Burggalerie: Sie machen ihre Gedanken in der Kunst sichtbar

Von: mlo
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Rafael Ramirez-Máro, Kulturmanager Max Krieger und Uschi Zantis bei Vernissage der zweiten Artibus-Ausstellung in der Burg. Foto: M.L. Otten

Stolberg. Was Uschi Zantis und Willi Arlt unter Wahrheiten verstehen, zeigt die zweite Artibus-Ausstellung in der Burggalerie. 18 Bilder in Öl und in Acryl auf Leinwand sind es bei der Sammlung von Uschi Zantis, Künstlerin aus Übach-Palenberg, die schon vor vier Jahren in der Steinweg-Galerie ihre Werke erstmalig ausgestellt hat und jetzt erneut mit Willi Arlt in der Burg zu sehen ist.

Ihre Motive stammen aus der Natur. Und hier sind es die unscheinbaren Dinge, die man bei oberflächlicher Betrachtung nicht sieht, aber durch eine sensible Wahrnehmung erfahrbar machen kann – wie zum Beispiel das Spinnennetz oder der Holzspan, der sowohl als Realität wie auch vergrößert im Bild zu sehen ist.

Ob im Bild mehr Wahrheit sein soll, muss individuell entschieden werden. Intuition, Inspiration und große Experimentierfreudigkeit sind die Voraussetzungen für die Autodidaktin, damit Bilder entstehen. Sie ist keiner Stilrichtung und keinem Vorbild verhaftet. Alles ist Ausdruck ihrer künstlerischen Freiheit.

Wert legt sie jedoch darauf, dass ihre Bilder an den jeweiligen Ausstellungsraum angepasst sind. Licht und Farbe spielen dabei immer eine wichtige Rolle. In der Burg-Galerie sind es in erster Linie erdfarbene Töne, die sie facettenreich zur Entfaltung gebracht hat. Für die musikalische Untermalung spielt an diesem Morgen Andreas Brunken am E-Piano Stücke von Abba und den Beatles.

Professor Rafael Ramirez-Máro greift das Zitat „Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lässt“ von Pablo Picasso auf, mit dem der Bürgermeister seine Ansprache beendet hatte, und hinterfragt den heiklen Begriff. Die Wahrheit gehört zu den zentralen Problemen der Philosophie und der Logik und wird von verschiedenen Theorien unterschiedlich beantwortet. Bilder, so der Kurator der Artibus-Ausstellung, sind geheimnisvoll und suggerieren jedem etwas anderes. Sie helfen dem Betrachter aus der passiven, teilnahmslosen Funktion des Schauens, Nichtverstehens und Interpretierens zu einer aktiven Teilhabe. Ramirez-Máro begrüßt, dass Uschi Zantis in Willi Arlt einen kongenialen – ebenbürtigen – Künstler gefunden hat, der nicht nur in den Farben mit ihr harmoniert, sondern auch in den Rhythmen.

Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt in der Gestaltung von Skulpturen aus Baustahl. Oft sind es menschlich wirkende Figuren. Manchmal sind die Werke aus einer Geschichte heraus entstanden. Immer aber visualisieren sie seine Gedanken und Gefühle.

Die 26 Eisenplastiken in der Stolberger Burg verdeutlichen Übergänge, zum Beispiel von der Nacht zum Tag oder vom Leben zum Tod, wie es in der Skulptur „Der Tod und das Mädchen“ zum Ausdruck kommt. Der Tod zeigt sich hier als Begleiter in der sommerblühenden Calla-Blume, die das Mädchen umarmt. Zu dieser Skulptur hat der Bauherr auch ein Drama geschrieben, wo es um das Aus einer Beziehung geht.

Auch die Tore stehen als Bindeglied oder Sperre zwischen zwei Welten. Mal ist es die Welt von der Jugendzeit zum Erwachsenen, mal vom Arbeitenden zum Rentner oder von einem Beruf zum anderen. Unter einem alten Baum stehen zwei Figuren, die eng aneinandergerückt sind und Schutz unter dem einzigen dürren Ast, der dem Baum geblieben ist, suchen. Der Mythos des Sisyphos, der für sinnlose und schwere Tätigkeit ohne absehbares Ende steht, macht bei Arlt Rast.

Wichtig sind dem Geilenkirchener Künstler die Beziehungen zwischen den Menschen, ob als Familie oder Paar. Es gibt auch etwas christlich Sakrales. Was für den einen wie eine Monstranz aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung für den anderen als Göttin der Morgenröte. In „Das Tor – seine Hand gibt den Weg frei“ sieht Arlt den leidenden Jesus, der dem Menschen trotz eigenen Leids seine Hand reicht, damit der Weg für ihn frei ist.

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