Stolberg - Brooklyn oder Bronx Mowgli? Beim Vornamen lieber bodenständig

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Brooklyn oder Bronx Mowgli? Beim Vornamen lieber bodenständig

Von: Annika Kasties
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Das Wohl des Kindes stets im Blick: Kathrin Janowski vom städtischen Standesamt hat sich bei der Namensgebung bislang immer mit den Eltern verständigen können. Foto: A. Kasties
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Das Wohl des Kindes stets im Blick: Kathrin Janowski vom städtischen Standesamt hat sich bei der Namensgebung bislang immer mit den Eltern verständigen können.

Stolberg. Irgendwo liegt auch bei Kathrin Janowski die Grenze. Einen Vornamen wie „Türklinke“ würde sie selbstverständlich nicht akzeptieren. Dem Wohle des Kindes wäre mit dieser Wahl sicherlich nicht gedient, meint die Standesbeamtin.

Eine „Summer“ – englisch für Sommer – habe sie am Stolberger Standesamt jedoch schon beurkundet. Kreative Freiheit müsse man den Eltern bei der Namensfindung ihrer Sprösslinge lassen. Zumal dank US-amerikanischer Filme und Serien die Benennung nach Jahreszeiten und Obstsorten längst nicht mehr überall als exotisch gilt.

Ob Apple, Brooklyn oder Bronx Mowgli – gerade die Stars und Sternchen der amerikanischen Film- und Musikindustrie scheinen sich mitunter in einem Wettstreit um die ausgefallensten Kindernamen zu befinden. Auch die deutsche Prominenz legt zunehmend nach. Spitzenreiter auf der Liste der ungewöhnlichen Vornamen dürfte Schauspieler und Musiker Uwe Ochsenknecht mit seinen Söhnen Jimi Blue und Wilson Gonzales sein.

Ein Blick in die Statistik zeigt jedoch: Die Kupferstädter bleiben bei der Namensgebung lieber bodenständig. Ganz oben auf der Liste standen 2015 bei den Mädchen die Namen Marie, Sophie, Mia, Maria und Anna. Bei den neugeborenen Jungen standen Maximilian, Julian, Paul, Alexander und Elias hoch im Kurs. Der Name Ben – bundesweit Spitzenreiter bei den Jungen – schaffte es in Stolberg hingegen nur auf Platz zehn. Auch englische Namen finden sich unter den Top 30 kaum. Lediglich Emily sticht auf Platz 17 heraus.

Was viele nicht wissen: Alle Kinder, die im Bethlehem-Krankenhaus das Licht der Welt erblicken, müssen im Stolberger Standesamt beurkundet werden, und zwar unabhängig davon, ob die Eltern in Alsdorf, Eschweiler oder Aachen leben. Die Standesbeamten der Kupferstadt setzten somit im vergangenen Jahr unter 1337 Urkunden ihre Unterschrift. Ein Rekord, wie Roland Gilleßen, stellvertretender Leiter des städtischen Amts für Finanzen und Standesamtswesen, betont.

Auch wenn es die Top fünf der beliebtesten Kindernamen in Stolberg nicht nahelege, gehe die Tendenz in Deutschland bei der Namensgebung mittlerweile zur „absoluten Freiheit“, sagt Gilleßen. Doch nichts bestätigt die Regel besser als die Ausnahme. So dürfen Standesämter Namen ablehnen, wenn diese die Gefahr bergen, das Kind der Lächerlichkeit preiszugeben. Auch Namen, die als beleidigend empfunden werden, sind tabu.

Namen wie Tiger oder Vitamalz wird man somit nicht auf einer deutschen Geburtsurkunde finden. Zum Wohle des Kindes ist es in Deutschland verboten, seinen Sprössling nach Tieren, Städten oder Markenprodukten zu benennen. Auch der biblische Name Judas ist tabu, da er negativ besetzt ist.

Wollen Eltern einen außergewöhnlichen Namen gegen den amtlichen Willen durchsetzen, müssen sie vor Gericht ziehen. Dass in der näheren Vergangenheit schon einmal der elterliche Wunschname in Stolberg abgelehnt worden sei, ist Janowski und Gilleßen hingegen nicht bekannt. Bislang habe man sich immer mit den Eltern verständigen können. „Die Stolberger sind da zum Glück ganz vernünftig“, findet Gilleßen.

Ist den Beamten ein Name unbekannt, beispielsweise weil er aus dem arabischen Raum stammt, greifen sie auf die Internetseite www.firstname.de zurück. „Wenn wir den Namen dort finden, lassen wir ihn in der Regel zu“, erklärt Janowski. Der Name Bronx Mowgli ist übrigens in der Internetdatenbank zu finden. Streng genommen ist es somit möglich, dass der Sohn von US-Sängerin Ashlee Simpson und Pete Wentz, Bassist der Rock-Band „Fall Out Boy“, in der Kupferstadt Nachahmer findet. Doch vielleicht machen sich die Beamten in so einem Fall ja auch ihren Ermessensspielraum zunutze.

Wer mit der beurkundeten Namensgebung seiner Eltern unzufrieden ist, wird in den meisten Fällen in den sauren Apfel beißen müssen. Die rechtlichen Hürden für eine nachträgliche Änderung des Vor- oder Nachnamens sind hoch, wie die Standesbeamten Gilleßen und Janowski erklären. „Der Gesetzgeber setzt auf Kontinuität“, sagt Gilleßen.

Die Möglichkeit einer sogenannten öffentlich-rechtlichen Namensänderung ist nur für Härtefälle vorgesehen – und kostet. Bis zu 1022 Euro muss derjenige zahlen, der stichhaltig begründen kann, dass er unter seinem Nachnamen leidet. Beim Vornamen belaufen sich die Kosten je nach Einkommen auf bis zu 250 Euro.

Ein möglicher Härtefall liegt beispielsweise vor, wenn der Nachname durch die kriminellen Machenschaften eines Verwandten in Verruf geraten ist oder der Betroffene nachweisen kann, dass sein Name für ihn unzumutbar ist. Dies kann unter Umständen durch ein psychologisches Gutachten erfolgen.

Die Beratung für eine öffentlich-rechtliche Namensänderung leistet das Stolberger Standesamt. Darüber, ob dem Antrag auf Namensänderung stattgegeben wird, entscheidet jedoch das Ausländeramt der Städteregion als übergeordnete Behörde.

Gilleßens Ratschlag für all jene, die mit ihrem Nachnamen unzufrieden sind, lautet aufgrund der hohen rechtlichen Hürden ganz nüchtern: „heiraten“.

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