Churchill Laackmann aus Nigeria findet in Stolberg qualifizierte Arbeit

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
churchill-bu
Bilden ein gutes Team: Runtec-Inhaber Michael Baumann (v.l.), Sekretärin Sylvia Samens, die sich gerade zu Anfang sehr um Churchill Laackmann gekümmert hat, und Laackmann selbst. Foto: Kolja Linden

Stolberg. Gerade ist er aus Dänemark zurück, da muss er auch gleich schon wieder los. Churchill Laackmann ist viel unterwegs in seinem Beruf, er betreut mehrere Projekte gleichzeitig und bewahrt doch immer die Ruhe. Glaubt man seinem Chef, dann arbeitet Churchill Laackmann so, als habe er nie etwas anderes gemacht.

In Wahrheit hat er immer etwas anderes gemacht. In den vergangenen Jahren musste sich der heute 55-Jährige mit Hilfsarbeiterjobs durchschschlagen, als Kurierfahrer, Gabelstaplerfahrer. Wenn es sein musste, hat er auch geputzt.

„In meiner eigentlichen Berufung gab es einfach nichts”, sagt Laackmann. Zuletzt war er zwei Jahre lang arbeitslos. Das ist für niemanden einfach, erst recht nicht für einen Familienvater mit vier Kindern, noch weniger für jemanden, der so gut ausgebildet ist, wie Laackmann.

Master in Biochemie

Churchill Laackmann ist Nigerianer mit deutschen Wurzeln. Sein Großvater war ein Kaufmann aus Hamburg, ihn hat der Enkel aber nie kennengelernt. In seiner afrikanischen Heimat ist er zur Schule gegangen, sein Studium in Biochemie an der Universität von Benin hat er mit dem Master abgeschlossen.

Bevor Churchill Laackmann 1989 nach Deutschland kam, hat er in Nigeria als Lehrer gearbeitet. Nebenher hat sich der gläubige Christ für den pastoralen Dienst ausbilden lassen und war als Prediger unterwegs.

Auch in Deutschland predigt er - jeden Sonntag in der Triumphant Ministries International Church, die ihre Gottesdienste in der Kirche der Vineyard-Gemeinde an der Liebigstraße in Aachen abhält. Seine Frau und die vier Kinder, die in Aachen zur Schule gehen, sind dann immer dabei. Der Glaube an Gott gab und gibt ihm Kraft - Kraft die er brauchte für eine schwere Zeit.

Drei Jahre arbeitete Churchill Laackmann als Chemielehrer für die amerikanische Armee in Geilenkirchen, Wiesbaden und an niederländischen Standorten. Anders als deutsche Firmen hatten die Amerikaner seinen Universitätsabschluss anerkannt.

Doch 1992 verließ die Armee Deutschland, und für Laackmann begann die Zeit, in der er sich von Hilfsjob zu Hilfsjob durchschlug, bis er arbeitslos wurde.

Es war der Tiefpunkt, doch von heute aus betrachtet war die Zeit der Arbeitslosigkeit vielleicht sogar ein Glücksfall - für ihn und für seinen jetzigen Arbeitgeber, die Stolberger Firma Runtec. Denn so kam Laackman in das Programm „Perspektive 50+”, eine Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Und darüber wurde er schließlich Michael Baumann empfohlen. Der Inhaber von Runtec erinnert sich: „Wir suchten dringend jemanden, der perfekt englisch konnte.” Churchill Laackmann stellte sich vor, doch zunächst überwog die Zurückhaltung auf beiden Seiten. „Wir waren skeptisch”, gibt Baumann unumwunden zu.

„Viele Hilfsarbeiterjobs, unqualifizierte Tätigkeiten, zuletzt arbeitslos.” Das war nicht gerade der Lebenslauf, den man sich bei Runtec vorstellte. Und auch Laackmann machte sich nach zahlreichen Rückschlägen, die er zuvor erlebt hatte, wenig Hoffnung.

„Der Mann ist Wahnsinn”

Irgendwas aber hatte der Bewerber, es war so eine bestimmte Ausstrahlung. Also schlug Baumann ein - zu seinem Glück. „Der Mann ist Wahnsinn”, sagt er heute. „Er strahlt eine enorme Ruhe aus und kommt bei den Kunden gut an. Manchmal müssen wir ihn regelrecht bremsen.”

Doch die Firma, die im DLZ an der Cockerillstraße sitzt und Dienstleistungen für Industrieunternehmen, vor allem in der Qualitätskontrolle anbietet, profitiert noch auf einem anderen Wege von Laackmanns Anwesenheit. „Wir sprechen hier englisch mit ihm”, erklärt Baumann. Davon profitierten alle, auch die, die es nicht so gut können. „Churchill ist hochqualifiziert”, schwärmt der Chef weiter, „und hat für uns schon neue Kunden gewonnen.”

Und Baumann einen neuen Freund. Die beiden verstehen sich nämlich auch menschlich gut. Als Baumann kürzlich krank war, rief Laackmann ihn an, sprach am Telefon ein Gebet. Bald gehen die beiden Familien alle miteinander essen. Bald, wenn Churchill Laackmann mal nicht unterwegs ist.

„Das Reisen ist manchmal hart”, sagt er und lächelt. „Aber mir macht es Spaß, und wenn die Arbeit Spaß macht, dann gibt es auch kein Problem.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert