Stolberg - Camp Astrid soll an die flotte Daten-Autobahn

Camp Astrid soll an die flotte Daten-Autobahn

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Lösungen sollen her: Der Ausbau leistungsfähiger Internetleitungen bleibt allerdings eine Frage der Finanzierbarkeit. Foto: J. Lange

Stolberg. Geld in die Hand nehmen und kräftig investieren möchte jetzt der Bürgermeister, damit Camp Astrid endlich an die Autobahn kommt – zumindest an die schnelle Daten-Autobahn. Denn ähnlich wie beim motorisierten Fernverkehr sieht es auch bei der immer entscheidender werdenden Versorgung mit einem schnellen Internetzugang für das Gewerbegebiet düster aus.

 Camp Astrid, aber nahezu auch das komplette Stolberger Stadtgebiet liegen in einem „Tal der Ahnungslosen“: Galten zu DDR-Zeiten die Menschen in manchen Gebieten mangels terrestrischem Fernsehempfang von der Außenwelt abgeschnitten, so müssen sich Stolberger bei der Internetnutzung in stoischer Geduld üben.

„Die Versorgung mit einem schnellen Internetzugang, der einen hohen Datendurchsatz ermöglicht, ist in manchen Stadtgebieten mangelhaft“, registriert Ferdi Gatzweiler – in seinem neunten Amtsjahr als Verwaltungschef und seinem ersten als oberster Wirtschaftsförderer. Dabei machen „viele Anwendungen im privaten und gewerblichen Bereich einen hohen Datendurchsatz erforderlich, da diese immer vielfältiger und umfangreicher geworden sind“, beschreibt Gatzweiler eine Entwicklung, die „sich in den nächsten Jahren noch beschleunigen wird“.

Dabei wird nicht nur für private Nutzer, sondern vor allem im gewerblichen Bereich ein zeitgemäßer Internetzugang als unabdingbar. „Er ist ein entscheidendes Standortkriterium geworden“, stellt Gatzweiler fest – für den privaten Wohnsitz ebenso wie für den Firmensitz. „Es muss Aufgabe der Verwaltung sein, mit Netzbetreibern eine möglichst flächendeckende und zukunftsfähige Breitbandversorgung zu gewährleisten“, hat sich der Wirtschaftsdezernent zum Ziel gesetzt.

Ein ehrgeiziges, denn die Ausgangslage ist nicht nur im städteregionalen Vergleich düster. Selbst die Eifel-Kommunen haben datentechnisch längst aufgerüstet und Glasfaser verlegt. Die Kupferstadt hängt dagegen noch weitgehend am Kupferdraht – nomen es omen.

Im Gewerbegebiet Camp Astrid – die offizielle Eröffnung war erst vor viereinhalb Jahren – wurde bei der Erschließung durch die Telekom eine Datenleitung verlegt, die keine zeitgemäße Nutzung des Internets ermöglicht, konstatiert der Bürgermeister: Selbst mit DSL-Anschluss beträgt der Datendurchsatz etwa zwei Mbit/s. Das entspricht einem Minimum dessen, was Gewerbebetriebe aufgrund des Einsatzes sehr umfangreicher Anwendungen heute benötigen.

„Im übrigen Stadtgebiet ist das Bild sehr unterschiedlich“, analysiert der Bürgermeister weiter. Die Möglichkeit der Bereitstellung von DSL-Anschlüssen ist zwar nahezu flächendeckend gegeben, aber bei der Verfügbarkeit von Anschlüssen mit einer Leistung zwischen 6 und 16 Mbit/s sieht‘s schon anders aus. Für die Ortslagen Breinig und Gressenich spricht Gatzweiler „von einer guten Infrastruktur für einen schnellen Internetzugang“. Aber der besteht für viele Haushalte in Dorff, Zweifall, Venwegen, Werth und Schevenhütte nicht bzw. nahezu nicht. „In den übrigen Ortsteilen ist ein Netzausbau stark verbesserungswürdig“, erklärt Gatzweiler. So verfügen beispielsweise in Büsbach über 55 Prozent der DSL-Anschlüsse über einen Datendurchsatz von weniger als 2 Mbit/s.

