Stolberg - Brudermeister Stefan Doncks: „Die Schützen müssen sich modernisieren“

Brudermeister Stefan Doncks: „Die Schützen müssen sich modernisieren“

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Diözesankönig Stefan Doncks mit Ehefrau Sabine beim Bundesschützenfest in Heinsberg. Dort wäre er fast Bundeskönig im Bund Historischer Schützenbruderschaften geworden. Er trägt jedoch den Titel des Diözesankönigs. Foto: Anna Petra Thomas

Stolberg. Der Brudermeister der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Stolberg-Stadtmitte, Stefan Doncks, ist Bezirkskönig und als bester Schütze aus dem Bistum auch Diözesankönig der Diözese Aachen. Im Gespräch mit Kristina Toussaint erläutert Doncks, warum Schützenbruderschaften heute noch Bedeutung haben, wie es ist, ganz knapp den Titel des Bundeskönigs zu verpassen, und was eigentlich so toll am Schießen ist.

Herr Doncks, wie sind Sie selbst zur Schützenbrüderschaft gekommen?

Doncks: Als ich klein war, war mein Vater schon Brudermeister in der St.-Sebastianus-Bruderschaft. Seit 1975 bin ich dabei – damals war ich drei Jahre alt. Damals haben wir Kinder auch schon mit sechs Jahren angefangen zu schießen. Später in der Jugend war die Bruderschaft der günstigste Weg für unsere Eltern, uns fünf Kindern ein Hobby zu ermöglichen.

Wie groß ist die Rolle der Kirche im Vereinsleben? Und wie gut konnten Sie sich als Jugendlicher damit identifizieren?

Doncks: Über die Familie war ich kirchlich ohnehin viel gebunden, man ist regelmäßig in die Kirche gegangen. Heute spielt der Glaube erst recht eine große Rolle für mich: Seitdem mein Bruder 2016 verstorben ist, habe ich das Gefühl, dass er die Hand über uns hält. Alle wichtigen christlichen Feiertage und Ereignisse werden auch in der Bruderschaft umgesetzt.

Es gibt ja immer noch Bruderschaften, die tatsächliche reine Bruderschaften sind – also keine Frauen aufnehmen. Wie stehen Sie dazu?

Doncks: Bei uns ist es selbstverständlich, dass Frauen der Bruderschaft beitreten können. Bereits zu der Zeit, als mein Vater Brudermeister war, wurde dafür gesorgt, dass Frauen dabei sind. Heute sind zum Beispiel auch zwei unserer Schießmeisterinnen weiblich. Es gibt Vereine, in denen Frauen zwar Mitglieder werden dürfen, dann aber nicht bei den Festzügen mitgehen dürfen. Das kann ich nicht nachvollziehen.

Müssen Schützenvereine zeitgemäßer werden? Oder ist es vielmehr ihre Aufgabe, Traditionen zu bewahren?

Doncks: Es müssten sich eigentlich alle modernisieren, um weiter bestehen zu können. Der Bund der Schützen hat in diesem Jahr die Öffnung der Bruderschaften beschlossen. Bruderschaften können inzwischen also frei entscheiden, ob sie sich auch anderen Religionsgemeinschaften oder gleichgeschlechtlichen Paaren öffnen. Auch wir sind offen: Wenn hier ein gleichgeschlechtliches Paar vor mir säße, das Teil der Bruderschaft werden möchte, würde ich sagen „ja, klar“! Man kann vielen Menschen hier eine Heimat geben, zum Teil sind ganze Familien Mitglied.

Ist man als Mitglied verpflichtet, an allen Veranstaltungen teilzunehmen?

Doincks: Wir haben schon einige Pflichttermine. Das sind eigene Feste wie das Patronatsfest und das eigene Schützenfest und ganz besonders die Fronleichnamsprozession. Wir haben aber keinen Uniform- und keinen Teilnahmezwang. Wer nur zum Schießen kommen will, kommt nur zum Schießen. Und wer zum Umzug einen Anzug tragen will statt der Uniform, kann das tun. Inzwischen werden die Uniformen aber wieder beliebter. Rund die Hälfte unserer 70 Mitglieder trägt Uniform. Die Jugendlichen stecken sich auch ein bisschen untereinander an: Wenn einer eine Uniform trägt, wollen die anderen auch eine.

