Stolberg - „Camp Astrid“: Tage der hässlichen Ruinen gezählt

„Camp Astrid“: Tage der hässlichen Ruinen gezählt

Von: Ottmar Hansen
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Die großen baufälligen Hallen der ehemaligen belgischen Kaserne „Camp Astrid“ verschandeln das Stolberger Gewerbegebiet gleichen Namens und sollen in der nächsten Woche abgerissen werden. Foto: O. Hansen
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Detlef Werry vor einer der Hallen, die abgerissen werden. Der Geschäftsführer der Camp Astrid GmbH und Co. KG wirbt um neue Betriebe, die sich hier ansiedeln sollen.

Stolberg. Brachland so weit das Auge reicht, dazwischen vereinzelt Firmengebäude und Kasernen-Ruinen - das gemeinsame Gewerbegebiet Camp Astrid auf Stolberger und Eschweiler Stadtgebiet macht noch keinen einladenden Eindruck.

Zumindest auf Stolberger Seite soll sich das kommende Woche etwas ändern. Dann rücken die Abrissbagger an, um die Überbleibsel der belgischen Kaserne abzureißen. Seit 1948 waren die belgischen Streitkräfte im Propsteier Wald stationiert.

Mit Material- und Munitionsdepots. Das Camp war nach der Königin Astrid von Schweden benannt. Zeitweise waren hier bis zu 1200 Soldaten untergebracht. Nach Ende des kalten Krieges wurde das Camp 1995 von den Belgiern aufgegeben. Das Grundstück fiel an die Bundesrepublik zurück. Nach dem Abzug der Soldaten wurde das Gelände hinter dem Stolberger Bahnhof vor etwa vier Jahren zu einem Gewerbegebiet umgestaltet.

Das Areal ist voll erschlossen, jedes Grundstück über eine Straße erreichbar. „Die Gewerbefläche beträgt rund 228 000 Quadratmeter“, erläutert Detlef Werry, Geschäftsführer der Camp Astrid GmbH und Co. KG die aktuelle Situation. Hinzu kommen 37 Hektar für die Straßen sowie 32 Hektar für den Wald ringsum. Von den etwa 100 Grundstücken konnten bislang allerdings erst zwölf Flächen an den Mann gebracht werden. Die belegen allerdings bereits fast die Hälfte des Gewerbegebietes.

Nicht zuletzt weil ein großes Grundstück nur mit unzähligen Solarkollektoren bestückt ist. Ferner haben sich eine Zimmerei, eine Fleischerei, ein Metallbauer, ein CNC-Fräser, ein Abbruchunternehmer und ein Messebauer in Camp Astrid angesiedelt. Das Gewerbegebiet ist nicht für große Betriebe oder Speditionen mit zahlreichen Fahrzeugen gedacht. „Das Areal ist auf die Bedürfnisse von kleinen bis mittelständischen Unternehmen zugeschnitten“, sagt Detlef Werry. 40 bis 50 Betriebe könnten in Camp Astrid noch eine neue Heimat finden. Entsprechende Verkaufsgespräche würden derzeit geführt, so der Geschäftsführer. „Doch die ziehen sich in der Regel lange hin.“

Kaum Zeit für Gespräche

Etwa wenn es um einen Handwerksbetrieb gehe, der sich wegen steigenden Platzbedarfs seinen derzeitigen Standort aufgeben wolle. Werry: „Da arbeitet der Chef meistens mit. Die haben keine Zeit für große Verkaufsgespräche. Die kommen erst zu uns, wenn es gar nicht mehr anders geht.“

Dabei sind die Grundstücke im Gewerbegebiet Camp Astrid vergleichsweise günstig zu haben. Für 35 Euro je Quadratmeter. Und die zentrale Lage in der Euregio Maas-Rhein ist schließlich auch nicht zu verachten. Zuletzt hat der Betreiber eines Wertstoffhofes bei der Geschäftsführung angeklopft. „Die Planungen laufen noch. Ob das Projekt realisiert wird, ist noch unklar“, so Werry. „Die Ansiedlung ist zwar machbar, die Genehmigungsfähigkeit wird aber noch geprüft.“

Eigener Bahnanschluss

Ein Vorteil des Geländes ist, dass es über einen eigenen Bahnanschluss verfügt. Zum Materialtransport. Die Beschäftigten der Betriebe haben einen Fußweg von vielleicht fünf Minuten bis zum Stolberger Bahnhof. Ideal wäre zudem ein Autobahnanschluss. Das Gewerbegebiet ist keine 1,5 Kilometer von der Autobahn 4 entfernt. Entsprechend hat die Stadt einen Antrag an das Bundesverkehrsministerium gestellt, in Höhe der Raststätte Aachener Land einen Autobahnanschluss für Stolberg einzurichten. Kleinere Straßen von der Raststätte hinein in den Wald gibt es bereits. Sie müssten nur entsprechend aufgeweitet werden.

Dann wäre auch das Gewerbegebiet wesentlich besser erschlossen. Derzeit muss jeder, der zu den Grundstücken will, durch die halbe Stadt Richtung Bahnhof fahren. „Das Bundesverkehrsministerium sperrt sich jedoch“, bedauer Detlef Werry. Und befürchtet, dass sich dies auch so schnell nicht ändert.

Allerdings müsste auch die Stadt Eschweiler mitspielen, über deren Areal die Zufahrt zur Autobahn verlaufen würde. „Da gibt es leider widerstrebende Interessen“, betont Werry. Die Stadt Eschweiler spricht von einem Energiepark auf ihrer Seite des früheren Camps.“ Eine Bürgerinitiative kämpfe außerdem dafür, dort Natur und Wald zu erhalten. Samt verfallender Bauruinen der Soldaten. Ein Wörtchen hätte da auch noch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mitzureden, die die Vermarktung ehemaliger Kasernengelände begeleitet.

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