Bisher erfolgt der Zugang zum Internet hauptsächlich historisch: über das kupferleitungs-basierte Telefonnetz. Angesichts des ausgebauten Leitungsnetzes bietet es den Vorteil geringer Investitionskosten. Im Rahmen der Breitbandversorgnung kommt überwiegend die DSL-Technologie zum Einsatz, die jedoch nur für kurze Distanzen geeignet ist. Soll ein höherer Datenzusatz ermöglicht werden, muss auf andere Technologie wie Richtfunk- oder Lichtwellenübertragung zurückgegriffen werden.

Dagegen würde ein (erdverlegtes) Glasfasernetz einen sehr hohen Datendurchsatz ermöglichen. Aber dazu wären hohe Investitionen erforderlich, um diese Technologie flächendeckend auszubauen, an deutschlandweit lediglich eine Million Haushalte angeschlossen ist – eine für Stolberg erstrebenswerte, wenn auch langwierige Lösung.

Alternativen sind eine Anbindung über Kabel-TV, das, falls vorhanden, vergleichbare Vor- und Nachteile des Telefonnetzes bietet.

Eine weitere ist eine Anbindung via Satellit, wobei noch wenige Erkenntnisse aus der praktischen Anwendung vorliegen. Allerdings kann es witterungsbedingt zu zeitlichen Verzögerungen der Übertragung kommen, so dass eine private oder berufliche Nutzung nur eingeschränkt erfolgen kann.

Leerrohre und Verhandlungen

Hoffnungen richten sich auf die neue LTE-Technologie des Mobilfunks. Die Menge des Datendurchsatzes richtet sich nach der Entfernung zur Basisstation. Allerdings soll der Ausbau dieser Technologie im nennenswerten Umfang erst in diesem Jahr anlaufen. Es bestehen Bedenken wegen unzureichender Datensicherheit, schwankender Netzabdeckung sowie fehlende Verfügbarkeit bei Wartungsarbeiten.

Als Konsequenz strebt der Bürgermeister aus heutiger Sicht den Ausbau der Glasfasertechnik an, weil sie die „sicherste, bürgerorientierteste und zukunftsfähigste Variante“ ist. Nach ersten Gesprächen mit Netzanbietern ist aber bereits klar, „dass im gesamten Stadtgebiet mittelfristig keine ausreichende Netzabdeckung vorliegen wird, wenn die Stadt „entsprechende Maßnahmen nicht begleitet bzw. initiiert“. Also den Ausbau mitfinanziert: Dazu bieten Förderbanken zinsgünstige Darlehen und Zuschüsse je nach örtlichen Gegebenheiten. Gatzweiler: „Die Finanzierbarkeit ist ein entscheidendes Kriterium.“

In jedem Fall möchte der Verwaltungschef bei zukünftigen städtischen Tiefbauarbeiten und Maßnahmen von Versorgungsträgern ein Leerrohr mitverlegen lassen, um eine spätere Versorgung zu vereinfachen und auch Einnahmen zu erzielen, da interessierte Anbieter eigene Verlegungskosten einsparen würden.

Um eine Verbesserung der Versorgung von Ortsteilen und Gewerbegebieten zu erzielen, sollen Verhandlungen mit Netzbetreibern und Fördergebern folgen. Kurz- bis mittelfristig vorangetrieben werden soll jedoch eine Glasfaseranbindung von Camp Astrid, die das Gewerbegebiet auch für ansiedlungswillige Unternehmen interessanter machen würde. Die Kosten kalkuliert der Wirtschaftsförderer auf 60 000 bis 80 000 Euro. Der Stadtrat soll auf seiner Sitzung am 29. Januar die Camp Astrid GmbH & Co. KG als städtischen Entwicklungstreuhänderin bitten, ein Unternehmen mit dem Netzausbau zu beauftragen.

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