Stolberg - Chiara Rizza: Ein wahrer Ohrenschmaus im Rittersaal der Burg

Chiara Rizza: Ein wahrer Ohrenschmaus im Rittersaal der Burg

Von: Marie-Luise Otten
Letzte Aktualisierung:
9382105.jpg
Begeisterte das Publikum im Rittersaal der Stolberger Burg: die aus Sizilien stammende Pianstin Chiara Rizza. 1990 geboren, ist sie bereits in ihrem jungen Alter eine gefragte Musikerin in ganz Europa und Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe. Zu ihrem musikalischen Repertoire zählen unter anderem Komponisten wie Beethoven und Brahms. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. „New Generations Concerts“ heißt die neue Konzertreihe, die Florian Koltun deutschlandweit ins Leben gerufen hat. Wichtig ist ihm dabei, junge Künstler, die gerade ihr Musikstudium beendet oder einen internationalen Wettbewerb gewonnen haben, die Möglichkeit zu geben, ihr Können in einer intimen Atmosphäre zu beweisen, um Inspirationen für ihre berufliche Weiterentwicklung zu bekommen.

Das erste Konzert dieser Art gehörte Chiara Rizza, einer 1990 geborenen Pianistin aus Sizilien. Sie ist Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe und geht trotz ihres jungen Alters einer regen Konzerttätigkeit in Europa nach. Florian Koltun, selbst Pianist und Klavierlehrer, gab zu dem Programm von der Klassik bis zur Romantik kompetente Informationen zum Hintergrund der Kompositionen und stand in der Pause für Musikkenner zu einem Gespräch bereit. Und die Fans klassischer Musik wurden nicht enttäuscht. Denn der Abend im Rittersaal der Stolberger Burg wurde zu einem wahren Ohrenschmaus für die knapp dreißig Gäste, die trotz schlechten Wetters den Weg dorthin gefunden hatten.

Auftakt mit Beethoven

Chiara Rizza eröffnete den hochkarätigen Abend mit der „Klavier-Sonate Op.27, Nr. 1“ von Ludwig van Beethoven. Ein eher weniger bekanntes Stück, aber dennoch eine reizvolle und fesselnde Fantasie. Beethoven, der ganz Kind des Zeitalters der Französischen Revolution war, gilt als Vorreiter der romantischen Epoche. Er war schon in jungen Jahren als Improvisator am Klavier kompromisslos, ernst und entschlossen und berührte und erschütterte die Hörer gleichermaßen. Auf die miterlebte Geschichte reagierte er zwar empfindlich, aber sie beherrschte ihn nicht. Verglichen mit dem 14 Jahre älteren Mozart, der noch der barocken Ästhetik nahe stand, gehörte zu Beethovens geistiger Welt der Exzess, das Unerhörte und Ungeheure, der Aufstand gegen die Konvention, gegen das Maß und die Regel.

Als Klaviervirtuose gilt auch Frédéric Chopin, der in der Hochromantik seinen Platz gefunden hat. Viele Kompositionen sind stark von seiner Herkunft, von den rhythmischen und melodischen Eigenheiten der polnischen Volksmusik, geprägt. Er hat die zwölf Etüden Opus 10 Franz Liszt gewidmet und die wenige Jahre später erschienene zweite Reihe der Etüden des Opus 25 der Gräfin Marie d’Agoult, Liszts langjähriger Gefährtin. Jede einzelne Nummer behandelte eine technische Spezialität, die in so extremer, anspruchsvoller Form vorher in der Musikliteratur unbekannt war und für jeden Schüler eine Herausforderung darstellen.

Eleganz, Esprit, Temperament

Es war erstaunlich, wie leicht die junge Chiara Rizza die technischen Schwierigkeiten der Etüden „Nr. 7“ und „Nr. 11“ meisterte und die vertrackten Melodien zum Ausdruck brachte. Ihr Spiel hatte in jedem Takt Eleganz, Esprit, Witz und Temperament. Unter ihren Händen geriet auch das „Scherzo Nr. 3“ zu einer raffiniert ausgestalteten Komposition und ließ das reife Verständnis der jungen Künstlerin erkennen.

Der zweite Teil gehörte fast ausschließlich Johannes Brahms und seinen „Capricci“ und „Intermezzi“. Sie erreichen nicht alle die gleiche Wertstufe, gaben dem Hörer aber doch sympathische und vor allem musikalische Eindrücke auf das Lebenswerk eines genialen und einflussreichen Komponisten des 19. Jahrhunderts, der in allen musikalischen Gattungen zu Hause war.

Der lang anhaltende Beifall galt selbstverständlich der jungen italienischen Künstlerin, aber auch dem Veranstalter, der diese Reihe ins Leben gerufen hat.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert