Bürgermeisterin kapituliert vor dem Prinz der Herzen

Von: -jül-
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„Ne Jung us dieser Stadt“: Die umjubelte Tollität hat den Stadtschlüssel erbeutet und legt mit seinem Prinzenlied los. Die Narren auf dem Alter Markt sind begeistert. Foto: J. Lange

Kupferstadt. Die Stolberger sind zumindest an Karneval ihrer Zeit gerne ein wenig voraus. Für viele beginnen die tollen Tage gegen 7 Uhr – auf dem Mittelbahnsteig des Stolberger Hauptbahnhof. Denn rechtzeitig zieht es viele Narren von der Vicht zum Karnevalsauftakt nach Köln am Rhein.

Derweil wartet auf dem Alter Markt Komitee-Präsident Josef Behlau auf die jecken Untertanen. Zuerst mit den „Halunken“, dann mit den „Karamba Männcher“ werden sie mit den klassischen Rhythmen der fünften Jahreszeit herbeigeschworen. Und peu à peu füllt sich das altehrwürdige Zentrum des historischen Stolbergs, um die Machtübernahme durch Tollität zu erleben. Die schleicht sich mit ihren Truppen absolut leise vom Kaiserplatz durch den Steinweg zum Alter Markt.

Leisen Schrittes in die Altstadt

Auch das Komitee ist so pleite, dass es sich nicht einmal mehr einen Musikzug für den Weg zur Schlüsselübergabe leisten kann. „Die Kassen sind leer“, ruft Behlau zwar mehr dem Bürgermeister-Kätzchen zu, aber Hildegard Nießen zeigt ihre Krallen: „Wir haben zwar kein Geld in der Kasse, aber viele und tolle ehrenamtlich engagierte Karnevalisten.“ Und die Komitee-Gesellschaften marschieren dann auch im Schneegestöber auf.

Die Mölle vorneweg, gefolgt von Atschinesen, Wenkbülle, Teuflische Jecke, Kupferstädter Kameraden, Fidelen Bessemskriemern, den Bareschessern, der Bürgerwehr, den Fidelen Zunfthären, den Mönsterböscher Jongen und der Ersten Großen. Während die Fahnenträger vor der niedrigen Bühne Position beziehen, erschallen sie bereits lauthals: die „Daniel, Daniel, Daniel“-Rufe – zumeist aus den lieblichen Kehlen der hübschen Mädchen.

Mit Begeisterung wird Stolbergs umschwärmter Prinz Daniel I. (Heinrichs) empfangen. Doch bevor er mit seinem Hofstaat den Alter Markt „rocken“ darf, sind die jungen Tollitäten am Zuge: Joyce-Isabelle I. (Wilhardt / Wenkbülle), Janina I. (Grosche / Mölle), Milena I. (Rommel / Büsbach) und Jan II. (Elkenhans / Erste Große) empfangen aus den Händen des Bürgermeister-Kätzchens Printen-Stadtschlüssel.

Dann hat seine große Stunde geschlagen. Daniel I. hat es nicht schwierig, die Macht zu erlangen. Zu überzeugend ist seine Regentschaft, zu groß die jubelnde Anhängerschaft als dass Hildegard Nießen in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters es wagen würde, allzu vehement Widerstand zu leisten. Leichten Herzens, „aber nur bis Aschermittwoch“, gab sie die Stadtschlüssel ab – und das Volk jubelte. Der Prinz der Herzen hat die Macht über die Kupferstadt! Und das wird gleich zünftig gefeiert.

Ausklang in Kneipen und Festzelt

Daniel I. und sein Hofstaat legen los, singen ihre Lieder. Zunächst auf der Bühne; dann springt der Hofstaat herunter, mischt sich direkt unters Narrenvolk und weiter geht es mit karnevalistischem Sound. Das ist so ganz nach dem Herzen der Stolberger. Es wird geschunkelt, gesungen und getanzt. Und bei all der Freude reißt der Himmel auf und die Sonne lacht sogar ein wenig den jecken Untertanen.

Doch bevor die nächsten Schneewolken die unbändige Freude wieder trüben können, ziehen die Komitee-Gesellschaften – auch manch Vichter Lehmjöres wird im Publikum entdeckt – mit ihren Untertanen wieder ab, um in den Kneipen der Altstadt und im Festzelt auf dem Kaiserplatz bis in die Morgenstunden kräftig weiter zu feiern.

Und gleichzeitig beschwören sie Petrus, damit es bei den Umzügen am Samstag in Münsterbusch und Werth, am Sonntag in Büsbach, Venwegen, Vicht und Gressenich, am Montag in Stolberg, Mausbach, Breinig und Zweifell sowie am Dienstag in Schevenhütte die Sonne lacht. „Mein Traum aus Kindertagen wird wahr“, ruft Daniel I. dem jecken Volk noch einmal zu und lädt es ein, mit ihm einen wunderschönen Rosenmontagszug zu erleben, der wieder von der Mühle in die Altstadt führt – wo in Stolberg Karneval am ursprünglichsten gefeiert wird.

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