Stolberg - Christian Altena ist der neue Leiter des Stadtarchivs

Christian Altena ist der neue Leiter des Stadtarchivs

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
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Herr der Akten, Bücher und Dokumente: Archivleiter Christian Altena sichtet im Magazin des Stadtarchivs in Buchform wiedergegebene alte Gesetzestexte. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Die Vermittlung von lebendiger und spannender Geschichte ist dem Historiker eine Herzensangelegenheit. Den Stolbergern hat er sein historisches Engagement schon durch verschiedene Veröffentlichungen, als Gästeführer, durch Vorträge und Veranstaltungen wie beispielsweise die Gedenkfeier anlässlich des 100. Todestages von Burgretter Moritz Kraus gezeigt.

Der Stadtarchivar spricht über Aufgaben und Ziele des im alten Rathaus beheimateten Archivs.

Was sind eigentlich die Aufgaben eines Stadtarchivs?

Altena: Die Aufgaben des Stadtarchivs als ein Kommunalarchiv werden durch das NRW-Landesarchivgesetz umschrieben. Das Kommunalarchiv ist praktisch in zwei Teile gegliedert: zum einen in ein Verwaltungsarchiv und zum anderen in ein Historisches Archiv. Für die Verwaltung werden Akten und Dokumente vorübergehend oder dauerhaft aufbewahrt, die für die aktuelle und zukünftige Verwaltungsarbeit von Bedeutung sind und nach dem Archivgesetz aufbewahrt werden müssen. Im Historischen Archiv werden unter anderem wichtige Unterlagen der Verwaltung, Bücher, historische Bilder, Karten und Pläne sowie Nachlässe und Sammlungen der Bürger aufbewahrt, die für die stadthistorische Forschung wichtig sind.

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus? Wie muss man sich die Tätigkeit eines Archivars vorstellen?

Altena: Zu meinen Aufgaben gehören unter anderem das interne Verleihen von Verwaltungsakten, das Überführen von Akten ins Zwischenarchiv und das Vernichten von Akten. Denn nur ein geringer Teil der Verwaltungsvorgänge ist dauerhaft archivwürdig. Des weiteren kümmere ich mich um die Anfragen von Forschern und Wissenschaftlern, gewähre ihnen vor Ort Akteneinsicht und versuche sie mit meinem historischen Fachwissen zu unterstützen. Außerdem bin ich derzeit damit beschäftigt, Konzepte zu erstellen, die das Archiv noch moderner und benutzerfreundlich machen sollen.

Ist das Archiv auch für Bürger zugänglich? Oder haben dort nur Historiker und Verwaltungsmitarbeiter Zutritt?

Altena: Grundsätzlich hat jeder Bürger Zugang zum Archiv - nicht zu verwechseln mit dem Magazin, zu dem nur befugtes Personal Zutritt hat. Allerdings muss ein berechtigtes Interesse beziehungsweise eine konkrete Fragestellung vorhanden sein, um eine sinnvolle Recherche zu ermöglichen. Dabei ist natürlich der Datenschutz zu beachten: Personenbezogene und andere geschützte Daten dürfen nicht herausgegeben werden. Jeder kann also eine Anfrage stellen. Das Ausheben der Archivalien oder eine Auskunft brauchen aber eine gewisse Bearbeitungszeit.

Gibt es regelmäßige Öffnungszeiten? Kann das Archiv auch spontan aufgesucht werden? Was muss man beachten?

Altena: Grundsätzlich ist das Archiv per Telefon oder per E-Mail zu erreichen und kann auch persönlich aufgesucht werden. Aus organisatorischen Gründen ist eine spontane und sofortige Akteneinsicht nicht möglich. Dafür ist es notwendig, im Vorfeld einen Termin auszumachen. Fragesteller werden in jedem Fall zuvor von mir fachlich beraten, was man zu den betreffenden Themen im Archiv findet oder nicht findet. Für die Zukunft sind aber an ein oder zwei Tagen regelmäßige Besuchszeiten mit intensiven Betreuungsmöglichkeiten geplant. Auf­wendige Dienstleistungen können auch kostenpflichtig sein. Aber grundsätzlich möchten wir das Archiv so benutzerfreundlich wie möglich organisieren.

Sie sprechen gerade die Benutzerfreundlichkeit an. Gehört dazu nicht auch ein Leseraum?

Altena: Ja. Geplant ist die Umwidmung eines Büroraumes in einen Leseraum mit Arbeitsplätzen und einer Archivbibliothek. Dort können dann Archivalien und Fachliteratur eingesehen und studiert werden. Es versteht sich von selbst, dass Archivalien nicht ausgeliehen werden dürfen. Das Stadtarchiv soll eine Anlaufstelle für alle Bürger sein, die lokalhistorisch interessiert sind und weitere Informationen oder wissenschaftliche Beratung benötigen. Dazu gehört, dass man nicht nur alte Akten einsehen kann, sondern auch auf Bücher und andere schriftliche Veröffentlichungen zugreifen kann, die die Geschichte der Stadt oder andere Aspekte darstellen.