Wie erreicht man die Jugend?

Doncks: Junge Leute kommen vor allem über den Schießsport. Ab zwölf darf man mit dem Luftgewehr schießen, für die Jüngeren haben wir eine Laseranlage. Was viele nicht wissen, ist, dass über das Bildungspaket des Bundes auch Kinder zu uns kommen können, die sich den Vereinsbeitrag und die Kosten für die Fahrten nicht leisten können. Schüler, die Mitglied sind, bringen oft ihre Freunde mit. Dadurch haben wir Nachwuchs auch von außerhalb der Stadtmitte. Oft ist es inzwischen sogar so, dass sich zuerst die Kinder anmelden, und die Eltern dann auch interessiert sind und nachziehen.

Können sich die Kinder und Jugendlichen mit dem Verein identifizieren, oder geht es hauptsächlich um den Sport?

Doncks: Es geht auch um den Vereinsgeist. Insbesondere die Jungschützentage und die Wochenendfahrten kommen sehr gut an. Aktuell haben wir etwa 20 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen sechs und 25 Jahren im Verein. Das alles ist aber auch nur mit guten Jugendleitern möglich. Auch da hinein muss man investieren, wenn man weiterhin bestehen will. Bei vielen jungen Leuten bricht das Engagement im Verein leider ab oder wird weniger, wenn sie die Schule verlassen und zum Beispiel eine Ausbildung anfangen.

Welchen Stellenwert haben Schützenvereine heute noch in den Gemeinden?

Doncks: Die kleinen Gemeinden haben oft noch sehr viele Jugendlichen in den Vereinen, das konnte man auch beim Bundesfest in Heinsberg sehen. Hier bei uns in der Stadt haben die Vereine auf keinen Fall mehr den Stellenwert, den sie früher hatten.

Was ist für Sie der Kern der Schützenbrüderschaft, die Tradition, die weitergetragen werden muss?

Doncks: Der Kern ist, nach „Glaube, Sitte und Heimat“ zu leben und das Kirchliche besonders zu pflegen. Die Heimat im positiven Sinne nach vorne zu bringen und zu begleiten – für mich gehört dazu auch, ehrenamtlich etwas für meine Stadt und die Kirche zu tun.

Was ist das Tolle am Schießen?

Doncks: Man kommt zur Ruhe, man steuert die Konzentration, lernt eine ruhige Haltung. Wir hatten hier zum Beispiel schon hyperaktive Kinder, die durch den Sport ruhiger geworden sind.

Beim Bundesfest sind Sie Zweiter geworden – mit gleich vielen Ringen wie der Sieger. Ärgert einen das?

Doncks: Beim dritten Schuss habe ich mit dem Knie ein bisschen gewackelt. Eine Maschine berechnet, welcher Schütze das beste Ergebnis erzielt hat – das war nicht ich. Aber geärgert habe ich mich nicht. Man freut sich vielmehr, dabei zu sein. Und ich war selbst überrascht, dass ich 30 Ringe getroffen habe und Zweiter geworden bin.

Welche Rechte und Pflichten kommen jetzt als Diözesankönig auf Sie zu? Ihre Diözese reicht immerhin vom Niederrhein bis in die Eifel und zählt etwa 55 000 Mitglieder.

Doncks: Als Oberster im Diözesanverband habe ich ja nun das ganze Bistum Aachen unter mir (lacht). Am 3. November wird mir dann auch die Diözesanstandarte übergeben, begleitet von einer Messe in Stolberg und einem Empfang im ökumenischen Gemeindezentrum. Im kommenden Jahr wird dann währen der Stolberger Kirmes am 1. Juli das Diözesankönigsfest stattfinden. Dafür hoffen wir auf den Rückhalt von Stadt und Bürgern.

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