Camp Astrid übernimmt „Filetstück” von der Bahn

Von: Jürgen Lange
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Das „Filetstück” des Gewerb
Das „Filetstück” des Gewerbegebietes Camp Astrid: Stolberg will sechs Hektar linkerhand der Bahnlinie zwischen Aachen und Köln von der DB übernehmen und entwickeln. Foto: J. Lange

Stolberg. Sie sind das eigentliche „Filetstück” des Gewerbegebiets Camp Astrid: Die sechs Hektar Flächen im Eigentum der Deutschen Bahn AG direkt an der Gleisstrecke von Köln nach Aachen gelegen.

Einst waren sie sogar mit einem eigenen Bahnanschluss an das überregionale Schienennetz angebunden und brachten Stolbergs Stadtväter beim Abzug der belgischen Truppen Anfang der 1990er Jahre auf die Idee, das Militärlager in ein Gewerbegebiet umzuwandeln.

Einst die „kleine Lösung”

Im Ringen mit dem Kölner Regierungspräsidenten Dr. Franz-Josef Antwerpes um die Realisierung des Projektes sollte sich die Stadt sogar auf dieses „Filetstück” des Camps beschränken. Im Schulterschluss der Parteien und Nachbarkommunen gelang es Stolberg jedoch, die kleine in eine große Lösung umzukehren.

Doch während heute oberhalb dieses Logistikumschlagplatzes rund 23 Hektar Gewerbefläche ebenso auf ansiedlungswillige Unternehmen wie auf einen Anschluss an die A 4 warten, ist das DB-Gelände noch immer nicht im städtischen Eigentum. In Besitz genommen haben lediglich Skater die zerfallenden Hallen, um sich in der Abgeschiedenheit des Propsteier Waldes zu treffen.

Das soll sich mit der Sitzung des Stadtrates am Dienstag ändern. Die Verwaltung empfiehlt ihm die Übernahme des Areals und seine weitere Entwicklung als Gewerbeflächen. Dies war bislang daran gescheitert, dass die DB zeitweise selbst das Gelände vermarkten wollte und im Rahmen ihrer Umstrukturierung sich Ansprechpartner und Strategien änderten. Mittlerweile ist die DB nicht mehr interessiert und seit November 2009 bereit, das „Filetstück” zum Nulltarif abzugeben.

Dass die städtische Camp Astrid GmbH & Co. KG das Sonderangebot noch nicht ergriffen hat, liegt in einem Dissenz mit der Oberen Wasserbehörde begründet. Während der Vorhalt, durch die Entsiegelung zu einer stärkeren Auswaschung der Vegla-Polder beizutragen, entkräftet wurde, bestehen unterschiedliche Ansichten zu einer Verrohrung alter Saubach-Zuflüsse am Fuße der Erschließungsbrücke. Im ärgerlichen Fall müsste die Stadt bis zu 20.000 Euro für eine Unterbindung der angeblichen Einleitung aufbringen.

Im schlimmsten Fall droht der Stadt jedoch, die gesamte Förderung für die Entwicklung des Gewerbegebietes in Höhe von 8,5 Millionen Euro zurückzahlen zu müssen. Dieser Fall könnte eintreten, wenn Stolberg die DB-Flächen bis zum Auslaufen des Förderbescheides zum Jahresende nicht übernimmt und die auf 2,16 Millionen Euro geschätzten Kosten für eine Umwandlung in Gewerbeflächen nicht in den Haushalt einstellt. Die Stadt muss noch 951.000 Euro Fördermittel abrufen.

Finanzierung gesichert

Vor dem Hintergrund hat der Aufsichtsrat der Camp Astrid GmbH & Co. KG einstimmig für die Übernahme der DB-Flächen plädiert, und Bürgermeister Ferdi Gatzweiler konnte bei der Bezirksregierung die Zustimmung erreichen, dass die Stadt trotz ihrer finanziellen Lage und angesichts der bevorstehenden Investitionen in die Schullandschaft die Konversion der Militärbrache in ein Gewerbegebiet als ein notwendiges Gesamtprojekt zum Abschluss bringen muss.

Dabei gilt die DB-Fläche als besonders interessant, weil der frühere Gleisanschluss reaktiviert werden kann. Bei einem Besuch der FDP-Bundestagsabgeordneten Petra Müller erfolgte jüngst der Vorschlag, ein regionales Logistikzentrum einzurichten. Eine Idee, die einst die EVS verfolgte, bis sie ausgerechnet diese Fläche an die DB zurückgeben musste, von der sie annahm, sie mit dem Schienennetz 1990 übernommen zu haben.
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