Christen und Moslems gehen aufeinander zu

Von: Jürgen Lange
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Der Orkan Anfang Juli hatte es vom Dach gefegt: Am Mittwoch wurde das Kreuz wieder auf dem Turm von St. Lucia aufgerichtet. Foto: D: Schlachter Foto: Schlachter

Stolberg. Während seit Mittwoch das Kreuz an der Spitze des Kirchturms der Pfarrkirche St. Lucia hoch über der Altstadt wieder ein strahlendes Zeugnis des Christentums in der Kufperstadt ist, werden Freitagabend Katholiken und Muslime in der Innenstadt einen ersten großen Schritt aufeinander zu machen.

Zum ersten Mal werden sich führende Vertreter der fusionierten Großgemeinde St. Lucia mit Vertretern der Moscheen und Kulturvereine in Stolberg zu einer Gesprächsrunde treffen. „Es ist ein informelles Gespräch, das zunächst einmal dem gegenseitigen Kennenlernen dient”, erklärte Wolfgang Weber auf Anfrage.

Denn wer sich besser kenne, könne auch den kleineren und größeren Problemen des Alltags besser begegnen. Neben dem kommissarischen Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates werden auch Vertreter des Kirchenvorstandes und Pastor Norbert Glasmacher an dem Treffen teilnehmen.

Auf Seiten des Islams werden Vertreter der Kulturvereine Dittib, IGMG und IBV, die Moscheen an der Rathaus-, Eschweilerstraße und Schneidmühle unterhalten, sowie der türkischen Mittelstandsvereinigung Side und des Integrationsrates teilnehmen.

Dessen Vorsitzenden Ahmet Ekin sowie den Side-Vorsitzenden und -Geschäftsführer Ahmet Yildiz und Hasan Sahin kennt Weber bereits persönlich von der engagierten Mitarbeit der türkischen Geschäftsleute im Rahmen der Gesellschaft für Stadtmarketing. So lag dann auch die Idee zu gemeinsamen Gesprächen auf kirchlicher Ebene so nahe wie die Gotteshäuser und Menschen in Stolberg zusammen stehen und leben.

Dass Nähe immer auch ein Konfliktpotenzial sein kann, ist beiden Seiten bewusst. Doch gründen solch unterschiedliche Auffassungen oft nur in fehlenden Informationen. Dazu hatte die Side bereits im Rahmen der letztjährigen Stadtparty zum Ausklang des Ramadan auf dem Mühlener Markt zu einem großen Zuckerfest angelegt, das breiten Zuspruch in der Bevölkerung fand.

Diesmal hat der islamische Fastenmonat Ramadan am 11.August begonnen und endet am 9.September mit dem dreitägigen Bayram-Fest, dem höchsten islamischen Feiertag. In dieser Zeit ist es üblich, das Fasten gemeinsam mit Verwandten, Freunden und Gästen zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs zu brechen.

Aus diesem Grund lädt der Verein Side Christen, Moslems und Angehörige anderer Religionen herzlich ein zu einem Fastenessen am Mittwoch, 8.September. Auch diesmal bietet das gemeinsame abendliche Fastenbrechen um 20.15 Uhr auf dem Kaiserplatz die Gelegenheit, bestehende Kontakte aufzufrischen und neue zu knüpfen.

Und vom Kaiserplatz ist es nicht weit zur Pfarrkirche St. Lucia, wo das goldene Turmkreuz schon vielen Stürmen getrotzt hatte. Der Orkan Anfang Juli riss das traditionsreiche Glaubenszeichen aus seiner Verankerung. Nach seiner Sanierung setzte es Zimmermeister Schneider wieder auf seinen angestammten Platz - auch ein Zeichen gemeinsamer Gespräche, des friedlichen Miteinanders von Katholiken und Moslems, von Glockengeläut und dem Ruf zum Freitagsgebet in der Innenstadt.
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