Buch erinnert an Blütezeit des Steinwegs

Von: Dirk Müller
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Katharina und Helmut Schreiber präsentieren den dritten Teil ihrer Buch-Reihe über die Geschichte der Mitte Stolbergs. Foto: D. Müller

Stolberg. Die Geschichte des Steinwegs ist spannend: Schon seit der Römerzeit gab es unterhalb der Stolberger Burg einen „Vichtbachtalweg“, doch die spätere „Steinwegstraße“ war lange Zeit ein abgelegener Grenzweg, das die linke Seite des Vichtbachs seit dem dem 16. Jahrhundert zur Territorium der Reichsabtei Kornelimünster gehörte.

Die Situation veränderte sich grundlegend, als die Franzosen 1794 linksrheinische Gebiete besetzten und die Gebietsverhältnisse neu ordneten. Der heutige Steinweg war fortan kein Grenzweg mehr und konnte sich entwickeln.

Die Straße wurde zu einem Wirtschaftsraum, zu einer florierenden Einkaufsmeile. Mit der Historie des Steinwegs befasst sich eingehend die jüngste Veröffentlichung von Katharina und Helmut Schreiber, die der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein jetzt herausgegeben hat. Es ist der dritte Teil in der Reihe „Werden und Wachsen, Handel und Wandel in Stolbergs Mitte“ und mit „Vom Grenzweg zur Einkaufsmeile, die Geschichte des Steinwegs“ unterschrieben.

Der Erscheinung seien jahrelange Recherchen vorausgegangen, erklärte Helmut Schreiber bei der sehr gut besuchten Vorstellung des Buches. Dementsprechend „passt die Fülle des gesammelten Materials nicht in einen Band, und wir haben zunächst den Teil 3a veröffentlicht“, sagte der Vorsitzende des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereins.

Band 3b zum Thema Steinweg werde voraussichtlich in einem Jahr erscheinen. Und mit „Die Entstehungsgeschichte der Rathausstraße bis zum Rosental“ sei auch der vierte Teil in der Reihe „Werden und Wachsen, Handel und Wandel in Stolbergs Mitte“ bereits in Vorbereitung.

Der jetzt vorliegende Band 3a kann die Wartezeit auf weitere Veröffentlichungen bestens verkürzen, denn das Buch fasziniert in vielerlei Hinsicht. Älteren Generationen bietet es viele Erinnerungen, jüngeren Semestern den Schlüssel dazu, die gegenwärtige Situation der einst pulsierenden Einkaufsstraße zu verstehen.

So ist die Geschichte des Steinwegs eng verknüpft mit der Industrie in der Kupferstadt. Zum Beispiel gingen im Jahr 1950 täglich rund 3600 Beschäftigte nach der Arbeit durch den Steinweg und tätigten dort ihre Einkäufe. Mit dem Strukturwandel in der Industrie und empfindlichen Arbeitsplatzverlusten begann der Niedergang der Einkaufsmeile, der schließlich durch das heute veränderte Konsumverhalten der Menschen besiegelt wurde.

Das Buch der Eheleute Schreiber erinnert mit viel Akribie und Liebe zum Detail an die Blütezeit des Steinwegs, spricht den Leser mit zahlreichen Fotos und alten Werbeanzeigen an. Wie genau die Autoren recherchiert haben, zeigen die Quellenangaben, die sich über mehr als 20 Seiten erstrecken.

Den vorderen 260 DIN-A4-Seiten merkt man an, dass Katharina Schreiber im Steinweg aufgewachsen ist. Und das nicht nur, weil sie Wissen aus erster Hand beisteuert – ihre emotionale Bindung an den Steinweg ist allgegenwärtig, was die Schreibers auf sehr ansprechende Art und Weise umsetzen. Sie verknüpfen Zahlen und Fakten mit den Menschen, ihren Namen, Gesichtern und Schicksalen.

Das Autorenpaar bewahrt einen Teil der Stolberger Historie so, dass er spürbar wird. Katharina und Helmut Schreiber erinnern nicht an die Geschichte der Stadt, sie halten sie lebendig. Wer melancholisch an die Vergangenheit des Steinwegs zurückdenkt, mit seiner Gegenwart hadert, fatalistisch oder auch positiv in seine Zukunft blickt, sollte das Buch der Schreibers gelesen haben, um ein tieferes Verständnis zu erhalten für den Werdegang der Straße vom einstigen Grenzweg über eine florierende Einkaufsmeile bis zum heutigen Leerstand.

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