Zustand der Partei, ihre politischen Ziele und die neue Rolle als „außerparlamentarische Opposition“.

Wie oft mussten Sie sich nach der Bundestagswahlschlappe schon Spott über ihre FDP-Mitgliedschaft anhören?

Schütze: Den musste ich mir wirklich schon das ein oder andere Mal anhören. Allerdings hatte man es als FDP-Mitglied vorher ja auch schon nicht leicht. Nach der Bundestagswahl gab es aber auch Zuspruch und wir hatten sogar Neueintritte zu verzeichnen. Zum Beispiel ist mein Stellvertreter Jens Greeb erst nach der Bundestagswahl in die FDP eingetreten.

Im Januar 2013 haben Sie auf die Frage nach den Ursachen des Umfragetiefs Ihrer Partei geantwortet, dass die FDP ein Kommunikationsproblem habe. Hat sich daran schon etwas geändert?

Schütze: Es ist nach dem „Denkzettel“ der Bundestagswahl nicht einfacher geworden, unsere Themen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, da die Partei weniger in den Medien präsent ist. Wir sind jetzt außerparlamentarische Opposition. Speziell in Stolberg haben wir nach den Vorstandswahlen aber ein neues motiviertes Team zusammengestellt, das etwas bewegen will.

Hat die FDP nicht auch ein programmatisches Problem? Viele Bürgerinnen und Bürger reduzieren das „Liberale“ in ihrer Partei doch nach wie vor auf die Wirtschaftspolitik und nicht auf sozialliberale Ideen wie die Verteidigung der Bürgerrechte, die Ihre Partei einst stark gemacht hat.

Schütze: Ich glaube schon, dass die FDP vielen Menschen als Stimme im Bund fehlt. Bei Themen wie der NSA-Affäre oder der Vorratsdatenspeicherung, die ganz aktuell auf europäischer Ebene gekippt worden ist, fragen sie sich: Was passiert mit meinen Daten und wie ist es um meine Freiheit bestellt?

„Wer hätte gedacht, dass wir mal die Ideale der 68er verteidigen müssen“, ist in einer aktuellen Kampagne ihrer Jugendorganisation, den „Julis“, zu lesen. Das müssen sie mir erklären.

Schütze: Es geht um den Freiheitsgedanken, der auch von der Studentenbewegung der 68er vertreten worden ist. Die Internetüberwachung ist ein Beispiel dafür, dass es unsere bürgerlichen Freiheiten nach wie vor zu verteidigen gilt.

Hätte es Ihrer Partei als selbst ernannte „neue APO“ nicht gut zu Gesicht gestanden, am vergangen Samstag ein Zeichen gegen rechte Umtriebe in der Kupferstadt zu setzen? Im Gegensatz zu CDU, SPD, Grünen und Linkspartei suchte man einen „gelben“ Informationsstand auf dem Kaiserplatz vergebens.

Schütze: Es ist wirklich schade, dass meine Partei dort nicht mit einem Stand vertreten war – eine verpasste Chance. Da ich zu diesem Zeitpunkt nicht in Deutschland war, konnte ich selber leider nicht dabei sein.

Warum engagieren Sie sich seit 2008 politisch? Was treibt Sie an?

Schütze: In der Politik geht es auch um meine eigene Zukunft, die ich mitgestalten möchte. Man kann nicht immer „ist mir doch egal“ sagen und sollte stattdessen selber Verantwortung übernehmen.

Sie zählen zu den jüngsten Ratskandidatinnen bei der Kommunalwahl. Aber auch die politische Konkurrenz, zum Beispiel CDU oder Grüne, haben sich bei ihrer Listenzusammensetzung deutlich verjüngt. Findet gerade ein Generationenwechsel in der Stolberger Kommunalpolitik statt?

Schütze: Soweit ist es noch nicht gekommen. Um eine echte Chance zu bekommen, müssen die älteren, erfahreneren Parteifreunde an einen glauben. Da ist immer noch viel Durchsetzungsvermögen gefragt.

Sie haben die Stolberger „Julis“ angeführt und sind jetzt Vorsitzende der Kupferstädter FDP. Welche Ziele haben Sie sich für Ihre erste Amtszeit gesteckt?

