Bundesschützenprinzessin Svenja nimmt Rollenklischees ins Visier

Von: Sarah-Lena Gombert
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Svenja Dobbelstein von der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Zweifall ist gerade zur Bundesprinzessin geworden. Die 18-Jährige hat aber noch viele andere Hobbys und bereitet sich gerade auf den Schulabschluss vor. Foto: S.L. Gombert

Stolberg-Zweifall. Sie reitet, sie spielt in einer Band und lernt gerade für das Abitur. Und ganz nebenbei ist die 18-jährige Svenja Dobbelstein, die Mitglied der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Zweifall ist, gerade zur Bundesprinzessin geworden. Damit ist sie die erste Stolbergerin, die diesen Titel erreicht. Am kommenden Mittwoch darf sie sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Redakteurin Sarah-Lena Gombert sprach mit der jungen Frau über ihr auf den ersten Blick ungewöhnliches Hobby.

Frau Dobbelstein, wie wird man Bundesprinzessin?

Svenja Dobbelstein: Indem man gut schießt, würde ich sagen (lacht). Zunächst muss im Verein der Vogel abgeschossen werden, dann tritt man gegen alle aus dem Bezirk an. Wer dann das beste Ergebnis hat, kommt weiter, zum Diözesanschießen. Dann schießen alle aus Aachen, auf Wertung. Die besten sieben qualifizieren sich. Und wer den Holzvogel runterholt, der qualifiziert sich automatisch. Und das Budesschießen ist dann quasi das Finale.

Wie haben Sie das Finale erlebt?

Dobbelstein: Ich habe absolut nicht damit gerechnet. Ich hatte auch, ehrlich gesagt, beim Schießen selbst kein gutes Gefühl. Nach dem Wettkampf mussten wir dann den ganzen Tag darauf warten, bis die Ergebnisse verkündet wurden. Als ich dann aufgerufen wurde, konnte ich das gar nicht glauben. Ich dachte, die haben sich vertan (lacht).

Wann haben Sie angefangen mit dem Schießen?

Dobbelstein: Das war 2012, beim Ostereierschießen. In unserer Familie ist das Tradition, dass wir die Ostereier nicht kaufen, sondern schießen gehen. Und bei einem Preisausschreiben habe ich dann ein Jahr freie Mitgliedschaft in der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft gewonnen.

Wenn man Schwimmen lernt, dann muss man sich erst mal ans Wasser gewöhnen. Wie lernt man Schießen?

Dobbelstein: Man fängt an mit „aufgelegt“. Das bedeutet, dass das Gewehr auf einer Stangenkonstruktion waagerecht aufgelegt wird. Mit dieser einfachsten Variante fangen auch die kleinen Schützen an, die aber nur mit Lasergewehren schießen dürfen. Dann heißt es erst einmal trainieren. Wenn man dann einigermaßen sicher ist oder eine höhere Altersstufe erreicht, schießt man „angestrichen“. Dabei gibt es dann nur noch eine senkrechte Stange, an der man das Luftgewehr anlehnen kann. Ab 16 Jahren muss man dann – zumindest in den Wettkämpfen – freihändig schießen.

Worauf muss man achten, damit das klappt?

Dobbelstein: Der richtige Stand ist unglaublich wichtig. Man muss Ruhe bewahren, und man braucht Konzentration. Der Rest ist dann Trainingssache. Fitness ist auch ganz hilfreich, denn die Waffe kann auf Dauer ganz schön schwer werden. Das Luftgewehr wiegt bis zu 5,5 Kilogramm.

Wie oft trainieren Sie?

Dobbelstein: Ich schieße in der Regel einmal die Woche. Im Moment ist das allerdings ein bisschen weniger, weil ich mich auf das Abitur vorbereite und für Klausuren lernen muss.

Sie machen ja auch viele andere Sportarten. Warum hat Sie der Schießsport so begeistert, dass Sie dabei geblieben sind?

Dobbelstein: Es macht mir einfach Spaß, zu sehen, wie man sich entwickelt. Es ist viel Körperbeherrschung. Man bekommt direkt eine Rückmeldung, ob das geklappt hat. Und es ist spannend zu sehen, wie man sich verbessert und herauszufinden, was geht, und was nicht geht. Das mit der Konzentration kann man ja auch in anderen Bereichen des Lebens brauchen.

Wenn man sich so sehr konzentrieren muss – wie schafft man es denn, nach einem anstrengenden Schultag den Kopf freizukriegen?

