Camp Astrid: Gähnende Leere statt blühendes Gewerbe

Von: Jürgen Lange
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Eigentlich ein interessantes Gelände: Sechs Hektar mit direktem Bahnanschluss (großes Bild) warten ebenso auf ansiedlungswillige Unternehmen wie rund 20 weitere Hektar im oberen Teil des Gewerbegebietes Camp Astrid (kleines Bild). Aber es herrscht gähnende Leere. Nur eine Handvoll Firmen haben sich dort niedergelassen. Foto: J. Lange
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Eigentlich ein interessantes Gelände: Sechs Hektar mit direktem Bahnanschluss (großes Bild) warten ebenso auf ansiedlungswillige Unternehmen wie rund 20 weitere Hektar im oberen Teil des Gewerbegebietes Camp Astrid (kleines Bild). Aber es herrscht gähnende Leere. Nur eine Handvoll Firmen haben sich dort niedergelassen. Foto: J. Lange

Stolberg. „Trauen Sie noch“ den Parteien? Wer steht „für das Neue“? Braucht „Stolberg den Wechsel“ mit „Esprit und Visionen“? Sind unsere Politiker alle „stark für Stolberg“? Oder „kann Stolberg mehr“? Und wer hat wirklich „Lust auf Stolberg“?

Schon die Slogan verraten, dass die Auswahl unter den Bürgermeister-Kandidaten vielfältig ist. Wie aussagekräftig die Vielfalt ist, möchte unsere Redaktion gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, bei unserem zweiten Wahlforum prüfen. An diesem Donnerstag, 15. Mai, stellen sich ab 19.30 Uhr im Saal von „Angie‘s Bistro“ Ferdi Gatzweiler (SPD), Dr. Tim Grüttemeier (CDU), Mathias Prußeit (Linke), Klaus-F. Kratz (UWG) und Alex Kaldenbach (parteilos) der Diskussion, nachdem Vertreter der Ratsfraktionen sich bereits gestellt hatten.

Dabei waren sie sich in einem einig: Die Wirtschaftsförderung durch die Stadt muss verbessert werden. Das hat gute Gründe. Ein Beispiel dafür ist der Arbeitsmarkt. Stolberg hat die höchste Arbeitslosenquote in der ganzen Region. Im April lag sie bei konstanten 11,2 Prozent; der Bundesdurchschnitt rangiert dagegen bei 6,8 Prozent, selbst im Land liegt er mit 8,4 Prozent deutlich unter dem Stolberger Wert. 3245 Stolberger haben keinen Job. Einem Zugang von 515 Arbeitslosen standen 67 neue offene Stellen gegenüber....

Ein anderes Beispiel: Vor sechs Jahren wurde das Gewerbegebiet Camp Astrid eröffnet. Mittlerweile 29 Hektar Gewerbefläche in dem fast 40 Hektar großen Areal sind für ansiedlungswillige Unternehmen geschaffen worden. An eine gute Handvoll Firmen veräußert wurden gut ein Hektar davon. Weitere sechs Hektar sind solange an ein Photovoltaik-Unternehmen verpachtet, bis die Fläche zur Gewerbeansiedlung vermarktet werden kann. Doch Interessenten lassen auf sich warten. Dabei liegen in nahezu jeder Größe die Grundstücke vollständig erschlossen parat – mit Ausnahme eines zeitgemäßen Breitband-Anschlusses.

Ihr Fehlen ist nicht das einzige Manko im Camp Astrid. In Hörweite rauscht der Verkehr auf der Autobahn 4 am Gewerbegebiet vorbei. Ein greifbarer direkter Anschluss bleibt ein Traum – auch wegen der aus Stolberger Sicht in keiner Weise nachvollziehbaren Haltung der Stadt Eschweiler und der Verkehrsministerien in Land und Bund. Aber Alternativen werden in der Kupferstadt auch nicht forciert. Bereits bei der Konzeptionierung von Camp Astrid war ein direkter Anschluss von die L 238 ins Visier genommen worden: Die Königin-Astrid-Straße könnte über die Rhenaniastraße und die Gewerbebrache im Bereich der „Feuerfeste Peters“ bis zur Eschweilerstraße verlängert werden. Auf dem Papier sieht das gut aus. Angepackt worden ist das Thema ebenso wenig wie eine Entwicklung dieser möglichen Gewerbeflächen zwischen Hauptbahnhof und Landesstraße – übrigens eine Forderung, die die großen Parteien auch schon im Kommunalwahlkampf 2009 erhoben hatten.

Im vergangenen Jahr wurden auf einem Filet-Stück des Camps mittlerweile nicht mehr nutzbare Hallen abgerissen, nachdem die Stadt die sechs Hektar nach jahrelangen Verhandlungen von der Deutschen Bahn übernehmen konnte. Diese hatte sie vor mehr als einem Dutzend Jahren wieder von der EVS zurückverlangt, nachdem diese sie zunächst mit dem kompletten Nebengleises von der DB übernommen hatte. Ein regionales Güterverteilzentrum hatte seinerzeit der Stolberger Infrastruktur-Betreiber ins Visier genommen. Ein Projekt, das dann die DB nicht weiter verfolgte, heute aber aktueller denn je sein kann. Immerhin verfügt das Filet über den Vorzug eines direkten Gleisanschlusses.

Ein solches Projekt könnte korrespondieren mit einer aktuellen Idee zu einem regionalen Güterverteilzentrum: Zwölf Gleise mit jeweils rund 500 Metern Länge stünden dafür alleine im favorisierten Bahnhofsbezirk 5 an der Haldenrandstraße bereit; weitere 25 Gleisstränge sind in zwei anderen Bezirken des Hauptbahnhofs für den Gütertransport vorrangig reserviert. Das Potenzial wartet darauf genutzt zu werden.

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