Schütze: Neben der Fraktionsarbeit im Stadtrat hat die Partei noch weitere Aufgaben, die es stärker zu fördern gilt. Ich möchte das Parteileben, zum Beispiel durch Stammtische, stärken. So wird neuer Input erzeugt, der die Aufmerksamkeit und Attraktivität der Partei vor Ort erhöht. Außerdem würden wir dieses Jahr gerne wieder ein Sommerfest realisieren.

Wie bekommen Sie Politik und Studium unter einen Hut?

Schütze: Das geht eigentlich ganz gut, auch wenn die Partei in den letzten Wochen wegen meiner Klausurphase ein wenig kürzer treten musste. Oft treffen wir uns zu Besprechungen auch in Aachen. Das entlastet schon ungemein.

Auf der Reserveliste der FDP stehen Sie bei der Kommunalwahl „nur“ auf dem vierten Platz. Um im neuen Stadtrat einen Sitz zu ergattern, müssten sie in etwa ein Wahlergebnis wie 2009, also 8,9 Prozent, erreichen. Ist das realistisch?

Schütze: Ob das zu schaffen ist, weiß ich nicht. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn es klappt und werde mein Bestes im Wahlkampf geben. Immerhin lagen wir mit unserem Bundestagswahlergebnis in Stolberg auch leicht über dem Bundesdurchschnitt.

Sie stellen sich im Stimmbezirk 20 auf der Liester zur Wahl. 2009 entfielen dort rund sieben Prozent auf die Liberalen. Wie lautet ihr persönliches Wunschergebnis am 25. Mai?

Schütze: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Sieben bis acht Prozent wären natürlich ein tolles Ergebnis. Aber mir ist es wichtiger, als motivierte Kandidatin ernst genommen und nicht als jung und naiv abgestempelt zu werden.

Gemessen am Nichtwähleranteil ist das politische Desinteresse bei der Wählergruppe der 18- bis 30-Jährigen am größten – darauf deuten zumindest unterschiedliche Studien, etwa von der Konrad-Adenauer-Stiftung, hin. Warum machen bis zu 40 Prozent ihrer Generation nicht mehr von ihrem Bürgerrecht Gebrauch?

Schütze: Es ist wirklich schrecklich, dass sich so viele junge Leute nicht mehr für politische Fragen interessieren. Selbst in meinem Freundeskreis muss ich immer wieder darüber diskutieren, warum es sich lohnt zur Wahl zu gehen. Ich glaube, dass Politiker oft an den Menschen vorbei diskutieren und wir noch klarer kommunizieren müssen, wie wichtig es ist, ein politisches Interesse zu entwickeln. Aber politische Bildung findet auch in den Schulen statt.

Warum sollten junge Wähler bei der anstehenden Kommunalwahl den Stolberger Freidemokraten ihre Stimme geben?

Schütze: Die Verschuldung der Kommunen hat nicht nur Folgen für die kommenden Generationen. Sie schränkt uns ganz aktuell auch schon in unseren Handlungsmöglichkeiten ein. Deswegen wollen wir den Schuldenabbau auch in Stolberg weiter vorantreiben.

Mit welchen weiteren Kernthemen wollen Sie bei den Wählerinnen und Wählern punkten?

Schütze: Wir setzen uns dafür ein, dass ein landespolitisches Thema wie die Inklusion vor Ort sinnvoll umgesetzt wird. Die Inklusion darf nicht zulasten der Kinder gehen und das Angebot spezieller Förderschulen muss ebenfalls erhalten bleiben. Ein weiteres Thema ist der Bürokratieabbau in der Verwaltung. Diese sollte vor allem für die Bürgerinnen und Bürger da sein und nicht für sich selbst. Hier müssen wir uns fragen, ob die Verwaltung nicht schlanker gestaltet werden kann. Drittens setzen wir uns für ein sinnvolles Energiekonzept ein. Windräder sollten nicht planlos in die Landschaft gesetzt werden, vor allem nicht in Erholungsgebieten wie dem Wald.

Gehen ihre politischen Ambitionen über die Kommune hinaus?

Schütze: Reizen würde mich das schon. Schließlich werden auf Landes- oder Bundesebene noch viel weitreichendere politische Entscheidungen getroffen. Aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich diesen Schritt wirklich gehen möchte.

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