Stolberg - „Burg war ein wichtiges Schutzbollwerk“

„Burg war ein wichtiges Schutzbollwerk“

Von: Toni Dörflinger
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Bauhistoriker Christian Altena führte die Teilnehmer unserer Lesertour sehr informativ und unterhaltsam in die Geschichte der Stolberger Burg und der Stadt ein. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Stolbergs Ursprung ist die Altstadt, die als Burgdorf seit dem 15. Jahrhundert entstand. Im Vordergrund der Führung mit Bauhistoriker Christian Altena standen verschiedene Fragen: Wie sah das Burgdorf Stolberg im 16. und 17. Jahrhundert aus? Wo lagen die wichtigsten Orte und Gebäude? Was ist davon noch heute zu sehen?

Christian Altena ging diesen Fragen mit einer 30-köpfigen Gruppe nach, die aus Teilnehmern der von unserer Zeitung organisierten Sommerlesertour bestand. Altena widmet sich seit Jahren nicht nur der Burg-, sondern auch der Stadtgeschichte, die er in Form von Publikationen, Vorträgen und Führungen der Öffentlichkeit präsentiert. Ein besonderes Augenmerk legte er auf die historischen Grenzen und die des burgherrlichen Territoriums.

Der Vichtbach war eine territoriale Grenze, aber auch die Burgstraße. Zugleich erstreckte sich die Stolberger Unterherrschaft auf beiden Straßenseiten und auch jenseits des Vichtbaches, auf dem westlichen Terrain der Reichsabtei Kornelimünster, besaß der Burgherr umfangreichen Landbesitz. Diese verwirrenden Beziehungen veranschaulichte Altena und zeigte dabei auf, wie das kleine Dorf rechts der Vicht „funktionierte“. „Die Altstadt der Frühen Neuzeit unterscheidet sich wesentlich von der Mühle und dem alten Ortsteil Hammer. Sie führte ein Eigenleben, besaß eine charakteristische Ordnung und war auch ohne Mauern ein in sich geschlossener Raum“, erläuterte der Geschichtskenner, der auch Geografie studiert hat.

Um unseren Lesern die Topographie des alten Siedlungskerns über die erhaltene Architektur hinaus deutlich zu machen, nutzte der 33-Jährige eine aus mehreren Bildtafeln bestehende Ansichtsmappe, in deren Mittelpunkt ein 1808 entstandener, kolorierter Katasterplan stand. Die in der Folgezeit entstandene Bebauung hat die alten Strukturen nur leicht verwischt. Die Teilnehmer hörten interessiert zu, welche Straßen und kleinen Gassen damals Hauptverkehrswege waren und wie man über Finkenberggasse und Grabenstraße Galmei vom Hammerberg und aus Gressenich in die alten Kupferhöfe brachte. Demnach führte der Rundgang nicht nur durch die Straße „In der Schart“ sowie zum Finken- und Burgberg, sondern auch in den Luciaweg und in die Klatterstraße. Dabei wurden Orte und Gebäude besonders hervorgehoben, die wie der Schleicherhof, die drei Altstadtkirchen und die Arnoldsmühle einst im Burgdorf Stolberg eine exponierte Stellung eingenommen hatten.

Nicht nur die Religion, sondern auch die Kirchenarchitektur besaß im Barockzeitalter ein spannungsreiches Gefüge. Mit der Bauweise der Gotteshäuser reagierte man stets auch auf die anderen Kirchenbauwerke: „Der Protestantismus fiel auf fruchtbaren Boden“, erklärte der Historiker in Hinblick auf die Kirchen, „anfänglich überragte die reformierte Finkenbergkirche die katholische an Pracht“. Altena präsentierte Überlegungen, die der Architektur des einstigen und ältesten erhaltenen Kupferhofes, des auch als Adler-Apotheke bekannten Schleicherhofes an der Burgstraße geschuldet sind. Seine exponierte Lage genau gegenüber dem Palas der Burg, dessen Architektur der Hof geradezu spiegelbildlich wiedergibt, könne auf eine besondere oder ältere Bedeutung des Bauwerkes hinweisen, so der Bauforscher.

Alte Arnoldsmühle

Interessantes wusste der Bauhistoriker auch über die alte Arnoldsmühle zu berichten. Die ehemalige Zwangs- und Bannmühle, die einst die Kornmühle des kleinen Burgdorfes war, liegt, so Altena, ebenfalls in zentraler Lage: im nördlichen Teil der Altstadt angelegt, hatten die Bauern der überwiegend nördlich der Altstadt liegenden Bauernhöfe einen kurzen Weg dorthin. Neben der Burg ist die Existenz einer Getreidemühle die älteste verbürgte Architektur der Stadt. Denn sie wurde schon im 14. Jahrhundert erwähnt. Einer näheren Betrachtung wurde auch die Burg unterzogen: allerdings nicht von innen, sondern von außen – mehr hätte den Rahmen des Rundgangs gesprengt. So nutzte der Historiker die Besichtigung der Burghöfe, um die Leser anhand von verlorener und vorhandener Architektur mit dem Hohen Gericht, der Schildmauer und dem Geschützturm vertraut zu machen. „Schließlich musste die Burg auch für die im Altstadtkern liegenden Kupferhöfe eine wichtige Schutzfunktion wahrnehmen“, erklärte der Experte. Den Abonnenten gefiel der Rundgang. Bereitwillig folgte man Altena über Treppenanlagen und Steigungen, um die Struktur und Topographie des einstigen Burgdorfs besser kennen zu lernen. Dass es der Bauhistoriker seinen Zuhören dabei leicht machte - denn er erklärte zwar auf wissenschaftlicher Basis, aber dennoch spannend und lebendig -, stellen die Kommentare unter Beweis. „Gut gefällt mir die weitgehende Vermeidung von historischen Daten. Wenn man es wie Altena versteht, Geschichte mit Leben zu erfüllen, kann man auch ohne die zeitliche Einordnung von Gegebenheiten, Tatsachen und Ereignissen auskommen“, versicherte Robert Keidel aus Eschweiler, der zu dem Besucherdrittel gehörte, das aus der benachbarten Indestadt kommend, den Termin unserer Sommerlesertour für eine geschichtlich geprägte Kontaktaufnahme mit der Kupferstadt wahrnahm.

Durchaus angetan von den Erklärungen zeigte sich auch das Ehepaar Hans-Dieter und Annelore Backes aus Büsbach, denen besonders die anschauliche und bildhafte Art gefiel, mit denen Altena Altstadtgeschichte zum Besten gab. Das führte unter anderem dazu, dass selbst kurzzeitige Regenschauer nur am Rande wahrgenommen und allenfalls dazu genutzt wurden, um kurze Pausen einzulegen und das Gehörte zu reflektieren.

Dass nach dem offiziellen Ende noch lange nicht Schluss war, bewies die Tatsache, das einige „Unentwegte“ Altena in den Gartenbereich einer an der Burgstraße liegenden Altstadtkneipe folgten, um sich dort in lockerer Runde über andere Aspekte der Stolberger Stadtgeschichte auszutauschen.

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