Dobbelstein: Wenn ich direkt nach der Schule oder nach der Reitstunde ins Schützenheim komme, dann kann ich nicht sofort auf den Schießstand. Das geht nicht. Man muss erst einmal den Stress ausblenden. Ich brauche dann erst einmal eine Viertelstunde, bevor ich runterkomme. Wenn man dann aber einmal ruhig geworden ist, dann ist das kein Problem mehr. Die Bewegungsabläufe hat man durch das Training schnell verinnerlicht, sodass man sich gar keine Gedanken mehr darüber machen muss. Das funktioniert dann automatisch. Und ich bekomme dann, wenn ich auf dem Schießstand bin, um mich herum nicht mehr viel mit, weil ich mich auf den Schuss konzentriere.

Wie läuft das Training ab? Trainieren alle Aktiven zusammen?

Dobbelstein: Wir treffen uns hier im Vereinsheim und gehen dann runter zum Schießstand. Wenn dort alle Plätze belegt sind, muss man eben ein bisschen warten. Eine Runde Training dauert in der Regel so um die 50 Minuten. Wer gerade nicht schießt, bleibt zum Quatschen im Vereinsheim.

Ist das Schießen auch im Freundeskreis ein Thema?

Dobbelstein: Eigentlich rede ich nur mit Leuten darüber, die selber auch schießen. Die sind dann allerdings manchmal überrascht, dass ich auch schieße (lacht). Ich glaube, viele aus meinem Jahrgang wissen das nicht, dass ich diesem Hobby nachgehe.

Es gibt ja das Klischee, dass Schützenvereine vor allem für ältere Herren sind. Sie sind nun aber eine junge Frau…

Dobbelstein: Dass Schützensport für Männer ist, das ist eine Sache, die noch von früher stammt. Die Schützen waren ursprünglich eine Gruppe von Männern, deren Aufgabe es war, die Bürger eines Dorfs oder einer Gemeinde zu beschützen. Heutzutage ist das ja völlig anders, und ich habe nicht den Eindruck, dass das nur noch ein Männersport ist. Klar, es gibt vereinzelt noch Vereine, bei denen nur Männer eintreten dürfen, aber mittlerweile können wir Frauen auch schießen. Und man sieht: mindestens genauso erfolgreich (lacht).

Sie schießen, sie reiten, sie machen auch Musik: Ihr Tag hat aber auch nur 24 Stunden, oder?

Dobbelstein: Daran muss mich meine Mutter auch ab und zu erinnern (lacht). Naja, ich bewege mich einfach gerne. Und ich muss auch immer etwas tun. Ich gehöre einfach nicht zu den Leuten, die zuhause sitzen können und nichts machen. Das geht für mich einfach nicht.

Wie würden Sie anderen Jugendlichen den Schießsport schmackhaft machen?

Dobbelstein: Man lernt sich beim Schießen selbst sehr gut kennen. Die Konzentration und die Disziplin, die man sich für den Sport aneignet, die hilft mir auch in der Schule, zum Beispiel in der Lernphase für das Abitur. Und generell gefällt mir beim Sport, dass großer Einsatz auch belohnt wird. Das kann man auf alle Bereiche des Lebens anwenden, denke ich. Und ich finde die Werte, die durch das Vereinsleben vermittelt werden, sehr wichtig und sehr gut.

Was sind das für Werte?

Dobbelstein: Glaube, Sitte, Heimat: Wir sind oft in der Kirche, das finde ich gut. Auch das Vereinsleben an sich ist schön. Jeder ist für den anderen da. Man erlebt eigentlich nie, dass jemand einen im Stich lässt. Das finde ich persönlich sehr wichtig.

Was bedeutet für Sie Heimat?

Dobbelstein: Das bedeutet für mich vor allem: Zusammensein, etwa bei unserem Schützenfest. Wenn ganz viele aus dem Dorf da sind, finde ich schön. Dazu gehören auch die großen Feste, wo man viele Leute kennenlernt und den Verein repräsentiert. Heimat hat aber weniger mit einem geographischen Ort zu tun, sondern damit, wie wohl ich mich fühle.

Wollen Sie denn nach dem Abitur weitermachen mit dem Sport?

Dobbelstein: Ja, auf jeden Fall! Wir sind mitten in der Saison, dann kann ich nicht einfach aufhören. Dazu kommen natürlich jetzt auch die repräsentativen Aufgaben der Bundesprinzessin. Das heißt, ich muss viel reisen, um auf Schützenfesten die Jugend zu vertreten und Kontakte zu knüpfen. Ich gehe bei den Umzügen mit. Es hat mich übrigens schon positiv überrascht, wie viele Menschen diese Schützenumzüge anschauen. Und das Publikum ist sehr gemischt: von Kindern bis zu älteren Menschen ist alles vertreten.

Wissen Sie schon, was Sie nach der Schule beruflich machen wollen?

Dobbelstein: Noch nicht so genau. Ich möchte wahrscheinlich eine Ausbildung oder ein duales Studium machen. Ich interessiere mich für die Themen Medizin, Gesundheit und Ernährung. Aber ganz sicher bin ich mir noch nicht.

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