Classic-Trial: Gressenicher Club stellt vier Europameister

Von: Dirk Müller
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Balance und Geschicklichkeit sind Trumpf beim finalen Lauf des Eurocups im Rahmen des Classic-Trials in Gressenich. Foto: D. Müller

Stolberg-Gressenich. Der Geruch von Benzin und Zweitaktgemisch liegt über dem Kalvarienberg, Motoren knattern, und das Gewusel im Wald gleicht einem Ameisenhaufen.

Mehr als 100 Fahrer aus sieben Nationen, rund 35 Punktrichter und Helfer sowie zahlreiche Zuschauer tummeln sich auf dem Gelände der Motorrad-Sport-Interessengemeinschaft Gressenich (MSIG), die zu einem zweitägigen Classic-Trial eingeladen hat. In acht abgesteckten Sektionen messen sich die Solofahrer der verschiedenen Klassen, die Gespanne, also Motorräder mit Beiwagen, kämpfen auf sechs Sektionen mit engen Kurven und steilen Auf- und Abfahrten in dem eigentlich unwegsamen Gelände.

Während der zweite Tag ein „Trial just for Fun” ist, geht es heute für viele Fahrer „um die Wurst” - der Finallauf des Eurocups, der Europameisterschaft der Classic-Trial-Fahrer, steht an, und es verspricht spannend zu werden: Die Belgier Eddy Zels und Bob Ryckaert gehen nach dem fünften Lauf im englischen Chalford punktgleich in den Wettbewerb der Klasse „Pre 65 Unit”, der Trial-Maschinen, die vor 1965 gebaut wurden und bei denen Motor und Getriebe eine Einheit bilden (englisch: Unit). Zels schafft es, schon in der ersten von vier Runden durch die Sektionen, mit dem Fuß nicht den Boden zu berühren, seine Maschine geht nicht aus und hält nur mit den Reifen Kontakt zum unebenen Untergrund.

Ryckaert hingegen fährt fünf Strafpunkte in den acht Sektionen ein. In den folgenden zwei Durchgängen hält er die Spannung aufrecht, stellt nur je zweimal einen Fuß auf den Waldboden. Die letzte Runde bringt die Entscheidung: Ryckaert kassiert sechs Strafpunkte, Zels nur einen und wird Classic-Trial-Europameister. Bei den Zweitaktern gewinnt mit Michel Debucquoy ein weiterer Belgier den Eurocup, und der Brite Steve Martin siegt in der „Twinshock”-Klasse der Maschinen mit zwei Stoßdämpfern am Hinterrad.

In der Klasse „Pre 65 Pre-Unit” (Motor und Getriebe sind getrennt) setzt sich Bernd Sattler durch, und auch andere deutsche Teilnehmer profitieren von den optimalen Bedingungen auf dem Gressenicher Kalvarienberg. „Ein paar Regentropfen machen uns nichts aus, viel wichtiger ist die Konsistenz des Bodens. Heute ist er weder zu trocken, noch zu schlammig, so dass die Reifen bestmöglichen Grip haben, also richtig gut greifen”, erklärt Bernd Kreutz senior, Geschäftsführer der MSIG.

Chancen genutzt

Sein Blick schweift zu den Sektionen, in denen die Gespann-Teams das Gelände zu bezwingen versuchen. Beinahe so konzentriert wie die Aktiven selbst mit viel Geschicklichkeit und Balance zu Werke gehen, beobachtet Kreutz, wie die zwei Sportler auf drei Rädern die Sektionen meistern - aus gutem Grund, denn für vier Mitglieder der MSIG besteht die realistische Chance, Europameistertitel nach Gressenich zu holen. Tom Grossmann und Ralf Büttgen sammeln zwar 19 Strafpunkte, doch der zweite Rang genügt ihnen, um am Ende aller sechs Läufe des Eurocups bei den Classic-Gespannen ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.

Spannende Finalläufe

Noch spannender machen es Hans-Werner und Christiane Bauss, die mit ihrem modernen Gespann ganze 45 Strafpunkte verbuchen. Was nach viel klingt, konnten sich die Sportler aber erlauben, denn dank ihres Vorsprungs gewinnen auch diese beiden Mitglieder der MSIG die Europameisterschaft in ihrer Klasse. Bernd Kreutz senior strahlt: „Ein gelungener Wettbewerb und vier Europameister aus unserem Verein - was will man mehr!”

Der Dank des Geschäftsführers der MSIG gehe aber nicht nur in die Richtung der erfolgreichen Aktiven: „Eine sportliche Großveranstaltung wie diese können wir nur mit vielen Helfern umsetzen. Die Vereinsmitglieder, die modernes Trial betreiben, sind zwei Tage lang als Punktrichter oder im Ausschank und der Küche im Einsatz.”

Modernes Trial am 28. Oktober

Am Sonntag, 28. Oktober, würden die Rollen getauscht werden. „Dann helfen die Classic-Trial-Fahrer, wenn auf modernen Maschinen um den Westdeutschen Trial-Pokal gefahren wird.” Die Trial-Motorräder, die dann in Gressenich an den Start gehen, seien leichtere Maschinen und vor allem mit wesentlich besseren Fahrwerken ausgestattet: „Die Monodämpfer an den Hinterrädern der modernen Maschinen tragen enorm dazu bei, dass es noch ein bis zwei Nummern spektakulärer zugeht.”

Ausgediente Traktorenreifen, künstlich angelegte Trassen und Stufen aus dicken Baumstämmen machen Ende Oktober die Parcours aus, denen die Classic-Trial-Motorräder technisch nicht gewachsen sind. „Für die Zuschauer ist das moderne Trial sicher noch attraktiver als die Classic-Variante”, meint Kreutz. Nicht so jedoch für alle Fahrer. Seinem Trial-Oldtimer treu bleibt auf jeden Fall George Greenland aus dem englischen Salisbury.

Seit 15 Jahren tritt er in Gressenich beim Classic-Trial an, zählt mittlerweile 80 Lenze und liebt seine alte Maschine sowie das echte Naturgelände. Er ist der älteste Aktive auf dem Kalvarienberg. „Die jüngsten Sportler sind gerade einmal zwölf Jahre alt, und Mädchen wie Frauen sorgen hier nicht nur auf den Beiwagen der Gespanne für Balance, einige fahren auch selbst”, freut Kreutz sich über die Bandbreite der aktiven Classic-Trial-Freunde.

Ergebnisse und nächster Trial in Gressenich

Alle Ergebnisse der beiden Trial-Tage in Gressenich und der Endstand des Eurocups veröffentlicht die MSIG auf ihrer Internetseite: http://www.msig-gressenich.de

Den Wettbewerb um den Westdeutschen Trial-Pokal (WPT) richtet die MSIG am Sonntag, 28. Oktober, ab 10.30 Uhr auf dem Vereinsgelände Kalvarienberg aus.

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