„Checkpoint Ferdi“ am Eingang der Stadt

Von: Heike Eisenmenger
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„Checkpoint Ferdi“ : Bürgermeister Ferdi Gatzweiler nimmt die Betitelung der Heinrich-Heimes-Brücke mit Humor. Nicht jedoch die Sorgen und Nöte der Geschäftsleute, die hinter der Absperrung ihre Geschäfte haben. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Mühle. Mit Spitznamen ist das so eine Sache: Man bekommt sie schneller, als man denkt. Und meist ist es sehr schwer, sie wieder los zu werden. Seit die Heinrich-Heimes-Brücke auch für Pkw gesperrt ist, sind viele Geschäfte im Stadtteil Mühle vom Hauptverkehrsweg abgeschnitten.

Wegen der auffälligen Absperrung nennen viele Anwohner die Brücke schon: „Checkpoint Ferdi“ – in Anlehnung an den berühmten Berliner „Checkpoint Charlie“. Und weil Bürgermeister Ferdi Gatz-weiler vor einer leeren Stadtkasse steht, dürfte die Heinrich-Heimes-Brücke ihren Spitznamen auf unabsehbare Zeit behalten.

Die Sanierungsbedürftigkeit der Mühlener Brücke ist ein altes Thema. Bereits seit Jahren sucht die Stadt nach einer bezahlbaren Lösung. Fast wäre es zu einem Neubau gekommen, aber das Vorhaben scheiterte an der Unteren Wasserbehörde, die die Planung als nicht ausreichend für ein mögliches Jahrhunderthochwasser sah.

Um die Brücke zu entlasten, ist sie seit sechs Jahren tabu für Lastfahrzeuge mit mehr als zwölf Tonnen. Doch nun ist selbst die Belastung durch Autos ein Risiko, darum nun die beidseitige Vollsperrung. Sehr zum Leidwesen der angrenzen Einzelhändler, die jetzt nur noch über Umwege zu erreichen sind. Die Umsatzeinbußen seien zum Teil dramatisch. „Würde dieser Zustand nur einige Wochen oder drei, vier Monate dauern, könnten wir damit leben, aber die Stadt sagt, dass es Jahre dauern kann, bis etwas passiert“, erzählt Sinan Kilic.

„Ich verstehe, dass die Stadt finanziell am Boden ist, aber ich kann nicht nachvollziehen, dass für eine so wichtige Sanierung keine Gelder locker gemacht werden. Hier ist doch die Infrastruktur betroffen“, sagt der 29-Jährige. Die Stadt habe doch eine Verpflichtung, sie müsse dafür Sorge tragen, dass Geschäfte die Chance bekommen, hier zu überleben, wenn sie gute Arbeit leisten. „Nicht mal Umleitungsschilder gibt es. So halte ich keine sechs Monate mehr durch.“

Auch Teppichhändler Mehmet Yilmaz fühlt sich alleingelassen. „2007 habe ich mein Geschäft auf der Mühle eröffnet und alles reingesteckt, was ich besitze. Für mich ist das Ganze gleich doppelt schlimm, denn in Köln, wo ich mein zweites Teppichgeschäft betreibe, trennt mich auch eine Baustelle vom Verkehr ab. Damit habe ich in beiden Geschäften erhebliche Umsatzrückgänge.“ Die Stadt solle Umleitungsschilder an der Ecke zur Frankentalstraße und Birkengangstraße/Großes Rad und an der Heinrich-Heimes-Brücke aufstellen, fordert der junge Teppichhändler. „Doch so oder so kann es nicht sein, dass die Brücke jahrelang gesperrt bleibt.“

Keine Hoffnung, dass sich etwas ändert, hat die Schneiderin Sofia Theodordis (67 Jahre). „Was soll man da machen? Die anderen Geschäftsleute haben sich zusammengetan und einen Anwalt beauftragt, die Stadt Stolberg anzuschreiben, aber herausgekommen ist dabei nichts.“

Verschärft wird die Lage der Geschäfte durch die wenigen Parkplätze, die in diesen Bereich zur Verfügung stehen, zumal die städtischen Protokollschreiber hier sehr aktiv sind, was auch Sinn macht, weil Falschparker die schweren Lastwagen, die zu KME wollen, behindern.

Verärgert ist auch Imbissinhaber Mehmet Kara: „Laufkundschaft ist wichtig für mein Geschäft, aber so kommt doch kaum einer. Es ist ungerecht. Wenn ich Strom und Steuern bezahlen muss, kann ich doch auch nicht sagen: ‚Tut mir leid, ich habe kein Geld‘.“ Die Stadt aber dürfe das. Auch Kundin Katrin Leusch kann nicht verstehen, dass die Mühle so vernachlässigt werde. „Die Mühle ist das Eingangstor der Stadt. Wie mag das wohl wirken, wenn hier reihum die Geschäfte schließen?“

Auch die Verwaltung ist nicht glücklich mit der Situation. Die für einen Neubau geplanten Gelder mussten im Rahmen des Stärkungspaketes anderweitig eingesetzt werden. Auf Nachfrage unserer Zeitung jedoch wird das Thema erneut auf der Tagesordnung des Verwaltungsvorstandes stehen – am Dienstag wird über „Checkpoint Ferdi“ gesprochen. Eins kann Pressesprecherin Petra Jansen jetzt schon sagen: „Die wenig schönen Absperrgitter werden gegen Altstadtpoller ausgetauscht. Außerdem treffen wir uns nächste Woche mit der Hermann-Schule auf der Mühle, die die Brücke optisch verschönern sollen.“

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