Casting für „Gotthard“: Männer mit Bart stehen hoch im Kurs

Von: Dirk Müller
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Gregor Weber (vorne) von der Agentur Eick in seinem Element. Er koordinierte das Casting, an dem rund 300 Interessierte aus Stolberg und der Umgebung teilnahmen. Foto: D. Müller

Stolberg. Insgeheim träumt manch einer davon, vielleicht als Schauspieler entdeckt zu werden und eine Film-Karriere zu starten. Andere möchten einfach nur eine neue Erfahrung machen und einmal live dabei sein, wenn ein aufwendig produzierter Spielfilm entsteht.

So verwundert es nicht, dass knapp 300 Menschen aus Stolberg und Umgebung an dem Casting teilnahmen, bei dem Komparsen und Kleindarsteller für den Zweiteiler „Gotthard“ gesucht wurden.

Knapp zwei Wochen lang werden auch in der Kupferstadt Szenen für die internationale Koproduktion von ZDF, dem Schweizer (SRF) und dem Österreichischen Fernsehen (ORF) gedreht, die den Bau des Gotthard-Tunnels thematisiert. Ein kleines Bergdorf in der Schweiz im Jahre 1873 wird im November in Stolberg entstehen. Und dafür werden zahlreiche einheimische Dorfbewohner und Pferdeknechte sowie internationale Arbeiter benötigt, die als Bergmänner die damals größte Baustelle Europas vorantreiben.

Hierfür suchte die Agentur Eick zunächst einen geeigneten Ort, um das Casting abzuhalten. In Kooperation mit Kulturmanager Max Krieger wurde dieser mit dem Museum Zinkhütter Hof kurzfristig gefunden. „Es ist eine tolle Location. Nicht nur für unsere Zwecke, sondern überhaupt“, zeigte sich Gregor Weber von der Agentur Eick begeistert und stellte auch den Casting-Teilnehmern ein sehr gutes Zeugnis aus: „Die Menschen sind sehr freundlich. Das ist hier wirklich ein gutes Klima.“

Die ersten Interessenten standen schon gut 20 Minuten vor Beginn des Castings Schlange, doch gemessen an dem Andrang hielten sich die Wartezeiten in Grenzen, denn das Casting war bestens organisiert. Gruppenweise füllten Bewerber in einem Raum des Sandwich-Decks im Museum zunächst Fragebögen aus. Nachdem Name, Kontaktdaten, Körper-, Konfektions- und Schuhgröße hinterlegt waren, ging es in den nächsten Raum, in dem Fotos für die Kartei der Agentur geschossen wurden. Besonders reizvoll für die Teilnehmer: Wer für den Film „Gotthard“ nicht infrage kam, hat noch eine zweite Chance. Oder besser gesagt mehrere, denn die Agentur Eick sucht immer wieder für andere Produktionen Komparsen.

Andrea Kratz-Maurer nutzte jedoch ihre erste Chance und erhielt unmittelbar nach dem Casting die Zusage für den „Gotthard“-Dreh in Stolberg. „Mein Mann hat mich angerufen und mir gut zugeredet, dass ich teilnehmen soll“, berichtete sie. Das Kuriose: Ehemann Friedrich weilt zurzeit in Spanien und hatte auf der Internetseite unserer Zeitung von dem Casting gelesen und dann seine Frau in Stolberg angerufen.

Es war ein lohnenswertes Telefonat, denn Andrea Kratz-Maurer wird gleich für drei Drehtage engagiert, für die sie auch eine kleine Gage erhält. Außerdem spart sie bis dahin Geld für den Friseur, „denn ich soll meine Haare wachsen lassen und die Augenbrauen nicht zupfen.“ Für Männer wie Manfred Höhn aus Eschweiler gilt außerdem ein „Rasier-Stopp“. Kein Problem: „Ich trage meinen Bart seit 50 Jahren, da werde ich ihn jetzt auch nicht abrasieren.“ Schauspielerisch ist Höhn nicht ganz unbelastet: Einst spielte er Laientheater in der Stolberger Schauspielgruppe des Helene-Weber-Hauses. Höhn bekommt einen Termin für die Kostümprobe und wird sich an zwei Drehtagen bereithalten. Ort und Uhrzeiten erfährt er noch.

Einen Bart wachsen lassen muss sich Edilio Gonzalez nicht. Der ehemalige Stolberger Karnevalsprinz wird wohl nicht bei „Gotthard“ mitspielen, nahm dies aber mit Humor: „Ich bin nach wie vor bereit. Auch für größere Rollen. Wer Prinz kann, kann auch die Hauptrolle spielen“, sagte er scherzhaft. Wahrscheinlich einfach nur zu groß gewachsen ist Andreas Oedekoven, der trotzdem gerne an dem Casting teilgenommen hat: „Wenn so etwas schon in Stolberg stattfindet, will ich auch mein Glück versuchen. Es ist ja toll, wenn hier Filme gedreht werden. Aber dass bei dieser Produktion auch noch Stolberger mitspielen können, ist schon ganz besonders.“

Die meisten Casting-Teilnehmer gingen nach dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ vor. Doch „Nachzügler“ trafen noch bis kurz vor dem offiziellen Ende im Zinkhütter Hof ein. Etwa Manfred Sponsel, der als Nummer 278 des Castings noch engagiert wurde. Der große Pluspunkt des Dorffers war sein Bart. „Ich werde einen Fuhrhalter spielen“, berichtete Sponsel und freute sich wie viele Andere auf die Filmszenen „Made in Stolberg“. Das gilt auch für Regie-Assistentin Jessica Heftli, die das Casting als vollen Erfolg lobte: „Es waren viele interessierte und nette Menschen da, und wir haben zahlreiche gute Darsteller für die Dreharbeiten gefunden.“

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