Burghof-Theater präsentiert mit „Faust auf Raten“ große Literatur

Von: Dirk Müller
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Hans Christian Johnsen (v.l.), Rüdiger Ehrmanntraut, Miriam Piel, Gerhard de Vos und Karin Graf erhalten viel Beifall für die gelungene Inszenierung der „ersten Rate“ von Goethes Faust im Burghof-Theater. Foto: D. Müller
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Gerhard de Vos brilliert als Heinrich Faust und verkörpert die tragische Figur gekonnt. Foto: D. Müller

Stolberg. Die erste Rate ist beglichen, doch statt Zinsen wurde lautstarker und lang anhaltender Applaus fällig, denn die Premiere war ein voller Erfolg: Mit „Faust auf Raten“ nach Johann Wolfgang von Goethe bringt das Burghof-Theater zur Zeit ein Werk auf die Bühne, das als das bedeutendste und meist zitierte in der deutschen Literatur gilt.

Goethes Adaption der Sagen um Dr. Faustus ist gespickt mit Versen, die als einzelne Zitate längst in den alltäglichen Sprachgebrauch Einzug gehalten haben und sprichwörtlichen Charakter aufweisen.

So bescherte das Ensemble des Burghof-Theaters dem begeisterten Publikum viele „Aha-Erlebnisse“, indem es große Literatur und Allgemeinbildung anspruchsvoll wie kurzweilig vermittelte. In einem amüsanten Prolog machten Regisseurin Karin Graf und Hans Christian Johnsen das Publikum mit der Sprache Goethes vertraut, die Schönheit und Aussagekraft zu vereinen vermag.

Anschließend eröffnete der Teufel das Bühnenspiel, und Mephistopheles (Rüdiger Ehrmanntraut), der später einen fatalen Pakt mit Faust eingehen soll, zeigt schon optisch, dass er nicht nur über Zauberkräfte verfügt, sondern auch mit Charme und Humor zu verlocken weiß, denn im Burghof-Theater wurde er im Harlekin-Kostüm leibhaftig.

Überzeugend gespielt

In der Hauptrolle glänzte Gerhard de Vos, der den Gelehrten Heinrich Faust überzeugend verkörperte. Faust ist unglücklich, ja zerrissen, und de Vos transportiert die daraus rührende Verzweiflung der tragischen Figur äußerst gekonnt. Faust leidet regelrecht körperliche Schmerzen ob seiner unbefriedigenden Situation. Der Wissenschaftler ist sich bewusst geworden, was die Quintessenz seiner langjährigen Studien ist: „Es irrt der Mensch, so lang er strebt.“ Als Privatmensch ist Faust nicht fähig, das Leben in seine Fülle zu genießen, und der in mehreren Fachbereichen Gelehrte weiß: „Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug, als wie zuvor.“

Von der Wissenschaft enttäuscht wendet Faust sich nach dem Vorbild des Nostradamus der dunklen Magie zu und beschwört die wirkende Kraft der Natur, den Erdgeist. Doch der Erdgeist (Miriam Piel) erinnert Faust lediglich an dessen eigene Sterblichkeit und verhöhnt ihn als einen „furchtsam weggekrümmten Wurm“. Aufgelockert wird das tragische Bühnenspiel zum Beispiel durch die Auftritte der studentischen Hilfskraft Wagner (Hans Christian Johnsen). Der lerneifrige „Famulus“ Wagner bereichert die gelungene Inszenierung um humoristische Komponenten mit seinem Spiel – und auch mit seinem Kostüm, als er etwa im Nachthemd und mit Schlafmütze bekleidet die Bühne betritt.

Die „erste Rate“ von Faust ist ein kultureller Genuss, der niveauvoll und kurzweilig unterhält, und es bleibt zu hoffen, dass weitere Raten im Burghof-Theater folgen. Schließlich gilt es noch zu entdecken, was „des Pudels Kern“ ist, und ob die „Gretchen-Frage“ beantwortet wird.

Und es lockt außerdem die Aussicht auf eine lange Faust-Nacht im Burghof-Theater, bei der dann alle „Raten“, ergänzt von einem kulinarischen Angebot, hintereinander zur Aufführung gebracht werden.

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