Sind weitere Veränderungen geplant? Wie sieht es mit dem Einsatz neuer Medien aus?

Altena: Wir planen das Internet-Angebot des Stadtarchivs weiter auszubauen und auch die Findbücher online verfügbar zu machen. Damit wollen wir die Recherche von zu Hause aus ermöglichen. Das heißt aber nicht, dass jetzt die Bestände des Archivs digitalisiert werden. Das ist sehr aufwendig und mit hohen Kosten verbunden. Die Präsenz des Stadtarchivs wird demnächst in den sozialen Netzwerken auf Aktivitäten des Archivs hinweisen oder besondere Archivalien vorstellen.

Andere Archive veranstalten regelmäßig Ausstellungen und Vorträge. Ist das auch für das Stolberger Archiv geplant?

Altena: Ja. Wie schon beim ­Volks­­­trauertag im November geschehen, sollen in Zukunft ­be­stimmte Anlässe genutzt werden­, um durch Ausstellungen und Vor­träge den Bürgern die Geschich­te Stolbergs und die Arbeit des Stadtarchivs näher zu bringen. Also wird es immer wieder Ausstellungen und Archivführungen geben. Ich wünsche mir auch ein ­Fo­rum für Vorträge und andere Ak­ti­vitäten, die in Kooperation mit anderen Akteuren möglich wären. Da besteht noch viel Potenzial ...

Also möchten Sie mehr Bürger er­rei­chen und für Geschichte interessieren?

Altena: Das ist unser erklärtes Ziel. Die eigene Stadtgeschichte ist nicht nur spannend, sondern wirkt auch identitätsstiftend. Dazu gehört natürlich, dass Geschichte lebendig gestaltet wird. So möchte ich noch mehr Interesse und ­Begeisterung für Stolbergs vielfältige­­ Geschichte wecken. Und dies soll in lebendigem Austausch ­ge­­­sche­­hen­: Als Archivar möchte ich auch mehr Historisches von den Stolbergern erhalten. Das Ar­chiv soll nicht nur Archivalien der Verwaltung sammeln, sondern auch­ Erinnerungen und Erinnerungsstücke der Bürger.

Sie sagten, das Archiv sammelt auch Erinnerungsstücke. Ist das als Aufruf zu verstehen?

Altena: Ja. Das Kommunalarchiv ist daran interessiert, historische Erbstücke oder stadthistorische Samm­lungen zu übernehmen. Mir ist bekannt, dass solche Stücke oft im Müll oder bei Händlern landen und damit für immer für die ­stadthistorische Forschung verloren­­ sind. Daher sind wir bestrebt, diese Sammlungen zu über­neh­men­ und die darin enthaltenen Dokumente und Fotos für kommen­de Generationen zu erhalten und zugänglich zu machen. Man darf allerdings keine finanzielle Gegenleistung erwarten. Anfang des Jahres erfolgt durch das Stadtarchiv ein entsprechender Aufruf.

Sind Sie als Stadtarchivar auch für das Restaurieren der Archivalien zuständig? Werden Exponate aufbereitet und nachbehandelt?

Altena: Das Archiv ist zu klein, um eine eigene Werkstatt zu unterhalten. Wenn etwas aufgearbeitet wer­den muss, geht das Material an externe Fachwerkstätten. Dafür braucht man natürlich finanzielle Mittel und Förderprogramme. Wir arbeiten an einer Optimierung der Aufbewahrung, da Vorsorge besser und vor allem günstiger ist als Nachsorge. Probleme bereitet das alte Papier. Schriftstücke des 19. und 20. Jahrhundert sind durch ihren Holzanteil überwiegend stark­­ säurehaltig und zerfallen dadurch regelrecht. Da muss man als Archivar aktiv werden.

Wie steht es um die Ausstattung des Archivs? Muss etwas verändert werden?

Altena: Das Archiv ist grund­sätzlich, was Räumlichkeiten und Personalbestand angeht, für eine Kommune unserer Größen­ord­nung­ gut aufgestellt. Trotzdem gibt es natürlich Weiterent­wick­lungsbedarf. Denn unser Archiv ist in die Jahre gekommen. Immerhin wurde es vor rund 40 Jahren ­aufgebaut und eingerichtet. Um auch in Zukunft der ­Aufgabe als historisches Kompetenzzentrum der Bürger gerecht zu werden, gibt es Überlegungen, das Historische Archiv räumlich ­auszulagern. ­Für 2016 steht erstmal die Moder­nisierung auf dem Programm.

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