Burg- und Vogelsangstraße: Es kommt zum Schwur der Altstadt-Bewohner

Von: Jürgen Lange
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Vogelsangstraße Stolberg
Wenige ruhige Tage erleben die Altstadt-Bewohner, weil unter Vollsperrung das Pflaster in der Vogelsangstraße repariert wird. Foto: J. Lange

Stolberg. Es ist wieder einmal eine der seltenen ruhigeren Wochen für die Bewohner der Altstadt. Die Passage der engen Pflasterstrecke durch die historischen Gassen ist im Bereich der oberen Vogelsangstraße gesperrt.

Dort werden wieder Kopfsteine in einen notdürftig asphaltierten Bereich gesetzt: Eine Maßnahme, die während der Sommerferien aufgrund der neuen Verkabelung für Breitband und Mittelspannung auf die Herbstferien verschoben worden war.

So angenehm ruhig wie für die Dauer dieser Ferienwochen haben die Anwohner der Burgstraße während der vergangenen drei Jahrzehnte noch nicht gewohnt. Dabei ist die Pflasterstrecke seit den 1980er Jahren als verkehrsberuhigter Bereich nur für Anlieger ausgewiesen. Doch Schilder sind geduldig; Kraftfahrer sind es weniger.

In der Praxis sind Burg- und Vogelsangstraße eine klassische Durchgangsroute zwischen der Innenstadt und dem Donnerberg. Dass das den Bewohnern der Altstadt nicht passt, hatten diese bereits vor gut einem Monat bei einem Ortstermin des CDU-Ortsverbandes Mitte signalisiert. Sie plädierten mehrheitlich für eine Sperrung der früheren Kreisstraße 6.

„Wenn die Bürger das mehrheitlich so wollen, machen wir die Burgstraße dicht“, hatte bereits damals Bürgermeister Tim Grüttemeier gegenüber unserer Zeitung erklärt. Mittlerweile hat das Ordnungsamt Vorschläge für den am 29. Oktober tagenden Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt erarbeitet: Die Politik soll eine Befragung der betroffenen Anwohner im Altstadtbereich beschließen, um „verschiedene Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssituation zu diskutieren und die vorherrschende Meinung der Bürger berücksichtigen zu können“.

Allerdings sind Umfang, Form und Zeitpunkt der Befragung noch etwas vage und werden wohl während der Sitzung diskutiert werden müssen. Auch im Verwaltungsvorstand sind bereits mehrere Varianten besprochen worden, und Grüttemeier ließ keine Zweifel aufkommen, nach drei Jahrzehnten der Stagnation die Lösung des Problems anpacken und dabei auch weitreichende Konsequenzen ziehen zu wollen.

Eine solche wäre die Herausnahme des Busverkehrs. Die Linie 72 verbindet durch Burg- und Vogelsangstraße den Mühlener Bahnhof mit dem Donnerberg. Und sie bedient dabei auch die ausgedehnten Siedlungen oberhalb der Altstadt. Bei einer Herausnahme der Linie 72 „wären die Altstadtquartiere entlang der Burg- und Vogelsangstraße inklusive der Kirchen sowie die Wohnbereiche entlang der Hastenrather Straße nicht mehr unmittelbar an den Öffentlichen Personennahverkehr angebunden“, warnt Klaus-Dietfried Büttner-Zedlitz, Leiter Verkehrstechnik bei der Aseag. Die nächstgelegenen Haltstellen würden dann an der Zweifaller Straße sowie am Lindchen liegen.

„Aufgrund der weiten Fußwege kommen diese Haltestellen als alternative Erschließung dieses Bereiches nicht in Frage“, argumentiert Büttner-Zedlitz, dass sich darüber hinaus die Erreichbarkeit der Altstadt sowie der Einzelhandelsbereiche der Innenstadt verschlechtere: „Die Erschließung des Donnerbergs müsste dann über die Birkengang- und Höhenstraße erfolgen“.

Aus Sicht der Aseag kommt eine veränderte Führung der Linie 72 nicht in Betracht. Nicht einmal die Route, die ausnahmsweise während eines Stadtfestes oder jetzt aufgrund der Bauarbeiten genommen wird: Eine Umleitung über den Burgholzer Graben, die heutige Kreisstraße 6, würde als Alternativroute zu zusätzlichen Nutzwagenkilometern und somit zu Mehrkosten für die Stadt führen.

Der zweite Themenbereich, den die Verwaltung mit den Bürgern diskutieren möchte, sind Alternativen zur Absperrung der Altstadtachse: entweder mit einem normalen Poller am Übergang der Vogelsang- in die Hastenrather Straße oder alternativ durch zwei versenkbare Poller dort sowie zusätzlich am Übergang von Steinweg und Burgstraße.

Drei unterschiedliche Stellungnahmen der Polizei liegen dazu vor. Während vor Ort der Stolberger Bezirksdienst eine Sperrung der Burgstraße „nur begrüßen kann“ und für versenkbare Poller plädiert, ist aus Sicht der Direktion Verkehr der Führungsstelle der Polizeiwache Süd an der Mauerstraße eine Sperrung „grundsätzlich einsatztaktisch nicht zu begrüßen“.

Die gleiche Direktion im Aachener Polizeipräsidium wiederum hat „keine Bedenken, falls“ gewisse Auflagen erfüllt werden – beispielsweise müssten Polizei und Rettungsdienste mit Fernbedienungen für elektrische Poller ausgestattet sein, geklärt werden müssten Anfahrten für Paketdienste, Besucher, Versorgungsunternehmen und Rollstuhlfahrer. Außerdem müsste verhindert werden, dass motorisierte Zweiradfahrer die Poller passieren könnten, denn es werde „keine Polizeikontrollen bei späteren Beschwerden“ geben.

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