Burgstraße wird zum Drive-in mit Sterneküche

Von: Jürgen Lange
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Su Vössing mit Mallory Mayombo und Ali Ishan Pehlivanoglu bei der Vorbereitung im Food-Truck, beim Servieren und Anhalten von Autos auf der Burgstraße. Manou Selmani und die 14 Monate junge Medina schmecken die Gerichte jedenfalls. Das Gericht „kind od fritz“ hat Bui Vössing ins Bild gesetzt. Foto: J. Lange / Bui Vössing
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Su Vössing mit Mallory Mayombo und Ali Ishan Pehlivanoglu bei der Vorbereitung im Food-Truck, beim Servieren und Anhalten von Autos auf der Burgstraße. Manou Selmani und die 14 Monate junge Medina schmecken die Gerichte jedenfalls. Das Gericht „kind od fritz“ hat Bui Vössing ins Bild Foto: J. Lange / Bui Vössing
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Su Vössing mit Mallory Mayombo und Ali Ishan Pehlivanoglu bei der Vorbereitung im Food-Truck, beim Servieren und Anhalten von Autos auf der Burgstraße. Manou Selmani und die 14 Monate junge Medina schmecken die Gerichte jedenfalls. Das Gericht „kind od fritz“ hat Bui Vössing ins Bild Foto: J. Lange / Bui Vössing
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Su Vössing mit Mallory Mayombo und Ali Ishan Pehlivanoglu bei der Vorbereitung im Food-Truck, beim Servieren und Anhalten von Autos auf der Burgstraße. Manou Selmani und die 14 Monate junge Medina schmecken die Gerichte jedenfalls. Das Gericht „kind od fritz“ hat Bui Vössing ins Bild gesetzt. Foto: J. Lange / Bui Vössing
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Su Vössing mit Mallory Mayombo und Ali Ishan Pehlivanoglu bei der Vorbereitung im Food-Truck, beim Servieren und Anhalten von Autos auf der Burgstraße. Manou Selmani und die 14 Monate junge Medina schmecken die Gerichte jedenfalls. Das Gericht „kind od fritz“ hat Bui Vössing ins Bild Foto: J. Lange / Bui Vössing

Stolberg. Wer die Burgstraße passiert rechnet eher mit Geschwindigkeitskontrollen als mit kulinarischen Genüssen. Aber genau die werden zur Mittagszeit gereicht, denn Su Vössing trainiert Streetfood-Köche in der Kupferstadt. Passanten dürfen die neue entwickelten Gerichte probieren.

Eine Gruppe junger Menschen reicht kleine Schalen mit frisch zubereiteten Gerichten an Fußgänger und Autofahrer weiter, die zumeist dankbar angenommen werden. Mitten drin ist Su Vössing. Als Küchenchefin im Bonner „Le Maronn“ im Alter von 27 Jahren als jüngste Köchin Deutschlands einen Michelin-Stern gekürt, ist die Fernsehköchin und Kochbuchautorin mit ihrem Mann Bui Vössing vor gut drei Jahren in Stolberg heimisch geworden. In einem ehemaligen Kupferhof an der Burgstraße lebt und arbeitet das kreative Paar.

Und jetzt haben endlich einmal Stolberger die Gelegenheit, die Kochkünste der 52-Jährigen zu kosten. Zumindest die, die zufällig an den beiden Food-Trucks vorbeikommen oder als befreundete Nachbarn mit einer Flasche Cremant unter dem Arm vorbeikommen, wie etwa Christian Clément: „Das ist ein tolles Event, daraus kann man auch für Stolberg etwas machen“, sagt der aus Frankreich stammende Weinkenner.

