Breite Rückendeckung für Ampel-Lösung

Von: Jürgen Lange
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Auch wenn dem Durchgangsverkehr mit einer Ampellösung auf der Altstadtachse Paroli geboten werden soll, bleibt der Busverkehr weiterhin ein Problem. Die Stadtverwaltung will mit der Aseag in Gesprächen nach Alternativen zu den großen Omnibussen suchen. Foto: J. Lange
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Großes Interesse: Beide Tribünen und der Ratssaal selbst waren mit rund 150 Anwohnern gut gefüllt bei der Informationsveranstaltung zur Verkehrsproblematik. Foto: J. Lange

Stolberg. Die Quadratur des Kreises ist zwar nicht ganz gelungen, aber es zeichnet sich eine breite Zustimmung der Bürgerschaft ab für die geplanten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung auf der Altstadtachse von Burg-, Vogelsang- und Hastenrather Straße.

Gut 150 Bewohner des Quartiers spendeten am Ende der Informationsveranstaltung reichlich Applaus – dafür, dass sich die Stadt nach über drei Jahrzehnten der Verkehrsproblematik endlich annimmt und auch für den vorgeschlagenen Kompromiss einer Ampel mit Kennzeichenerkennung und Blitzer.

Eine klare Minderheit von weniger als zehn Teilnehmern plädierte am Ende entweder für den Beibehalt des Status Quo oder eine Lösung mit Pollern (die in der Anwohnerbefragung mit breiter Mehrheit abgelehnt wurden).

Etwa gleichauf lag die Zustimmung zu den beiden vorgestellten Varianten: Eine Ampel für beide Fahrtrichtungen ungefähr in Höhe der Vogelsangkirche bei den Haus-Nr. 24 / 25 oder aber eine überlappende Lösung mit versetzten Ampeln: für die Fahrtrichtung Innenstadt etwa am Kleikplatz oder Alter Markt und für die Fahrtrichtung Donnergberg am Seifenplatz.

Über diese Details wird der Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt auf seiner Sitzung am 7. Juni befinden, kündigte Tim Grüttemeier an. Installiert und in Betrieb genommen werden soll die Anlage – verbunden mit einer breiten Informationskampagne und entsprechendem Vorlauf – noch in diesem Jahr, sagte der Bürgermeister.

„Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung“, brachte ein Bürger die Meinung der Mehrheit auf den Punkt, die ganz offensichtlich froh war, dass die Verkehrsproblematik endlich einmal in Angriff genommen worden ist. Klar wurde aber auch, dass der vorgeschlagene Kompromiss einige Probleme noch offen lässt. Das größte davon ist wohl der Busverkehr.

Auf die Anbindung des Quartiers an den Öffentlichen Personennahverkehr soll einerseits nicht verzichtet werden, anderseits werden die normalen Linienbusse – teilweise werden für den Schülerverkehr auch Gelenkbusse eingesetzt – als zu groß für die enge Altstadt und das Fahrgastaufkommen eingeschätzt. Aber auf kleinere Busse will die Aseag nicht umsteigen, erklärte Grüttemeier, weil der Bus am Ende der Linie 72 auf eine andere Route wechsele.

„Wir stehen weiterhin in Gesprächen mit der Aseag“, versicherte Grüttemeier, dass die Stadt eine andere Regelung für die Altstadt erreichen wolle. Denkbar wäre beispielsweise eine Lösung, wie sie in Monschau mit dem „Netliner“ getestet werde – eine Art Rufbussystem mit Kleinbussen.

Ein weiteres Problem sind die Geschwindigkeiten, mit denen die Busse auf der Achse unterwegs sind. „Gemessen am Fahrplan der Aseag bleiben ihnen nur vier Minuten für die 1,4 Kilometer zwischen dem Haltepunkt Altstadt und dem Lindchen“, so Grüttemeier weiter. Das bedeute eine durchschnittlich erforderliche Geschwingkeit von mehr als 21 km/h. „So kann das nicht funktionieren“, meinte der Bürgermeister.

Auch unabhängig von den Bussen werden die zu hohen Geschwindigkeiten auch dann ein Thema bleiben, wenn mit der Ampel-Lösung der Anliegerverkehr durchgesetzt wird. Allerdings haben sowohl die Untersuchungen der Verkehrsplaner Prof. Dr. Markus Oeser und Dr. Dirk Kemper von der Ingenieurgesellschaft Straßenwesen Aachen wie auch die Beobachtungen der Anwohner ausgemacht, dass die Masse der Raser unter dem bisherigen Durchgangsverkehr zu suchen sei. „Ohne Durchgangsverkehr werden es einige Raser weniger sein“, markierten Teilnehmer. Aber „wir Anlieger werden uns auch an die eigene Nase fassen müssen“, sagte eine Bürgerin.

Es gab auch eine Reihe von Fragen (u.a. zu Wendemöglichkeiten) und Vorschlägen (u.a. zu den Standorten) zu den Details. Grundsätzlich bleiben für die Anwohner alle Häuser wie bisher aus beiden Richtungen erreichbar. Sie können ihre Kennzeichen beim Ordnungsamt registrieren lassen, so dass sie an der Ampel automatisch Grün erhalten. Zudem werde es Ausnahmeregelungen bei besonderen Erschwernissen (z.B. Pflegedienste, Möbelwagen) geben.

Bevor für geblitzte Fahrzeuge Bußgeldbescheide von der Städteregion zugestellt werden, werden diese Fälle im städtischen Ordnungsamt vorgeprüft. Außer den Anliegern dürfen nur Feuerwehr und Polizei die Ampel passieren. Außen vor bleiben Taxis, Lieferdienste und auch Besucher. Sie dürfen ihr jeweiliges Ziel nur vom Donnerberg beziehungsweise von der Innenstadt aus anfahren.

Zu Beginn hatte der Bürgermeister die Entwicklung der Altstadtachse noch einmal Revue passieren lassen, auf die unterschiedlichen Interessenkonflikte hingewiesen und die Ergebnisse der Anwohnerbefragung erläutert, die mit einem Rücklauf von 37 Prozent eine überdurchschnittliche Resonanz hatte und ein recht einheitliches Handlungsbild sowohl im gesamten Quartier wie auch im engeren Altstadtbereich aufwies.

Markus Oeser und Dirk Kemper erläuterten die Verkehrsuntersuchung, die bei einer täglichen Belastung von gut 2000 Fahrzeugen einen Anteil von 25 Prozent Durchgangsverkehr, also rund 500 Fahrzeuge, und erhebliche Geschwindigkeitsverstöße – auf der Hastenrather Straße wurde Tempo 70 gemessen – zum Ergebnis hatte.

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