Stolberg - Bücherstube: Über 30 Jahre Lesestoff für die Kupferstadt

Bücherstube: Über 30 Jahre Lesestoff für die Kupferstadt

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
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Wolfgang und Bettina Krüpe von der Bücherstube am Rathaus stehen den Stolberger Leseratten seit über 30 Jahren mit Rat und Tat zur Seite. Foto: L. Beemelmanns; dpa

Stolberg. Wie viele Bücher Wolfgang und Bettina Krüpe in den vergangenen 30 Jahren in den Händen gehalten haben, das können sie gar nicht sagen. Es müssen sehr viele gewesen sein. Bestseller, Ratgeber, Reiseführer, Kinderbücher – eben das, was gerade angesagt ist. Und das ändert sich ja ständig.

Die beiden müssen es wissen, denn am 1. April 1985 legten sie den Grundstein für ihre Stolberger Buchhandlung – eine ganz besondere Geschichte. Die Krüpes sind so etwas wie die letzten Mohikaner, die letzten ihrer Art. Viele Buchhandlungen sind im Laufe dieser fast 31 Jahre in Stolberg gekommen und gegangen, fünf gab es zu Hochzeiten. Geblieben sind nur die Krüpes.

Belebte Innenstadt

Angefangen hat ihre Geschichte mit der Übernahme einer bestehenden Buchhandlung in der Salmstraße. Zehn Jahre waren sie dort, dann sind sie das erste Mal umgezogen. Von der Mühle in die Rathausstraße. Heute sind sie immer noch in der Rathausstraße. Sie sind vor zehn Jahren aber noch ein paar Häuser weitergezogen. Gegenüber vom Rathaus, in einem rund 250 Quadratmeter großen Ladenlokal, sind sie angekommen. Und der Weg dorthin war beschwerlich. „Wir mussten uns 30 Jahre lang den Status erarbeiten, den wir jetzt haben“, sagt Wolfgang Krüpe. Sie hätten ein gutes Netzwerk aufgebaut, beliefern Freiberufler und große Unternehmen mit Gesetzestexten und anderer Fachlteratur.

Außerdem verkaufen sie Schulliteratur, Bürobedarf, Bücher zur Heimatkunde. Ihre Stammkunden kennen sie so gut, dass sie für sie auch mal ohne Auftrag ein Buch bestellen. „Wenn ich eins sehe und ganz genau weiß, dass es einem bestimmten Kunden gefallen könnte, dann bestelle ich es und schlage es ihm vor“, sagt Bettina Krüpe. Das gehöre zur Kundenbindung und mache die „sehr persönliche Schiene“ aus.

Warum die Bücherstube am Rathaus die letzte bestehende Buchhandlung in Stolberg ist, das können auch die Krüpes nicht beantworten. Ein Erfolgsrezept hätten sie nicht. Und dennoch haben sie alle anderen Kollegen „überlebt“. Von Konkurrenz wollen sie nicht sprechen, und das hat nichts damit zu tun, dass sie sich für besser als die anderen halten. Es hat vielmehr damit zu tun, dass Wolfgang Krüpe sich eine belebte Stolberger Innenstadt wünsche. Welche Geschäfte das sind, das ist ihm eigentlich egal. Hauptsache kein Leerstand. Er sagt, Stolberg sei auf einem guten Weg, brauche aber vielleicht nur noch ein bisschen mehr Zeit.

Bei einer Buchhandlung gilt das, was auch in anderen Branchen wichtig ist: mit der Zeit zu gehen. Die Krüpes hätten Trends verfolgt, ihr Angebot stetig erweitert und vielleicht auch mal den richtigen Riecher gehabt. Und: „Wir waren jung und voller Tatendrang“, sagt er. Den Tatendrang haben sie bis heute nicht verloren. „Man muss sich modern präsentieren“, sagt Bettina Krüpe. Stillstand ist keine Option.

Eine Buchhandlung, das sei nicht nur der Ort, an dem man einen Roman kaufe. Diese Zeiten seien lange vorbei, finden die beiden Buchhändler. Heute gehe es auch um E-Books, den Online-Shop, Ticketverkauf, und bei den Krüpes auch noch um die Annahme von Anzeigen für die Stolberger Zeitung und Stolberger Nachrichten. Die Zeiten sind schneller geworden. „Wenn wir ein Buch bestellen, ist es am nächsten Morgen da. Da kann eine normale Online-Bestellung nicht mithalten“, sagt Wolfgang Krüpe. Vor den modernen, rasanten Entwicklungen in der Branche wolle er sich nicht verschließen. Er kann Menschen, die E-Books lesen, gut verstehen, aber privat blättert er lieber in einem gebundenen Buch.

Ohnehin lesen die Krüpes viel. Das gehört ja irgendwie dazu. „Wir lesen oft quer, damit wir mehr lesen können. Denn wir wollen unseren Kunden auch eine ehrliche Auskunft über die Bücher geben“, sagt Bettina Krüpe. Gelesen wird allerdings nur abends und in der Freizeit. Tagsüber, in der Buchhandlung, ist nur Zeit, um ab und an in die Zeitung zu schauen.

Gemeinsam mit den fünf Mitarbeitern, die in etwa jede Generation von 20 bis 60 Jahren vertreten, durchforsten sie täglich Newsletter und Kataloge, um das Beste für den Stolberger Markt herauszufiltern. In Stolberg werde gerne Eifel-Literatur gelesen, viele Heimatkundler zieht es in die Bücherstube. Sogar ein Puzzle der Stolberger Burg verkaufen die Krüpes. „Wir haben viele Leser, die historisch interessiert sind“, sagt Bettina Krüpe.

Vergleichen lässt sich die Arbeit in der Buchhandlung vielleicht ein bisschen mit der in einem Modegeschäft. Es gibt immer wieder neue Trends. Aber es gibt auch Dinge, die verschwinden und plötzlich wieder da sind. Was in der Mode die Schlaghose ist, ist in der Welt der Literatur die Handarbeit: „Bastel- und Strickbücher waren jahrelang out, aber jetzt sind sie wieder voll im Trend“, sagt Bettina Krüpe.

Wünsche für die Zukunft

Für die Zukunft wünschen sie sich, dass auch weiterhin zum Buch gegriffen wird. Und das nicht nur aus Verkäufersicht. „Unsere Kinder haben auch immer viel gelesen und tun es heute noch. Das hat ihnen in der Schule geholfen, ihren Ausdruck und ihren Umgang mit Sprache beeinflusst“, sagt Wolfgang Krüpe.

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