Bunte Kartons für Weihnacht in Würde

Von: Lukas Franzen
Letzte Aktualisierung:
9117627.jpg
Elsbeth Ostlender (l.) brachte bei der Spendenaktion der Stolberger Tafel das 1000. Lebensmittel-Paket in den Zinkhütter Hof. Wilma Gier, die stellvertretende Vorsitzende der Tafel, zeigte sich überwältigt vom großen Spendenaufkommen und ist sich sicher, dass bei der Ausgabe niemand mit leeren Händen nach Hause gehen muss. Foto: L. Franzen

Stolberg-Münsterbusch. Selten herrscht am Zinkhütter Hof mitten in der Woche ein solcher Andrang. Vor dem Industriemuseum reiht sich ein Auto neben dem nächsten. Drinnen stapeln sich die bunten Kartons. Die meisten sind bis oben hin mit Lebensmitteln gefüllt. In einer anderen Ecke: Spielzeuge und Stofftiere.

Das zehnte Jahr in Folge sammelt die Stolberger Tafel Weihnachtspakete, um Hilfsbedürftigen eine Weihnacht in Würde zu bereiten – und viele Bürger helfen mit.

Als Inge Schüler, die jedes abgegebene Paket gründlich auf einer Strichliste vermerkt, vor 15 Uhr den aktuellen Stand –„905 Pakete!“ – bekannt gibt, ist Wilma Gier mehr als erleichtert. Die stellvertretende Vorsitzende der Stolberger Tafel hat feuchte Augen und lacht. Ihre Hand ballt sie spontan zu einer Siegerfaust. „Im vergangenen Jahr hat es mich wütend gemacht, dass wir Menschen mit lehren Händen nach Hause schicken mussten“, sagt Gier und erinnert sich an die Sammelaktion in 2013, bei der lediglich 650 Pakete gespendet worden.

Zu wenig bei mittlerweile 720 gemeldeten Tafel-Kunden. Hinzu kommen weitere Menschen, die aufgrund eines Berechtigungsscheins eines der Weihnachtspakete abholen können. „Jetzt bin ich ganz sicher, dass wir wirklich jedem Interessenten ein Paket übergeben können.“

Richtig erklären kann sich Wilma Gier die deutliche Steigerung zum Vorjahr jedoch nicht, wie sie sagt. Vielleicht habe es an Pfarrern wie in Breinig gelegen, die die Aktion in ihre Predigten aufnahmen. Vielleicht an Schülern wie denen des Ritzefeld-Gymnasiums, die ein Besuch bei der Tafel derart bewegte, dass sie spontan Süßigkeiten spendeten. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Tafel die Werbetrommel noch stärker rührte als zuvor. Vielleicht liegt es auch an weltweiten Krisen wie denen in Syrien, die den Bürgern aufzeigten, „wie gut es uns hier eigentlich geht“, meint Gier.

Rund 20 Helfer sind den ganzen Tag über im Einsatz. Die einen helfen den Spendern, die schweren Kisten in den Saal zu bringen. Andere sind damit beschäftigt, sie anschließend zu sortieren. Von Päckchen für Alleinstehende über Pakete für Großfamilien bis hin zu solchen ohne Schweinefleisch für Menschen muslimischen Glaubens ist alles dabei.

Eines der großen Familienpakete stammt von Simon und Tatiana Stüttgen. Sie haben ihre Kinder Ben und Nina mitgebracht. „Wir haben ein komplettes Abendessen und Frühstück für eine vier- bis sechsköpfige Familie zusammengestellt“, sagt Simon Stüttgen. Die Grundschüler Ben und Nina haben außerdem einen Teil ihrer Stofftiere und Spielsachen gespendet. Anstatt nach der Abgabe direkt wieder den Heimweg anzutreten, bleibt die Büsbacher Familie noch eine Weile in dem Saal, um einen Blick auf die prall gefüllten Tischreihen zu werfen und ist begeistert. „So geht es vielen unserer Spender“, sagt Wilma Gier. „Man spürt, wie sie dieser Anblick bewegt.“

Großzügig sind an diesem Tag jedoch nicht nur Familien wie die Stüttgens. Auch Firmen, Vereine, Kindergärten und Schulen haben Pakete gebracht. Eine große Stolberger Firma hat 46 Pakete gespendet, der Kindergarten und die Grundschule aus Büsbach 57. Die Atscher St. Sebastianus Schützen haben zwei Säcke mit selbst gestrickten Mützen und Schals vorbei gebracht, die katholische Frauengemeinschaft, ebenfalls aus der Atsch, unter anderem eine Kiste mit Fensterdekoration und Kerzenleuchtern.

Für die Haupt- und Sekundarschulen der Kogelhäuserstraße ist Sozialarbeiter Markus Stork in das Industriemuseum gekommen. Gemeinsam mit einem Schüler, Nino Bündgen, hat er sich für die Aktion der Tafel stark gemacht und vier Kartons im Gepäck. „Sicherlich könnten es noch mehr sein“, sagt Stork, der nicht ganz zufrieden mit seinem Spendenaufkommen ist. Gleichzeitig weiß der Sozialarbeiter: Auch an seiner Schule werden Schüler und deren Familien selbst zu den Empfängern der Weihnachtspakete zählen.

„Noch acht! Dann haben wir die 1000er-Marke erreicht“, ruft Inge Schüler gegen 15.45 Uhr den anderen Helfern zu. „Es ist Wahnsinn“, sagt Tafel-Kollegin Anne Dejosez und spricht damit auch ihren Kollegen aus der Seele. Fünf Minuten später, um 15.50 Uhr, ist es dann soweit: Elsbeth Ostlender gibt die Pakete Nummer 999 und 1000 ab: Jubel und Applaus unter den Tafel-Helfern.

„Wenn ich auf die Hilfe anderer angewiesen wäre, würde ich mich über ein solches Paket auch freuen. Zum Glück geht es mir gut. Aber es kann schnell auch anders sein“, erklärt Ostlender, warum sie die Aktion unterstützt. Sie ist nicht die letzte Spenderin, der es so geht. Am Ende sind es 1175 Pakete.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert