Stolberg-Büsbach - Büsbacher Straßenbahn: Auch die letzten Überbleibsel verschwinden

Büsbacher Straßenbahn: Auch die letzten Überbleibsel verschwinden

Von: Toni Dörflinger
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Die alte Finkensiefbrücke 1964: Die Linie 25 legt auf ihrem Weg nach Büsbach einen Halt an. Drei Jahre später wurde der Betrieb eingestellt. Repro: T. Dörflinger

Stolberg-Büsbach. Bahn-Nostalgiker und Sammler von Bahnexponaten aufgepasst: Im nächsten Jahr soll an der oberen Galmeistraße das dortige Straßenbahngleis ausgebaut werden. Vielleicht kann man dann ein Stück Schiene für den Partykeller oder den Garten erwerben? Denn ansonsten landet das Gleis, das derzeit nur noch eine Gefahrenstelle für Fußgänger und Autoverkehr darstellt, auf dem Schrottplatz.

Damit gehört dann das letzte Überbleibsel der Straßenbahn, die von 1909 bis 1967 viele Jahre lang als Linie 25 Büsbach befahren hat, endgültig der Vergangenheit an.

Begonnen hat die Geschichte der Büsbacher Straßenbahn, die als elektrische Schmalspurbahn von der Aseag betrieben wurde, bereits 1898. Damals hatte man die Strecke von Aachen nach Brand gebaut. Deren Verlängerung von Brand über Freund bis zur alten Elgermühle – Ecke Oberstein-/Aachener Straße – erfolgte 1907/1908. Ein Jahr später erreichte die Straßenbahn schon den Büsbacher Markt, wo man vor der Gaststätte „Zum alten Rathaus“ – heute „Angie‘s Bistro“ – eine vorläufige Endhaltestelle eingerichtet hatte.

Für Probleme hatte der Gleisbau durch das Obersteintal gesorgt. Dort hatten felsiger Untergrund und Wasserreichtum immer wieder zu Verzögerungen und Komplikationen geführt. Davon war auch der Straßenbau betroffen. Denn zeitgleich mit der Erstellung des Schienenkörpers hatte man durch das idyllische Tal auch eine Straße, die Obersteinstraße, angelegt. Keine Verzögerungen hatte hingegen der Lückenschluss in Richtung Zweifaller Straße gemacht. Er wurde 1910 verwirklicht. Damit fuhr die Straßenbahn erstmals entlang der oberen Galmeistraße, um von dort aus über den Lehmkaulweg und das Finkensieftal Stolberg zu erreichen.

Die Galmeistraße ist Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Zuvor hatte nur ein unbefestigter Feldweg, „Korrener-Weg“ genannt, die Verbindung zwischen der Konrad-Adenauer- und der Aachener Straße sichergestellt. Ob zu diesem Zeitpunkt schon eine Pflasterung erfolgte, ist unbekannt. Ermöglicht hatte den Straßenbau die Einstellung des Erzbergbaues. Denn im 19. Jahrhundert und auch in vorindustrieller Zeit hatte man am Büsbacher Berg und an der Galmeistraße Zinkerz abgebaut.

Ping als Freizeitbad genutzt

An den Erzabbau erinnert auch der Gemarkungs- und Straßenname „Dell“. Schließlich hatte dort einst eine große Tagebaugrube, eine Ping, gelegen, die mit Wasser gefüllt der Büsbacher Jugend in der Vorkriegszeit als Freibad gedient hatte. Die Galmeistraße hat in ihrer langen Geschichte schon viele Namen getragen. Gänzlich verschwunden ist die alte Bezeichnung Korrener -Weg. Denn mit ihrem Ausbau im Jahr 1898 wurde sie „Neustraße“ genannt. Auch dieser Name gehört inzwischen längst der Vergangenheit an.

In Erinnerung an den einstigen Erzabbau wurde sie in den ersten Nachkriegsjahren in Galmeistraße umbenannt. Wann diese Umbenennung erfolgte, ist zeitlich nicht mehr exakt eingrenzbar. Dass die Umbenennung aber schon 1950 vollzogen war, stellt ein im Stadtarchiv vorhandener Bauantrag der „Wohnungsgenossenschaft 1900, Stolberg“ (WoGe) unter Beweis, die Anfang der 1950er Jahre ihre Bauten Galmeistraße 54 bis 60 erstellte. Volkstümlich wird die Galmeistraße als „Nummer 5“ bezeichnet. Ein durchaus zutreffender Name. Schließlich hatte westlich der heutigen Galmeistraße die Schachtanlage Nummer 5 des einstigen Bergbauterrains Büsbacherberg/Brockenberg gelegen.

Zurück zur Straßenbahn: Diese hatte in der Nachkriegszeit eine kurzzeitige Renaissance erlebt. So hatte man in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre die Linie nach Büsbach mit modernen Großraumtriebwagen der Aachener Waggonfabrik Talbot ausgestattet. Doch der Niedergang des schienengebundenen Nahverkehrsmittel war trotz technischer Verbesserungen nicht mehr aufzuhalten.

Die Mitbenutzung der Straße durch Busse war rentabler: So erreichte am schneereichen 8. Januar 1967 die letzte Straßenbahn die Büsbacher Ortsmitte. In der Folgezeit wurden dann die nun nutzlos gewordenen Gleisanlagen schrittweise beseitigt. Nur in der Galmeistraße hat noch ein Schienenstrang überlebt.

Öffentlich vorgestellt werden sollen die Pläne zum Ausbau der Schienen, die auch mit einer Sanierung der Straße verbunden sind, laut Jörg Veltrup vom städtischen Tiefbauamt noch im Herbst dieses Jahres.

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