Stolberg - Camp Astrid: Bleibt das Tor zur Autobahn für immer zu?

Camp Astrid: Bleibt das Tor zur Autobahn für immer zu?

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Fußgänger haben sich einen Weg gebahnt, aber für den Kraftfahrzeugverkehr endet im Stolberger Gewerbegebiet am Tor auf der Stadtgrenze zu Eschweiler. Die will mit der Ausweisung als Naturschutzgebiet einen Durchgangsverkehr nun für immer und ewig unterbinden. Foto: J. Lange

Stolberg. Nachdem zuletzt das Bundesverkehrsministerium die Hoffnungen auf einen Anschluss des Stolberger Gewerbegebietes Camp Astrid an die Autobahn 4 nahe der Raststätte Aachener Land torpediert hat, schwinden nun auch die letzten Hoffnungen, zumindest über Glücksburg eine Verbindung an die Bundesstraße 264 zu gelangen, von der aus der zügig die Autobahnanschlüsse Eschweiler (4) und Broichweiden (44) zu erreichen sind.

Das Stolberger Gewerbegebiet soll zukünftig wie eine Landzunge mitten in einem riesigen Naturschutzgebiet liegen.

Das sehen zumindest die Anträge von sechs Naturschutzverbänden sowie der Stadt Eschweiler vor, die der Städteregion vorliegen. Dort hätte im Mai fast schon der Umweltausschuss empfohlen, aus Propsteier Wald, dem Saubachoberlauf und den oberen Veglapolder zwischen Röhe und Atsch ein einziges großes Naturschutzgebiet (NSG) zu machen. Fast: denn der SPD war aufgefallen, dass die Kupferstadt Stolberg zu diesen seit Wochen und Monaten vorbereiteten und vorbesprochenen Wünschen aus der Indestadt noch gar nicht gefragt worden war, berichtet ihr Fraktionsvorsitzender. „Erst auf unseren Druck hin ist das Thema von der Tagesordnung abgesetzt worden“, sagt Martin Peters.

Aber es kehrt dorthin zurück; voraussichtlich im Herbst, wie Städteregionssprecher Detlef Funken bestätigt. „Wenn Stolberg gehört worden ist“. Darauf legt die Kupferstadt auch gehörigen Wert, wie der Technische Beigeordnete Tobias Röhm versichert: „Wir wollen im Rahmen des Verfahrens beteiligt werden.“ Denn die Konsequenzen können durchaus weitreichend sein: Das Gewerbegebiet Camp Astrid würde zu einer Insel mitten in einem zusammenhängenden und streng reglementierten Naturschutzgebiet.

Auch der Biber ist schon da

Sein Eschweiler Kollege Hermann Gödde, als früherer Geschäftsführer der Stolberger Camp Astrid Gesellschaften bestens mit dem Areal vertraut, sieht keinen Grund zur Aufregung. Die Inde­stadt selbst habe nur vier punktuelle Naturschutzgebiete beantragt, etwa Altwaldbestände, den Oberlauf des Saubachs oder der Bereich der alten Munitionsdepots, wo sich aufgrund der Belastung durch militärische Nutzung die seltene Galmeiflora heimisch geworden sei. Die Unterschutzstellung der Gesamtflächen sei durch den BUND sowie den Arbeitskreis Heimische Orchideen, den Arbeitskreis Naturschutz, Die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt, den Naturschutzbund Deutschland und den Ornithologischen Verein forciert worden, was im Rathaus am Johannes-Rau-Platz auch nicht als dramatisch angesehen wird.

Nur eine Ausnahme aus dem zusammenhängenden Naturschutzgebeit möchte sich die Stadt Eschweiler herausschneiden: Neun Hektar früher versiegelter Flächen, auf denen Eschweiler in Kooperation mit Hochschulen das „Camp CO2 Zero“ als Wissenschaftsstandort ansiedeln möchte, wenn denn einmal die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Fläche dafür freigibt. Diese liegt nur einen Steinwurf hinter dem schweren Tor, dass die Zufahrt nach Eschweiler auf der Stolberger Königin-Astrid-Straße unterbindet. Aber: „Der Waldstreifen zwischen“ dem Camp Zero „und dem Gewerbegebiet Stolberg sollte jedoch Bestandteil des Naturschutzgebietes sein“, wie es Gödde in dem Schreiben von März an die Städteregion noch einmal betont.

Mit einer solchen Beschlusslage würde für die Kupferstadt auf immer und ewig der Weg nach Norden zur Autobahn oder Bundesstraße versperrt. Was durchaus im Sinne der Nachbarstadt ist. „Alle Versuche Stolbergs, einen Zugang zur Autobahn zu erhalten, sind gescheitert“, erinnert Gödde. Und der Rat der Stadt Eschweiler habe beschlossen, eine Anbindung an die Bundesstraße zu verweigern, um den Stadtteil Röhe nicht mit zusätzlichem Verkehr zu belasten. Zumal ein Verkehrsgutachten zur Anbindung von Camp Astrid ergeben habe, dass Röhe nur mit einem Anschluss an die A 4 entlastet würde, so Gödde. „Und den gibt es nun einmal nicht.“

Aus Sicht der Naturschutzverbände spricht vieles für eine Unterschutzstellung der gesamten Flächen, die der Landschaftsplan Stolberg-Eschweiler bislang als Landschaftsschutzgebiete kennzeichnet. „Im Hinblick auf die bis heute stattfindende positive ökologische Entwicklung und die aktuellen Erhebungen von Tier- und Pflanzenarten ist eine Schutzausweisung nicht nur der drei einzelnen Bereiche, sondern als größeres zusammenhängendes Naturschutzgebiet begründet und gewünscht“, formuliert es Uwe Zink, Umweltdezernent der Städteregion in seiner Ausschussvorlage und verweist auf eine lange Liste seltener, geschützter und teilweise vom Aussterben bedrohter Arten: Orchideen, Stechpalmen, Galmeiflora, 56 Brutvogelarten mit unterschiedlichen Spechtarten, Kuckuck, Goldammer, Rotschwanz sowie weiteren potenziellen Bewohnern wie Waldschnepfe, Turteltaube oder Mehlschwalbe. Nicht zu vergessen sind Säugetiere wie die Haselmaus und diverse Fledermausbestände. 33 der 273 nachgewiesenen Schmetterlingsarten befinden sich auf der Roten Liste. Feuersalamander, Schling- und Ringelnatter und Kreuzkröte sind renommierte Vertreter der Reptilien. Und auch der Biber hat den Saubach längst erobert.

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