Bürgeranhörung im Rathaus: Soll man den Steinweg öffnen oder nicht?

Von: Ottmar Hansen
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Noch laufen nur Fußgänger durch Rathausstraße und den Oberen Steinweg. Für Pkw-Fahrer ist die Fußgängerzone gesperrt. Doch das könnte sich schon bald ändern. Foto: O. Hansen

Stolberg. Wohin wird sich Stolbergs Innenstadt entwickeln? Vor allem die Talachse von Salmstraße über Rathausstraße bis zum Steinweg? Ihr Konzept präsentierte die Verwaltung am Montagabend im voll besetzten Saal des Rathauses interessierten Bürgern. Die Bediensteten um Bürgermeister Ferdi Gatzweiler stellten sich den Fragen der Einwohner und nahmen ihre Anregungen entgegen.

Zunächst ging es um den 1,4 Kilometer langen „Schlauch“ zwischen McDonalds und Willy-Brandt-Platz. Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt räumte ein, dass es nicht gelungen sei, die Strecke lückenlos zu testbeleben. Das Burgcenter/Kaufland habe sich nicht als der erhoffte „Leuchtturm“ erwiesen, der bis in den Steinweg hinein strahle. Pickhard: „Im Gegenteil, die Leerstände im Oberen Steinweg werden immer mehr.“ Auch an der Mühle, dem „Quartier der Vielfalt“ habe eine andere Entwicklung eingesetzt als geplant. „Am Bastinsweiher haben wir zumindest noch etwas Grün. Von dort bis zum Rathaus bietet die Stadt einen noch einigermaßen intakten Einkaufsschwerpunkt.“ Auch der untere Steinweg sei noch einigermaßen intakt. Pickhardt: „Je weiter man von dort nach Süden kommt, desto schlimmer wird es.“ Hier müsse ein neuer Nutzungsschwerpunkt mit Wohnungen und Gastronomie gesetzt werden.

Um die „Achse“ neu zu gestalten, hatte die Stadt schon 2009 ein Konzept erarbeitet. Doch dann fehlte das Geld. Die Pläne wurden auf Eis gelegt. In diesem Jahr sollen sie wieder angegangen werden. Die Bauarbeiten sind auf rund 8,8 Millionen Euro veranschlagt. Sobald die Fördermittel eintreffen, geht es los. Wie die Rathausstraße künftig aussehen soll, wird derzeit in einer Testphase ermittelt. Pickhardt: „Wir wollen sehen wie viel Verkehr man hier weg nehmen kann, ohne dass etwas zusammen bricht.“

Schwieriger wird es bei der Aufwertung des Steinweges, so viel wurde bei der Bürgerversammlung schnell deutlich. Beginnend am „Eingang“ der Fußgängerzone, am Kaiserplatz. Wie schaffe es eine Nachbarstadt wie Düren, drei Mal in der Woche einen großen Markt auf dem zentralen Platz anzubieten, war nur eine der Fragen. Notfalls müsse die Stadt eben einige Monate auf die Standgebühren der Marktbeschicker verzichten, so ein Vorschlag der Zuhörer. Dann gehörten öffentliche Toiletten auf den Platz. Außerdem Raum für Außengastronomie, damit sich Einwohner und Besucher der Stadt im Sommer an diesem zentralen Platz zum Kaffee treffen könnten.

So weit waren sich die Zuhörer im Ratssaal noch weitgehend einig. Auseinander gingen die Meinungen, was die geplante Öffnung des gesamten Steinweges für den Autoverkehr angeht. Die Befürworter dieses Vorhabens führten an: Wenn Pkw-Verkehr durch den gesamten Steinweg fließe, bringe das mehr Menschen und damit mehr Kunden in die City.

Die Blumenkübel im Steinweg müssten weg. So ließen sich mehr Parkplätze schaffen. Außerdem werde mehr Platz für Feuerwehr, Krankenwagen und Busse erreicht. Die Parkgebühren müssten abgeschafft werden. Nur so ließen sich neue Kunden ins Zentrum von Stolberg locken.

Die Kontrollen der Polizei gegen Raser im Steinweg müssten intensiviert werden.

Die leer stehenden Ladenlokale im Steinweg mit Wohnungen zu belegen sei der falsche Weg. Hier müssten wieder Geschäfte rein. Blumenläden, Weinläden, vielleicht sogar ein Billard-Café oder eine Disco. „Nur Wohnen wäre der Todesstoß für die Innenstadt“.

Die meisten Zuhörer an diesem Abend waren allerdings gegen eine Öffnung auch des unteren Steinwegs für den Pkw-Verkehr. Ihre Argumente: Wie solle bei Autoverkehr durch die Fußgängerzone ein Altstadtflair entstehen?

Die Kinder würden auf ihrem Weg zu Kindergarten und Grundschule schon jetzt durch rasende Autos in Gefahr gebracht. Der Fluchtweg der Grundschule gehe zur Straße raus.

Die Blumenkübel dürften nicht weg genommen werden, da sie der einzige Schutz der Fußgänger vor Pkw seien.

Die Einmündung der Stielsgasse in den Steinweg sei viel zu gefährlich. Auch die Einengung vor der Alten Post und die Ampelschaltung vor der Einmündung in die Rathausstraße müssten entschärft werden.

Die obere Etage des Victor-Parkhauses stehe schon jetzt fast immer leer. Warum benötige man dann weitere Parkflächen im Steinweg? Der obere Steinweg sei schon jetzt für Fahrzeuge geöffnet. Trotzdem stünden genau dort schon die meisten Läden leer.

Bürgermeister und Verwaltung machten klar, dass das Stadtzentrum nur attraktiver werden könne, wenn auch die Immobilienbesitzer mitspielten und ihre Ladenlokale und Häuser sanierten. Die Verwaltung ihrerseits versprach, künftig flexibler auf die Wünsche der Immobilienbesitzer einzugehen. Die Vorschrift, dass im Erdgeschoss der Häuser im Steinweg keine Wohnungen, sondern nur Ladenlokale eingerichtet werden dürfen, wird nicht mehr so streng gehandhabt werden. Ebenso das Verbot, an den Häusern, die am Vichtbach liegen, Balkons oder Dachterrassen anzubringen („Verschattung der Fische“).

Angeregt wurde, ein Parkleitsystem einzurichten. Teilnehmer der Diskussionsrunde appellierten an alle Bewohner Stolbergs, ein „Wir-Gefühl“ aufzubauen. Am Image der Stadt müsse noch kräftig gearbeitet werden. Werbemaßnahmen müssten angestoßen werden. Der Tenor: „Unsere Stadt hat schließlich so viel Schönes zu bieten.“ Bürgermeister Ferdi Gatzweiler sicherte zu, dass, wenn es zu einer Öffnung des gesamten Steinweges für den Verkehr komme, diese Maßnahme zunächst für sechs Monate getestet werde. „Wir werden die gesamte Situation auf den Prüfstand stellen.“

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