Dabei ist das kleine Ereignis in der Altstadt zur Mittagsstunde fast so spontan, wie es ursprünglich begonnen hat – durch Zufälle im Leben. So hört Vössings von ihrer Freundin Helga Wachtmeister, die in Geschäftsbeziehungen zu Bo­frost steht, von einer PR-Kampagne des Tiefkühlkostlieferanten. Dieser möchte neue junge Kunden mit einer mobilen Kochkampagne gewinnen, erzählt Bui Vössing. Die Food-Trucks sollen jetzt zu ihren Events rollen, aber bei der Vorbereitung hatte man wohl übersehen, dazu auch frische moderne Gerichte zu kreieren. „Ein bisschen Rock‘n‘Roll soll auf die Teller“, sagt der Fotograf schmunzelnd. Jetzt muss alles sehr schnell gehen. Ein Fall für Su Vössing. Doch die Köchin ist zuerst skeptisch, als man sich in aller Kürze mit Unternehmensvertretern zusammensetzt. „Erst als sie von der Kultur und Herkunft ihrer Rohstoffe erzählten, wurde mein Interesse geweckt“, gesteht Vössing. So sollen beispielsweise die Erbsen aus Schweden stammen, wo für diese Hülsenfrucht besten Bedingungen herrschten ...

Jedenfalls bringt die Erbse in Stolberg den Stein ins Rollen. Der Ehrgeiz der Sterneköchin ist geweckt. „Tag und Nacht“ arbeitet sie, um ein langwieriges Kochbuchprojekt abschließen zu können. Dann steht die Kiste mit den Tiefkühlprodukten vor der Türe. „Das war richtig erfrischend nach der langen Arbeit an dem Buch“, strahlt sie. „Ich konnte wieder jede Menge Neues ausprobieren.“ Intensiv beschäftigen sich die beiden Vössings mit den neuen Produkten. Vier Gerichte sollten es sein, ein gutes Dutzend Rezepte sind‘s geworden, die nun in den Food-Trucks nachgekocht werden.

Mehr noch. Natürlich begnügten sich die beiden kreativen Wahlstolberger nicht damit, einfach nur die Rezepte zu entwickeln und aufzuschreiben. Als kleines Büchlein soll es die Rezepturen später geben, das den Kunden an die Hand gegeben werden kann.

Mit großer Liebe zum Detail rückte Bui Vössing die einzelnen Gerichte liebevoll ins Bild. Die haben dann passend zum Streetfood-Thema kernige Namen: „catch“ heißt etwa das Karotten-Ketchup, bei dem Mango, Ingwer, Harissa, Curry und Birnenbalsamico den Möhren die Frische verleihen. Oder auch „kind of fritz“ für die Süsskartoffel-Pommes mit Maismayo. Hinter„veg‘n‘roll“ verbirgt sich eine mit dem „catch“ servierte Erbsen-Knusperrolle, der ein Mantel aus gemahlenen Mandeln die knusprige Hülle verleiht. Und „pop“ steht in der Tat für gewürfelte knusprige Hühnchenwürfel, mit mit einem Curry-Mango und Popcorn auf den Teller kommen.

Doch was Su Vössing in ihrer großen Küche zaubert, muss auch in der eher überschaubaren Einrichtung eines Food-Trucks nachgekocht werden können – von Köchen, die diesen Beruf eher nicht von der Picke auf erlernt haben. Also machen an diesem Tag zwei Trucks und eine agile Crew aus acht „Lehrlingen“ Station im Kupferhof und auf dem schmalen Parkstreifen der Burgstraße, um in die Geheimnisse von „catch“, „veg‘n‘roll“ & Co. eingeweiht zu werden. Nach einer Einweisung und der Behebung typischer technischer Premierenprobleme geht‘s motiviert ans Werk.

Offensichtlich mit Erfolg. Denn kurze Zeit später eilen die Köche mit kleinen Probierschalen auf das Kopfsteinpflaster und bieten jedem Fußgänger und passierendem Auto ihre Gericht an. Die Burgstraße wird zum Drive-in. Und gerne langen die meisten Passanten zu. Su Vössing entert sogar einen Schulbus, der eigens angehalten wird. Aber die Erziehung der Eltern scheint wohl zumindest in einem Punkt etwas gebracht zu haben: „Nehme nichts von Fremden an“, beherzigen die Schüler. „Macht nichts“, lacht Vössing und bringt ihre Schalen gleich im nächsten Auto an den Mann.

Rasch sind die vorbereiteten Gerichte vergriffen. Und zufrieden stoßen die Vössings mit Köchen und befreundeten Nachbarn auf diesen Premierenerfolg an.

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