Capella Aquisgrana spielt Interpretationen höfischer Musik

Von: Marie-Luise Otten
Letzte Aktualisierung:
6238897.jpg
Marga Wilden-Hüsgen (v.l.), Sabine Will, Ricarda Schumann, Hanne Bein-Kürten und Marlo Strauß begeisterten das Publikum im Rittersaal. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Fünf exzellente Interpreten der höfischen Musik des 16. und 17. Jahrhunderts aus England und Italien ließen im Rittersaal der Stolberger Burg eine außergewöhnliche Epoche stilgerecht aufleben. Das Ensemble Capella Aquisgrana mit Marga Wilden-Hüsgen, Sabine Will, Ricarda Schumann, Hanne Bein-Kürten und Marlo Strauß pflegte im Rahmen des Stolberger Musiksommers auf einer ungewöhnlichen Instrumentenkombination die Spielweise der „historischen Aufführungspraxis“.

Sanfte Klänge von mit Federkielen angeschlagenen Barockmandolinen, Barockgitarren und Mandolone waren zu hören, dazu kamen Traversflöte, Theorbe, Vihuela, Guitarro und Perkussion-Instrumente. In den ausgesuchten Stücken entspann sich ein feinsinniger Dialog der Instrumente und Tanzformen. Es war ein Genuss allerhöchster Güte für die Besucher.

Capella Aquisgrana spielte mit viel Schwung, Elan und großer Spielfreude. Prachtvolle italienische Barockmusik wechselte mit englischer Melancholie. Fein und kontrastreich hoben die Musiker die melodischen und motivischen Strukturen der dreisätzigen Sonate von Giuseppe Sammartini hervor.

In der Tanzmusik des italienischen Tanzmeisters Fabritio Caroso kam die Traversflöte hinzu, die Vorgängerin der heutigen, modernen Querflöte. Die weiteren Stücke im ersten Teil stammten aus der Feder englischer Komponisten, die vom Charakter her ernster und melancholischer sind.

Bravo-Rufe gab es für das Duo Ricarda Schumann (Traversflöte) und Marlo Strauß (Barockgitarre), die die „Sonate Nr. V“ von Roberto Valentini selbst für ihre Instrumente bearbeitet hatten und mit ihrem sinnlichen Zusammenspiel für verträumte Klänge sorgten. Musikalisches Vergnügen gab es vor der Pause dann noch mit beliebten englischen Balladen und Tänzen.

Die Theorbe, der Nachbau eines aus dem 16. Jahrhundert stammenden Originals, kam im zweiten Teil zum Einsatz. Sie ist mit 14 Saiten versehen und brachte eine zusätzliche Klangfarbe in die Musik, indem sie den Basso Continuo übernahm.

Blütezeit der englischen Musik

Das 16. und beginnende 17. Jahrhundert waren eine wahre Blütezeit der englischen Musik. Der virtuose Lautenist John Dowland war zunächst an vielen Höfen Europas engagiert, bis er endlich 1612 eine Anstellung am englischen Hof bekam.

Die oft ein wenig schwermütige Stimmung seiner Werke lässt die Sehnsucht nach seiner Heimat erkennen. Mit „Flow, my Tears“ gelang ihm seinerzeit ein Hit. Marga Wilden-Hüsgen und Marlo Strauß präsentierten dieses schwermütige Stück ausdrucksvoll und elegant auf Barockmandoline und Vihuela, dem Vorgänger der modernen Gitarre.

Das spanische Zupfinstrument mit ovalem Korpus und Holzwirbeln erlebte im 16. Jahrhundert seine Blütezeit und galt als die Königin der Instrumente.

Die Besucher im Rittersaal hatten ihre helle Freude an den fünf Musikern, die in bester italienischer Tanzmeister-Tradition so unerhört lebendig aufspielten. Zu der variablen Besetzung mit Quinterne (kleine Laute), Piccolo-Traversflöte und Mandolone kam ein variantenreiches Schlagwerk zum Einsatz, so dass die eigenen Bearbeitungen niemals eintönig erschienen.

Zu Recht gab es großen Beifall für diesen interessanten und spannenden Musikabend. Als Zugabe spielte Capella Aquisgrana drei kurze spanische Lieder.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert